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Spargelernte – die Uhr tickt

Spargelernte – die Uhr tickt
Die Deutschen lieben ihn – ihren Spargel. Vor allem dann, wenn das gesunde Gemüse direkt aus der Region kommt. Doch kann in Zeiten von Corona die Ernte überhaupt wie gewohnt stattfinden? Oder müssen wir dieses Jahr Angst haben, dass es gar keinen Spargel gibt? (Bild: OBST & GEMÜSE – 1000 GUTE GRÜNDE)

Auf vielen Höfen herrscht Unsicherheit. Der regionale Spargelernte steht kurz bevor, aber ob die Saisonarbeitskräfte kommen können, ist fraglich. Ohne sie wird eine Ernte aber so gut wie unmöglich.

Region – Corona verschont auch nicht die Gemüse- und Obsternte. Viele Bauern sind besorgt, denn es ist nicht sicher, wie und ob ihre Erntehelfer, die oft aus osteuropäischen Ländern kommen, in diesem Jahr einreisen können. Grenzen sind dicht, viele brauchen eine Genehmigung, um ihr Land verlassen zu dürfen.

Vergangenen Sonntag kündigte das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz jedoch an, dass grenzüberschreitendes Reisen aus berufsbedingten Gründen weiterhin möglich bleibe und gab somit erst einmal Entwarnung. Die Unsicherheit seitens der Bauern bleibt jedoch bestehen, denn täglich gibt es neue Meldungen. Vor allem bei der Spargelernte tickt die Uhr – kommende Woche beginnt auf vielen Feldern die Ernte, teilweise ist sie sogar schon in Gange.

Deshalb hat der Maschinenring Deutschland nun auf Initiative des Maschinenrings Tettnang und der Bodenseebauern eine bundesweite Jobbörse für Erntehelfer eingerichtet: Unter www.daslandhilft.de können sich Bürgerinnen und Bürger melden, die den Bauern unter die Arme greifen wollen. Aufs Feld zu gehen und bei der Ernte zu helfen, stellt nun auch für viele Menschen eine Alternative zur drohenden Arbeitslosigkeit dar. Vorausgesetzt, man ist fit und gesund, denn die Arbeit ist körperlich anstrengend und verlangt viel ab.

Für die Spargelbauern gilt es jetzt, das Beste aus der Situation zu machen. Das versucht auch Wilfried Möking, der auf seinem Hofgut in Uhldingen-Mühlhofen rund 20 Hektar Ackerland mit Spargel bewirtschaftet. Hier vermietet er auch Ferienwohnungen, die momentan Corona-bedingt geschlossen bleiben müssen. Das hier zuständige Team hat er nun kurzerhand anders mobilisiert, denn er möchte auf keinen Fall, dass seine Mitarbeiter arbeitslos werden. Deshalb kommen auch sie in den nächsten Wochen auf den Feldern zum Einsatz. Und auch mit den rumänischen Erntehelfern, die jedes Jahr zu ihm nach Uhldingen-Mühlhofen kommen, hat alles funktioniert – trotz Corona. „Der einzige Unterschied in diesem Jahr war, dass die Erntehelfer statt mit dem Bus mit dem Flugzeug eingereist sind“, sagt Wilfried Möking. „Da war die Angst vor dem Flugzeug fast größer, als die vor Corona, weil viele zum ersten Mal geflogen sind“, meint er lachend. Zwölf Erntehelfer stellt er insgesamt ein – eine Handvoll von ihnen ist bereits da. Der Rest folgt, wenn alles nach Plan läuft, kommende Woche. Und selbst wenn nicht, weiß sich Wilfried Möking zu helfen. „Ich bekomme momentan hunderte Anrufe und Mails von Menschen, die bei mir arbeiten wollen. Neulich hat sich der ganze Küchenbetrieb einer nun geschlossenen Hotelküche gemeldet“, erzählt er. Leider könne er nicht alle unterbringen.

Bestmöglicher Schutz gegeben
Zumal auch bei Wilfried Möking noch nicht sicher ist, ob womöglich ein Teil der Ernte stehen bleiben muss, denn Möking beliefert auch viele Gaststätten und Restaurants mit seinem frischen Spargel, die momentan geschlossen bleiben müssen. Schlecht wäre das für den diesjährigen Ertrag zwar allemal, aber Möking erklärt: „Bei der Spargelernte ist es sowieso grundsätzlich so, dass eine Hälfte der Ernte tatsächlich abgeerntet wird, die andere aber bis zum Herbst ‚stehen‘ bleibt.“ Dabei kann der Spargel bis zu 1,5 Metern herauswachsen. Im Herbst friert er dann ab oder wird gehäckselt, doch die Wurzeln bleiben immer im Boden. Die sammeln so Nährstoffe für das kommende Jahr. Für die Situation jetzt hilft aber wohl nur, zusammenzuhalten und die Ansteckungsgefahr soweit es geht zu minimieren. Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk versichert hierzu: „Auch beim Einsatz von Saisonarbeitskräften ist unter Einhaltung der gesundheitlichen Auflagen und Hygienebedingungen ein bestmöglicher Schutz vor der Ausbreitung des Corona-Virus gegeben.“