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Was heißt „geheilt entlassen“?

Was heißt „geheilt entlassen“?
Oberarzt Wolfgang von Hänisch sagt, dass wir lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Das bedeutet: Gut sitzende Masken im Alltag nutzen, gerne auch selbstgenähte, am besten mit Nasenbügel, diese sauber halten. Abstandsregeln beachten und antivirales Desinfektionsmittel nutzen. (Bild: OSK)
Karin Boukaboub

Täglich erreichen uns die Corona-Statistiken: Neuinfizierte, Todesfälle und Genesene. Was es aber bedeutet, Covid 19 überstanden zu haben, darüber haben wir mit Wolfgang von Hänisch, dem Leitenden Oberarzt der Zentralen Notaufnahme der OSK, gesprochen.

Ravensburg – Die Oberschwabenklinik (OSK) wird bislang nicht von Covid 19-Erkrankten überrannt, ist aber darauf vorbereitet. Das Haus hat Stationen freigeräumt und nach wie vor freie Kapazitäten. Allerdings gibt es keine Entwarnung: „Viele haben sich an Ostern eben doch mehr bewegt oder nahe Verwandte besucht. Sollten sie sich da angesteckt haben, merken wir das kommendes Wochenende“, so der leitende Oberarzt. Im Schnitt brauche es fünf Tage, bis sich die Erkrankten so schlecht fühlen, dass sie ins Krankenhaus gehen.

Kommen tatsächlich überwiegend Alte und Vorerkrankte in die Klinik? „Unser jüngster stationär aufgenommener Patient war noch nicht einmal 40 Jahre alt und hatte keine bekannten Vorerkrankungen“, berichtet von Hänisch.

Insgesamt ist die Hauptgruppe der Infizierten im Kreis Ravensburg zwischen 40 und 60 Jahre alt, damit erkläre sich auch, dass viele mit der Erkrankung noch gut zurechtkämen. „Aber wir mussten auch schon 50-Jährige intubieren“, so der Oberarzt. Allerdings werde inzwischen nicht mehr so schnell künstlich beatmet, „die Covid 19-Erkrankten scheinen mit einem niedrigeren Sauerstoffgehalt im Blut zurechtzukommen als andere Kranke“, haben die Ärzte am OSK beobachtet. Deshalb gebe man inzwischen eher Sauerstoff. Denn die künstliche Beatmung ist nicht ohne Risiken und wird nur eingesetzt, wenn das Leben des Patienten akut in Gefahr ist. So sei auch zu erklären, dass die meisten an Covid 19-Verstorbenen zuvor beatmet wurden.

Kommt es zu Schädigungen durch die künstliche Beatmung? „Die Covid 19-Patienten müssen nicht so lange beatmet werden, maximal sieben Tage“, so von Hänisch, da müsse man noch nicht mit Langzeitschäden rechnen. Patienten allerdings, die schon vorher Probleme mit der Atmung hatten, müssten durchaus mit einer Verschlechterung ihrer Lungenfunktion nach überstandener Erkrankung rechnen, unabhängig davon, ob sie intubiert waren oder nicht.

Auch Herz-Kreislauf-Krankheiten könnten sich bleibend verschlimmern. Ob sie durch Corona-Viren ausgelöst werden können, ist bislang unklar. Um das abzuklären, sollten „insbesondere jüngere Verstorbene nach Möglichkeit obduziert werden“ fordert der Mediziner.

Ein virales Erschöpfungssyndrom beobachte man dagegen häufig nach der Krankheit, „da können sich Genesene, je nach Vorerkrankung, auch mehrere Wochen abgeschlagen und kraftlos fühlen“. Aber auch Sportler sollten sich, wie bei einer echten Influenza, ausreichend schonen, denn wer Leistungssport treibe, habe häufig ein vergrößertes Herz. Sind Geheilte dann wenigstens immun gegen das neuartige Corona-Virus? „Auch das ist noch nicht sicher, es könnte sein, dass das Virus mutiert.“

Vieles ist also auch für die Ärzte noch unklar, sicher ist für den Oberarzt aber: „Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Das bedeutet, die Hygieneregeln und die Abstandsvorschriften zu beachten. Und durchaus auch Masken zu tragen, allerdings sollten diese richtig sitzen, und die verwendeten Desinfektionsmittel sollten geignet sein, Viren abzutöten“, so der Mediziner. Die OSK jedenfalls bleibe gewappnet, denn wenn sich zunehmend ältere Menschen infizieren, sei auch mit mehr Covid 19-Patienten im Krankenhaus zu rechnen.