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Polizei kommt aus der Luft

Polizei kommt aus der Luft
Achtung, in diesem Zeppelin sitzen am Osterwochenende Polizisten, die nach Menschenansammlungen Ausschau halten – denn diese sind aus Infektionsschutzgründen verboten. (Bild: Michael Häfner)

Am Osterwochenende kontrolliert die Polizei aus der Luft, ob die Corona-Ausgangsbeschränkungen eingehalten werden. Dafür fliegen Polizisten in einem Zeppelin mit, den die Stadt Friedrichshafen gechartert hat, um die Menschen trotz des tollen Wetters zum Durchhalten zu ermutigen. Wir haben mit Polizeipräsident Uwe Stürmer über die Aktion gesprochen.

Herr Stürmer, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Polizisten in einem Zeppelin patroullieren zu lassen?

Die Stadt Friedrichshafen hat den Zeppelin mit der Aufschrift „alle für alle“ gechartert, um die Menschen an die Beachtung der Ausgangsbeschränkungen zu erinnern – gerade auch in der Osterzeit. Wir wurden eingeladen, mitzufliegen.

Wie viele Polzisten werden an Bord des Zeppelins gehen?

Am vorderen und hinteren Heck werden jeweils drei Polizisten sein: Einer macht Fotos, einer dokumentiert und einer funkt.

Was wird fotografiert?

Es werden nur Überblicksbilder gemacht, da kann man keine einzelnen Personen erkennen. Wir achten die Privatsphäre der Menschen, halten aber Ausschau nach Menschenansammlungen. Wenn wir die feststellen, funken wir die Kollegen am Boden an, die dann nachschauen, ob sich die Menschen an die Corona-Verordnung halten.

Was ist verboten, was nicht?

Generell gilt, dass Familien oder Menschen, die in einem Haushalt leben, auch gemeinsam feiern oder sich erholen können. Verboten ist es, wenn sich mehr als zwei Personen, die nicht Familie oder Lebensgemeinschaft sind, draußen aufhalten oder gemeinsam Partys feiern.

Gibt es bestimmte Personengruppen, die besonders uneinsichtig sind?

Nein, da gibt es ältere und jüngere Uneinsichtige. Generell gilt: Ich bin sehr froh, wie vernünftig die Menschen sind. Die allermeisten halten sich an die Verordnungen, die ja einen starken Einschnitt in das tägliche Leben und in Gewohnheiten mit sich bringen. Vieles, was Spaß macht, geht im Moment nicht mehr. Aber die Bürger sind solidarisch, viele haben die Bilder aus Italien oder Spanien vor Augen und wollen so etwas auf jeden Fall bei uns verhindern.

Wie werden Verstöße geahndet?

Die allermeisten Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten. Eine Straftat wäre zum Beispiel, wenn jemand verboternerweise eine Shisha-Bar öffnet.

Die Einschränkungen sind teilweise schnell wechselnd, wie gehen Sie im Team damit um?

Wir geben täglich um 9 Uhr ein Update, damit die Kollegen mit den neuesten Informationen versorgt sind.

Und wie soll der Bürger sich da noch auskennen?

Die Corona-Verordnung, die Menschenansammlungen verbietet, ist seit 31. März in Kraft. Ich erwarte schon, dass der Bürger auf drei zählen kann. Bei unklaren Fragen, wie Aufenthaltsverbote, die einzelne Gemeinden erlassen haben, gehen die Kollegen ins Gespräch und klären die Menschen auf. Wir wollen ja niemanden drangsalieren, wir wollen dafür sorgen, dass sich alle an die Verordnungen halten. Denn ein Verstoß ist kein Kavaliersdelikt, er ist in höchstem Mass unsolidarisch und unsozial. Hier auf Freiheitsrechte zu pochen, ist einfach ignorant. Wenn wir uns alle an die Maßnahmen halten, werden wir verhindern können, dass weitere InfektionsHot-spots entstehen.

In welchen Regionen wird der Zeppelin fliegen?

Der Schwerpunkt wird auf dem Bodenseeufer liegen, die Städte dort fürchten Menschenmassen, die sich am Ufer des Bodensees erholen wollen. Aber natürlich fliegt er im gesamten Landkreis Ravensburg und bis nach Sigmaringen. Auch das Allgäu haben wir im Blick. Unser Wunsch ist, dass wir nach Ostern sagen können: Es gab keine Verstöße, die Menschen halten sich an die Verordnung.