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Prof. Dr. Klaus Ellinger tritt in den Ruhestand

Prof. Dr. Klaus Ellinger tritt in den Ruhestand
Prof. Dr. Klaus Ellinger. (Bild: OSK)
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Der passionierte OP-Manager und Notarzt freut sich auf die neue Gelassenheit

Ravensburg – Natürlich beschleicht ihn Wehmut beim Abschied von den vielen Kolleginnen und Kollegen. Prof. Dr. Klaus Ellinger ist 18 Jahre lang Chefarzt der Anästhesie am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg gewesen. „Es war eine tolle und interessante Arbeit. Ich bin jeden Tag gerne hierhergekommen“, sagt er. Große Zukunftspläne für den Ruhestand hat er noch keine geschmiedet. „Man muss auch mal einen Schnitt machen können und sich setzen lassen, was man so alles erlebt hat.“

„Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin heißt die medizinische Abteilung, der Prof. Ellinger vorstand. Allein der Name sagt schon, wie umfangreich das Spektrum von Leistungen und Aufgaben ist. 50 Ärztinnen und Ärzte sind hier tätig. Keine andere Klinik des EK verfügt über ein so großes Team. Das OP-Management und die Notfallmedizin hat Prof. Ellinger mit besonders viel Herzblut betrieben.

Der 66-Jährige kennt sie noch, die „Heldengeschichten“ von den Anästhesisten vergangener Tage, die tagelang rund um die Uhr in der Klinik gewesen sind. Sollten sie jemals die Wirklichkeit wiedergegeben haben, dann sicher nicht mehr die heute. Ja, die Anästhesie ist das „Schmiermittel“ im OP-Betrieb, bestätigt der langjährige Chefarzt. „Im OP verdient ein Krankenhaus Geld oder aber es verliert es.“ Ein Chefarzt der Anästhesie muss nicht nur ausgezeichneter Mediziner, sondern genauso versierter Organisator sein.

Herrscht auf der OP-Spange voller Betrieb, laufen parallel zehn Säle. Ein Betrieb, der heutzutage genau getaktet sein will, bei dem Qualität gleichermaßen wie Effizienz geboten ist. Gemessen an den heutigen Möglichkeiten ist am EK ein Optimum erreicht, meint Prof. Ellinger. „Wir sind gut aufgestellt.“

Sein Verdienst? Er winkt ab. „Niemand kann behaupten, dass das allein seine Leistung wäre.“ Es gehe um Abläufe, um schnelle Wechsel im OP. „Man muss Trends erkennen, Entwicklungen vorantreiben.“ Als Prof. Ellinger im Jahre 2002 in Ravensburg die Nachfolge von Dr. Anton Suhayda antrat, waren Aufwachräume erst im Aufbau. Heute gehört diese Art der Überwachung zum Standard. Mit heutigen Möglichkeiten können Anästhesisten besser dosieren, sie verfügen über andere Narkosemittel, die Patienten leiden unter weniger Nebenwirkungen, zählt Prof. Ellinger die Fortschritte auf. Nach der Operation hilft die Schmerztherapie mittels ultraschallgestützter Katheterverfahren.

„Schmerzfreies Krankenhaus“ heißt heute das Schlagwort. Vor zwei Jahrzehnten war daran noch nicht zu denken. Damals gab es noch keine „Pain Nurse“, die beim Patienten vorbeisieht. „Es hat sich die Qualität verbessert, aber auch die Erwartungen der Patienten haben sich gewandelt“, fasst Prof. Ellinger zusammen.

Bevor er nach Ravensburg kam, war er 22 Jahre lang an der Uniklinik Mannheim gewesen. Dann sei die Zeit reif gewesen, sich um als Chefarzt zu bewerben. Den gebürtigen Schwäbisch-Gmünder hat das EK in Ravensburg überzeugt. Es sei schon damals ein Haus der Zentralversorgung auf in vielen Bereichen universitärem Niveau gewesen. Auch wenn das Gebäude eine „Katastrophe“ gewesen sei. „Ich bin erschrocken, als ich das gesehen habe.“ Mit dem Bau des neuen EK hat sich auch dies ins Positive gewandelt.

Dass der Chef einer großen Anästhesie persönlich Notarztschichten fährt, ist ungewöhnlich. Bis vor fünf Jahren hat es Prof. Ellinger gemacht. „Wenn man so will, ein Steckenpferd“, meint er. „Es ist wichtig, dabeizubleiben und zu sehen, wie vielfältig das Spektrum ist.“ Gerade im ländlichen Gebiet sei der Notarztdienst eine Herausforderung. Der erfolgreiche OP-Manager traf hier mitunter auch auf eine andere Welt. „Wenn man sich beeilt und bemüht hat und dann doch erleben muss, nichts für einen Patienten tun zu können, dann geht das an die Nieren.“

Erfreulich sei, dass die schweren Verletzungen im Straßenverkehr weniger werden. Airbags in den Autos und neuerdings auch für Motorräder, gut ausgebaute Straßen mit Leitplanken, Zwischenleitplanken für Zweiradfahrer, das alles zeige Wirkung. Dennoch werden die Notarzteinsätze deutlich mehr. In en 90er-Jahren sei in Mannheim ein Notarztfahrzeug im Einsatz gewesen. Heute seien es im gesamten Großraum zehn. Auch auf diesem Gebiet hat sich viel gewandelt, sind auch die Erwartungen der Bevölkerung gestiegen.

Dass der Landkreis Ravensburg beim Notarztsystem „sehr, sehr gut aufgestellt ist“, habe er schon von Mannheim aus wahrgenommen, erzählt Prof. Ellinger. Den Notarztdienst im Mittleren Schussental stellen die Anästhesisten des EK sicher. Prof. Ellinger hat keine Sorgen, dass sich in absehbarer Zeit dafür keine jungen Kolleginnen oder Kollegen mehr finden lassen. Dieser Dienst würde von sehr vielen gerne gemacht.

Für Prof. Ellinger geht es künftig sehr viel gemächlicher auf zwei Rädern voran. Radfahren will er viel mehr als bisher, dabei mit „Zeit und Ruhe auf die Berge gucken“. Faszinierend findet er es, auf wie vielen verschiedenen Wegen man von seinem Wohnort Tettnang nach Wangen gelangen kann. Mit einem gewissen zeitlichen Abstand kann er sich auch wieder den Einsatz im alten Beruf vorstellen. Zum Beispiel bei einem Projekt in Afrika, um den Ärmsten der Armen zu helfen.