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Väterchen Frost und die wilden Kobolde – Warmer Glögg, Robbenfleisch, fermentierter Rochen und die Ansprache der Queen zu Weihnachten

Väterchen Frost und die wilden Kobolde – Warmer Glögg, Robbenfleisch, fermentierter Rochen und die Ansprache der Queen zu Weihnachten
In Russland gibt es die Geschenke am 31. Dezember. Väterchen Frost bringt sie gemeinsam mit seinem Schneemädchen Snegurotschka. Die Kinder müssen ein Gedicht aufsagen oder ein Lied vorsingen. (Foto: Shutterstock)

Im Wohnzimmer ein bunt geschmückter Weihnachtsbaum, leckere Plätzchen, die Familie wartet am Tisch auf das Christkind und im Hintergrund erklingt Stille Nacht: So wird in Deutschland am 24. Dezember in vielen Häusern der Heilige Abend verbracht. Aber wie feiern andere Länder Weihnachten? Wir haben nachgeschaut. 

Während des Weihnachtsfastens vom 28. November bis 6. Januar isst man in Russland vor allem wärmende Suppen, verschiedene Breie mit Pilzen oder Trockenfrüchten und gegartes Gemüse. Der Heilige Abend heißt „Sochelnik“ und findet am 6. Januar statt. Das wichtigste Ereignis ist ein stundenlanger Gottesdienst mit viel Gesang und schönen Lichter-Prozessionen. Gefeiert wird am 7. Januar.  Die Geschenke verteilt Väterchen Frost, der mit seiner hübschen Enkelin Schneeflöckchen („Snegurotschka“) in der Tundra lebt.  

Bösartige Weihnachtskatze in Island

13 Weihnachtsmänner begeben sich in Island ab dem 12. Dezember in Richtung Zivilisation und bleiben 13 Tage lang dort. Die frechen Gesellen erfreuen sich daran, die Bevölkerung zu triezen. Das Familienglück perfekt macht Jólakötturinn. Sie ist eine riesengroße, bösartige und schlecht gelaunte Katze, die in der Vorweihnachtszeit die Menschen jagt und Kinder frisst, die keine neue Kleidung vor Weihnachten bekommen haben.Am Abend vor Weihnachten wird in Island traditionell „kæst skata“ (fermentierter Rochen)gegessen.

Da sich der Harnstoff des Rochens im Blut anreichert, muss man diesen vier Wochen lang fermentieren, damit die Giftstoffe entweichen.Neuseeländer kennen Weihnachten mit sommerlichen Temperaturen. Beliebt auf der Tafel ist der einheimische Kuchen namens „Pavlova“. Er besteht aus Sahne und Eiweiß, obendrauf kommen Kiwi-Scheiben. Der Ablauf des Festes ist wie in Australien an britische Traditionen angelehnt.

Die Weihnachtsbotschaft der Queen ist wichtig

Briten legen an Heilig Abend lediglich die Geschenke unter den Baum, ausgepackt wird erst am nächsten Morgen. Dann beginnt das eigentliche Fest. Viele machen es sich gerne vor dem Fernseher gemütlich und verfolgen die jährliche Weihnachtsbotschaft der Queen. Auf den Tisch kommt Truthahn mit Bratkartoffeln und Rosenkohl. Als Dessert gibt‘s Plum-Pudding. In Mexiko herrscht ab dem 16. Dezember ein buntes Treiben auf den Straßen. In „Posadas“ wird die Herbergssuche nachgestellt, es gibt Umzüge, Feuerwerk und Theateraustücke. Wichtiger Bestandteil des Fests ist die „Piñata“, eine mit Süßigkeiten gefüllte Pappfigur.  Am 24. Dezember wird die Mitternachtsmesse besucht. Weihnachten wird in Äthiopien „Genna“ genannt und ist eine Feier reich an Kultur und Ritualen.

Als älteste Nation in Afrika verwendet Äthiopien – und vor allem die orthodoxe Kirche, weiterhin den julianischen Kalender. Daher fällt „Genna“ jedes Jahr auf den 7. Januar. Vor dem eigentlichen Fest gibt es eine 43 Tage lange Fastenzeit.Auf den Tisch kommt gerne das Nationalgericht „Doro Wat“, ein scharfer Hühnereintopf mit Eiern. Geschenke sind kein eigentlicher Teil, allerdings kaufen Eltern meist neue Kleidung für ihre Kinder. Auf das Festmahl folgt eine fröhliche Feier mit Trommeln und rhythmischen Tänzen.In Griechenland treiben nach altem Aberglaube Kobolde vom 24. Dezember bis 6. Januar ihr Unwesen. Sie verstecken sich in den Häusern und sind für jeden Streich zu haben. Um die sogenannten „Kalikanzari“ zu vertreiben, werden jede Nacht Weihnachtsfeuer entzündet. An Heilig Abend und Silvester ziehen die Kinder von Haus zu Haus und singen in Begleitung von Trommeln, Glocken und Triangeln. 

Die heilige Lucia

In Schweden beginnt die Weihnachtszeit bereits am 13. Dezember mit dem Luciafest. Traditionell verkleidet sich hier die älteste Tochter der Familie als heilige Lucia (mit einem weißen Kleid und einer Krone mit Kerzen). Sie serviert der Familie Safranbrot, Pfefferkuchen und  Glögg (Glühwein).Die Niederländer feiern am 5. Dezember den „Sinterklaasavond“ (Nikolaus). Der bringt die Geschenke für die Kinder und ist gleichzeitig auch der Schutzpatron für die Seefahrer. Statt mit dem Schlitten kommt er gemeinsam mit seinem Kumpel Zwarte Piet mit dem Dampfschiff angereist.

In Amsterdam erwartet ihn am Hafen sogar die Königsfamilie. Da die Grönländer, vor allem die Eskimos, einen ganz speziellen Speiseplan haben, fällt natürlich hier das Festtagsessen zu Weihnachten speziell aus. Auf den Tisch kommen Robben- und Walfleisch sowie auch das Fleisch von Rentieren.  Besondere Delikatessen sind „mattak“ (Walhaut) und „kiviak“ (ein Gericht aus Fleisch, Fett, Blut, Kräutern und Beeren, das in Robbenbalg gewickelt und durch Gefrieren konserviert wird).

Daniela Leberer