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Weisheiten ums Wetter – Bauernregeln: Mehr als nur Aberglaube, oder?

Weisheiten ums Wetter – Bauernregeln: Mehr als nur Aberglaube, oder?
„Scheint am Siebenschläfer Sonne (Foto: Pixabay)

Wie wird das Wetter? Diese Frage beschäftigt Menschen schon seit grauer Vorzeit. Für viele sind Bauernregeln, der hundertjährige Kalender, Lostage oder überlieferte ländliche Wetterweisheiten, nichts als Humbug. Für andere hingegen sind Begriffe wie Schafskälte, Eisheilige oder Hundstage ein zuverlässiger Begleiter durch das Jahr. Aber woher kommen all diese Weisheiten?

Region – Für Bauern entscheidet seit jeher das Klima über Erfolg oder Misserfolg bei der Ernte. Daher waren es auch die Bauern und Mönche, die das Wetter schon vor Jahrhunderten genau beobachteten und ihre Erfahrungen und das Pflanzenwachstum zusammenfassten. Daraus entstanden in Reimform verpackt Bauernregeln wie „Der April macht das, was er will“ oder „Mai kühl und nass, füllt des Bauern Scheun’ und Fass.“Die wohl bekanntesten Bauernregeln ranken sich um die Gedenktage von Heiligen oder um Lostage wie den Siebenschläfertag am 27. Juni. Zu den gängigsten Wetterheiligen gehören die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius und Bonifatius im Mai. Allesamt waren Bischöfe und Märtyrer im 4. oder 5. Jahrhundert. Die Tage der Eisheiligen münden in den Tag der „Kalten Sophie“, dem Gedächtnistag für die Heilige Sophia am 15. Mai.

Einer, der sich im finstersten deutschen Mittelalter mit arabischer Wissenschaft auseinandersetzte und frühe naturwissenschaftliche Forschung betrieb, war Albertus Magnus (1200 bis 1280). In seinem Werk „Über die Beschaffenheit des Windes“ ist zum ersten Mal von Bauernregeln die Rede.Einer, der sich im finstersten deutschen Mittelalter mit arabischer Wissenschaft auseinandersetzte und frühe naturwissenschaftliche Forschung betrieb, war Albertus Magnus (1200 bis 1280). In seinem Werk „Über die Beschaffenheit des Windes“ ist zum ersten Mal von Bauernregeln die Rede.

Ältestes Werk seiner ArtIm Jahr 1505 erscheint in Augsburg das „Wetterbüchlein“ von Leonhard Reynmann. Das meteorologische Volksbuch ist die früheste gedruckte deutschsprachige Sammlung von Bauernregeln und stützt sich nicht ausschließlich auf die Wetterkunde aus antiken und mittelalterlichen Quellen.Seit Jahrhunderten wissen aufmerksame Wetterbeobachter: Eine bestimmte Großwetterlage zu einer bestimmten Jahreszeit bringt ein bestimmtes Wetter. Bei zeitlich regelmäßig wiederkehrenden Großwetterlagen spricht der heutige Meteorologe von Singularität (vereinzelt), der Bauernkalender zum Beispiel von der Schafskälte oder den Hundstagen.

Wahllos gesammelt

 Anders sieht es bei den bäuerlichen Wetterweisheiten aus. Sie sind immer schon vor Ort entstanden und beziehen sich auf lokale oder regionale Besonderheiten, die meist mündlich überliefert und auch wahhlos gesammelt, in Büchern veröffentlicht wurden. Mehr noch als an den Bauernregeln scheiden sich die Geister am 100-jährigen Kalender. Er folgt der Theorie, dass das Wettergeschehen maßgeblich von sieben Planeten (Merkur, Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne und Venus) bestimmt wird.

Sieben Jahre lang akribisch beobachtet

Der 100-jährige Kalender stützte sich dabei auf die wetterkundlichen Aufzeichngen des fränkischen Abtes Mauritius Knauer, der im 17. Jahrhundert in einem Kloster bei Bamberg gelebt hat. Seine Schriften sollten ihm und seinen Mönchen ermöglichen, das Wetter in Franken vorherzusagen und so die klösterliche Landwirtschaft zu optimieren. Erst sein geschäftstüchtiger Nachlassverwalter, der Arzt Dr. Christoph Hellwig aus Erfurt, machte aus Knauers siebenjährigen Wetterbeobachtungen durch Streichungen und Hinzufügungen den „Hundertjährigen Kalender“.

Dann gibt es da noch Steinhausers „Kempter Kalender“. Über lange Zeit war er in fast jedem bäuerlichen Haushalt in Oberschwaben zu finden. Er zählt zu den ältesten Volkskalendern Deutschlands und ist seit 1692 nachweisbar. Der Inhalt des Kalenders bietet eine ganze Menge an Informationen wie Namenstage, Tierkreiszeichen und Planetenbewegungen. Der ausführliche Mondkalender erklärt in den Bereichen Garten, Mensch und Tier wie man am besten im Rhythmus der Natur leben kann. 

 

Bauernregeln

• Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß

• Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß

• Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt‘s noch sehr viel Schnee und Eis

• Gibt‘s im März viel Regen, bringt die Ernte wenig Segen

• Bringt der April viel Regen, so deutet der auf Segen

• Mairegen auf die Saaten, dann regnet es Dukaten

• Juni feucht und warm, macht keinen Bauern arm

• Juliregen nimmt den Erntesegen• Geht Barbara (4. Dezember)im Klee, kommt‘s Christkind im Schnee

 

Daniela Leberer