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Und täglich grüßt die Corona-Angst… – Teil 1

Und täglich grüßt die Corona-Angst… – Teil 1
(Bild: Adobe Stock)

Ravensburg – Unsere Kollegin Franziska (Name geändert) ist aktuell frisch aus Südtirol zurückgekehrt, jetzt befindet sie sich14 Tage in häuslicher Quarantäne.

Hier erzählt sie uns fortlaufend ihre Geschichte:

Trotz ungutem Bauchgefühl angesichts der langsam anlaufenden Corona-Meldungen, sind wir letzte Woche nach Südtirol in die Skiregion Gitschberg Jochtal im Pustertal gefahren. Die Situation hat sich während der Skiwoche drastisch verändert, als im Internet nachzulesen war, dass Südtirol jetzt Risikogebiet ist. Im Hotel gab es stündlich Stornierungen, die Pisten wurden immer leerer, die Hüttenwirte waren frustriert und kamen sich als Südtiroler wie Zombies vor. Wir schauten, dass wir nur allein in der Gondel saßen, was einige deutsche Touristen nicht verstanden und uns für „bekloppt“ hielten. Andere wiederum dachten wie wir und stellten sich abseits…

Ja, ich weiß, dass alle jetzt sagen „Wie kann man nur…“ aber soll ich aus dem Fenster springen? Nein, ich muss durch und werde durchkommen…

Tag 1: Montag, 9. März, 8 Uhr: Nach einer unruhigen Nacht – nicht wegen Corona, sondern wegen der Ungewissheit, was kommt, fange ich an zu telefonieren. Die Sprechstundenhilfe beim Hausarzt teilt mir knapp mit, auf keinen Fall vorbeikommen, was ich natürlich selber weiß – und ich soll einfach zuhause bleiben. Bei Symptomen nochmals melden. Der nächste Anruf gilt dem Gesundheitsamt. Die Hotline war eine Stunde belegt, dann landete ich endlich bei einer Dame die ebenso viel wusste wie ich bereits nachgelesen hatte: „Zuhause bleiben, den Kontakt zu Menschenansammlungen meiden und bei Beschwerdefreiheit darf man täglich einen kleinen Spaziergang machen. Bei aufkommenden Symptomen im EK anrufen.

Sie fragte nicht, in welchem Gebiet wir in Südtirol waren oder sonstiges. Die Auskunft war sehr bescheiden.

Dann dem Arbeitgeber angerufen, wo es auch heißt: Wie konntest du nur?
Jetzt sitze ich da, komme mir wie eine Aussätzige vor und frage mich, ob es das alles wert war: Die leeren Skipisten waren zwar toll, aber im Grunde ist die Angst irgendwie immer mitgefahren.


Die Vorräte im Haus reichen zum Glück aus, das Wetter passt zur Stimmung und einige nette WhatsApp und Anrufe von Freunden muntern auf. Das Schlimmste ist, dass ich weder meinen Sohn sehen darf noch meinen betagten Vater besuchen kann.

Tag 2: Dienstag, 10. März, 6 Uhr: Ich fühle beim Aufwachen sofort in meinen Körper: Wie geht es mir, habe ich Halsweh oder Fieber? Der ganze Stress und die Ungewissheit sind mir auf den Magen geschlagen. Der Arbeitgeber hat mir einen Laptop vor die Tür gestellt, damit ich Homeoffice betreiben kann. Ich fange gleich um 8 Uhr damit an. Leider klappt alles nicht wie gedacht, nur die Hälfte funktioniert, der Monitor flimmert unablässig und die Frustration steigt. Dann ruft die Chefin an und sagt mir, dass sie mich ja gewarnt hätte, nicht nach Südtirol zu reisen. Ja, ich habe es begriffen… Was für ein Tag!

Fortsetzung folgt…