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So gelingt Weihnachten ohne Plastik

So gelingt Weihnachten ohne Plastik
Nachhaltiger Baum: dieses Modell lässt sich Jahr für Jahr wiederverwenden und bedarf nicht einmal großartiger Verzierung. (Foto: Milojevic)

Viele träumen zu Weihnachten von einem unbeschwerten, besinnlichen Fest. Was spricht also dagegen, sich einmal darauf zu besinnen, wie viel Plastikmüll an Weihnachten eigentlich anfällt? Oder besser, wie man ihn ganz vermeiden könnte. Wir haben uns auf die Suche nach Jemandem gemacht, der es durchzieht: Weihnachten ohne Plastik. 

Region – Nicht mal ein gefüllter Gelber Sack – das ist die monatliche Plastikmüllbilanz im Hause Milojevic bei Ulm. Hier wird genau darauf geachtet, wie viel und vor allem welcher Müll produziert wird. Michaela Milojevic hätte sich wohl vor einigen Jahren noch ohne schlechtes Gewissen eine Otto-Normalverbraucherin genannt. Heute ist sie fassungslos über das Ausmaß ihres damaligen Konsums, der Plastik praktisch automatisch mit einschloss.

„Viele sagen dann gerne, was kann einer allein dagegen schon tun? Ich sage: viel!“ Besonders an Weihnachten scheint unsere Konsumgier keine Grenzen zu kennen – doch Michaela Milojevic weiß sich mittlerweile zu bremsen. Außerdem hat sie für Weihnachten viele plastikfreie, alternative Geschenkideen.

Zeit statt Zeug

Schon im letzten Jahr hat Michaela Milojevic ihrer Familie und Freunden mitgeteilt, keine Plastik-Geschenke entgegen nehmen zu wollen. Auch für ihre Kinder nicht – sei das Spielzeug auch noch so toll. „Ich bin ohnehin der Meinung, an materiellen Dingen haben meine drei Jungs alles, was sie brauchen. Wenn nicht, machen wir uns das dann auch meistens selbst. Viel schöner wäre es, mal Zeit zu verschenken“, rät sie. 

Zum Beispiel einen Besuch im Indoor-Spielplatz, im Kino, Café, dem Koch- oder Malkurs, die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Wovon die 32-Jährige außerdem wenig hält, sind Anstandsgeschenke. „Bevor ich einen Korb kaufe und ihn lieblos mit tausenden Artikeln befülle, verschenke ich zum Beispiel lieber selbstgemachte Rapssamenkissen – damit hat man Wärmflasche und Kühlpad in einem“, erzählt sie. Denn, wer nachhaltige Geschenke empfangen will, muss sie auch selbst verschenken.

An Ideen mangelt es Michaela zum Glück nicht. Bienenwachstücher als Ersatz für Frischhaltefolie, sowie selbstgemachtes Erkältungsbalsam und selbstgemachte WC-Reiniger stehen ferner auf ihrer Verschenk-Liste für 2019. Damit möchte sie ihrem Umfeld signalisieren: Öko ist modern, esmuss nicht gleich ein Waldhüttchen ohne Strom bedeuten. Modern ist übrigens auch das, was sich Michaela alternativ zum Tannenbaum ins Wohnzimmer stellt: Vom Treibholz aus ihrem Garten entbehrt sie einen Teil, um sich daraus einen zusammensteckbaren, wiederverwendbaren Holz-Tannenbaum zu basteln.

Die Idee hierfür kam ihr über Pinterest, einer Inspirations-App, von der sie sich gerne berieseln lässt. Aber was wäre ein Weihnachtsbaum ohne Schmuck? Auch hierfür hat Michaela eine Lösung: sie backt Formen aus Salz- und Natronteig heraus und verziehrt diese anschließend. Dabei können auch die Kinder gut mithelfen. „Alternativ: Wieso nicht einfach Tannenzäpfchen an den Baum hängen?“ 

Kreatives Geschenkpapier

Auch das Fest an sich hat Michaela schon plastikfrei durchgeplant: Geschenke werden in Zeitungspapier oder selbst gestaltetes Paketpapier verpackt, Glühwein und Punsch nur im Glas gekauft, Lebkuchen durch Mandarinen ersetzt, Nüsse und sonstiges nur im Unverpacktladen gekauft. „Bei den Plätzchen gibt‘s am liebsten ‚Schäumli‘, mit Walnüssen aus Mamas Garten und dem Eiweiß unserer eigenen Hühner.“ Michaela rät, so viel wie möglich selbst zu machen zu Weihnachten. Deko, Geschenkpapier, selbst das Vanille-Zückerli für Ausstecherle.

„Wer acht gibt, kann an fast jeder Stelle ein Rädchen drehen.“ Dabei sind die Gründe für einen Plastikverzicht verschieden, sei es die Umwelt, der Tierschutz oder nachfolgenden Generationen. Soviel steht fest: wer es so macht, wie Familie Milojevic, dem steht nichts mehr im Wege für ein ein umweltschonendes und besinnliches Weihnachtsfest – ganz ohne schlechtes Gewissen.

Laura Hummler