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Und täglich grüßt die Corona-Angst… – Teil 2

Und täglich grüßt die Corona-Angst… – Teil 2
(Bild: Adobe Stock)

Ravensburg – Unsere Kollegin Franziska (Name geändert) ist aktuell frisch aus Südtirol zurückgekehrt, jetzt befindet sie sich14 Tage in häuslicher Quarantäne.

Hier erzählt sie uns fortlaufend ihre Geschichte:

Heute der dritte und vierte Tag ihrer häuslichen Quarantäne.

Tag 4: Mittwoch, 11. März: Und langsam werde ich unruhig. Abends fühle ich mich wunderbar. Ich muss nicht überlegen, ob ich mir den Thriller um 22.30 Uhr noch anschaue. Klar doch – ich kann ja ausschlafen. Obwohl ich nie ausschlafe, da die innere Uhr gegen 5.30 Uhr schrillt. Das Gefühl hat aber was, wenn man weiß, dass man nichts zu einer bestimmten Zeit erledigen muss. Kein Druck, kein Stress.

Aber kaum bin ich wach wünsche ich mir, dass ich ganz normal ins Büro gehen könnte. Was wohl die Kollegen gerade machen? Wer macht meine Arbeit? Hoffentlich hat sich niemand meinen Rechner geschnappt und verstellt was…
Irgendwie schon schräg, dass man, wenn man nicht darf, so gerne dürfen würde…
Das zeigt mir aber auch, dass ich noch lange nicht reif für die Rente bin. Dazu ist mein Tatendrang trotz Quarantäne zu stark.

Mein Vater hat eine fortschreitende Demenz und ist es gewohnt, dass ich täglich nach ihm schaue. Er kann es nicht verstehen, dass ich ihn nicht besuche. „Wann kommst du endlich???“ ruft er ins Telefon – die Antwort versteht er leider nicht, da er nur mit Kopfhörern, die auf mindestens 10 Dezibel eingestellt sind, telefoniert – man könnte ja im Fernseher was verpassen – obwohl, in fünf Minuten schläft er ja eh wieder ein. Trotzdem ist mir nicht wohl dabei, dass ich nicht nach dem Rechten schauen kann. Zum Glück hat er eine nette Zugehfrau, die mich vorübergehend vertritt. Das wäre sonst ein riesengroßes Problem.

Um mal wieder an die Luft zu kommen, bin ich heute früh mit dem Auto in den Wald gefahren, habe einen Spaziergang gemacht und dabei Bärlauch gesammelt. Ich habe kein schlechtes Gewissen deswegen – mir ist niemand begegnet und die Frau von der Corona-Beratungsstelle auf dem Gesundheitsamt hat ja gesagt, dass ich an die Luft darf, sofern ich mit niemandem rede und Menschenansammlungen meide. Der Vorteil des Alleinseins ist, dass es niemanden stört, dass es jetzt bei mir in der ganzen Wohnung nach dem Knoblauch des Waldes müffelt. Oh, wie ich die grünen Blätter liebe…

Eine Freundin und eine Nachbarin haben angerufen und gefragt, ob sie mir Lebensmittel vor die Tür stellen sollen. Das fand ich nett. In Punkto Essen würde ich locker drei Quarantänen am Stück durchstehen. Bei wohldurchdachter Benutzung des Toilettenpapieres sicher dieselbe Zeit.

Meine Mutter hat immer gesagt: „Bei mir geht nie was aus, ich habe immer Vorrat“. Das hat sich im Laufe der Jahre bei mir eingebrannt und ich muss sagen, dass meine Vorräte wirklich was her machen. Meine Mama wäre stolz auf mich!

Tag 4: Donnerstag, 12. März: Da ich bisher keinerlei Grippesymptome spüre, bin ich guter Dinge, dass ich mich nicht angesteckt habe. Der Magen rebelliert zwar öfters, aber das ist sicherlich der ungewohnten Situation geschuldet. Ich bin so froh, dass wir im Urlaub umsichtig waren und keinen Gedanken an Apre`s Ski verwendet haben. Wo auch?
Die Medien überschlagen sich und langsam fühle ich mich in meiner Wohnung wie auf einer sicheren Insel. Ist es draußen nicht gefährlicher als bei mir?

Meinem Sohn gehe ich sichtlich auf die Nerven. Da ich viel Zeit habe und nicht mit eigenen Augen sehen kann, dass es ihm in freier Wildbahn gut geht, rufe ich ihn dauernd an. Sorry, aber ich kann nicht anders…
Ein altes schwäbisches Sprichwort sagt: „Nichts ist so nix, dass es nicht auch für was gut ist“. Gerade habe ich mir überlegt, dass ich seit meiner Zeit in Quarantäne noch keinen Cent ausgegeben habe. Im Normalfall hätte ich mich nach dem Urlaub mit einer Freundin auf einen „Cappu“ mit Kuchen getroffen. Die Chance, dass wir im Anschluss irgendwo ein modisches Teil gekauft hätten, ist groß. Obwohl nach einem Skiurlaub immer eine Weile Sparmaßnahmen angesagt sind.

Ein Ingwerspritz mit meiner Nachbarin an einem Abend in der Stadt wäre auf alle Fälle noch drin gewesen. Man will schließlich vom Urlaub erzählen… Da kommen locker 60 Euro Ersparnis zusammen. Die Einkäufe beim Bäcker, Discounter und Metzger nicht mitgerechnet.

Zum Glück bin ich nicht anfällig für Internetkäufe. Das könnte sicherlich sehr verlockend sein. Da mache ich mich lieber an die Innenseite meiner Rollläden dran. Die muss ich irgendwie beim letzten Großputz vergessen haben, oder waren die immer schon so dunkelgrau…

Fortsetzung folgt…