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Ohne Abfallwirtschaft hat die Gesellschaft Darmverschluss

Ohne Abfallwirtschaft hat die Gesellschaft Darmverschluss
Ab jetzt nur noch Blockabfertigung. (Bild: Daniela Leberer)

Ravensburg – Beim Wertstoffhof Bausch in Ravensburg explodierte seit der Ausgangsbeschränkungen der Ansturm, der Schutz der Mitarbeiter konnte nicht mehr gewährleistet werden Das Resultat ist eine regulierte Zufahrt auf das Areal, beim Bausch herrscht nun Blockabfertigung.

Das WOCHENBLATT hat beim Chef Armin Bausch nachgefragt, wie es jetzt mit dem Betrieb weitergeht.

Herr Bausch, wie waren die letzten Tage, bevor Sie sich dazu entschlossen haben, Ihr Gelände abzuschranken?

Armin Bausch: Man hatte den Eindruck, dass viele Leute ihre Häuser entrümpeln um Platz für Hamsterkäufe zu schaffen. Die geforderten Mindestabstände wurden nicht eingehalten und unsere Mitarbeiter waren diesem Ansturm mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert.

Reagieren die Leute mit Verständnis auf die neue Situation?

Die meisten Leute haben Verständnis für diese Maßnahmen, fühlen sich dadurch auch sicherer und freuen sich, dass es mit der Abfallentsorgung noch funktioniert. Es gibt aber auch Leute, die wollen nur so schnell wie möglich ihren Abfall loswerden, reagieren mit Unverständnis, Ignoranz und werden auch ausfällig.

Was darf noch abgegeben werden und in welchen Mengen?

Es darf wie bisher alles abgegeben werden, nur nicht von allen gleichzeitig. Den RaWEG-Sack kann man jetzt auch direkt am Tor abgeben, dadurch reduzieren wir die Dichte auf dem Wertstoffhof. Für diesen voluminösen Abfall ist die Lagermöglichkeit im Haushalt sicherlich beschränkt und auch aus hygienischen Gründen muss hierfür eine regelmäßige Abgabe aufrechterhalten werden.

Alle anderen Abfälle, insbesondere Elektroschrott und Sperrmüll können sicherlich warten. Wir haben für einen Wertstoffhof sehr komfortable Öffnungszeiten: es geht am Montag um 7 Uhr los und am Samstag schließen wir um 12 Uhr. Ein kleiner Tipp: montags um 7 Uhr gibt es bei uns kein Problem mit dem Mindestabstand und die Regulierung der Zufahrt ist nicht notwendig.

Bekommen die Kunden Hilfe beim Abladen?

Diesen Service können wir im bisherigen Umfang leider nicht mehr anbieten. Um den Kontakt möglichst zu vermeiden, sind unserer Mitarbeiter angewiesen, die Hilfeleistungen beim Entladen nur noch auf den wirklichen Bedarfsfall zu reduzieren.

Was ist Ihr Wunsch an alle Menschen, die jetzt in einen regelrechten „Aufräumrausch“ geraten?

Dass sich dieser Aufräumrausch auf alle möglichen Wochentage und über unsere gesamten Öffnungszeiten gleichmäßig verteilt. Wenn einer von diesem Rausch am Samstag um 10 Uhr befallen wird, muss er einen Stau auf dem Wertstoffhof in Kauf nehmen und das sollte dann nicht zu einer persönlichen Stresssituation führen.

Wie schützen sich Ihre Mitarbeiter?

Auch für unsere Mitarbeiter gelten die Regeln des Kontaktverbotes, insbesondere was den Mindestabstand betrifft. Ergänzend dazu haben wir interne Regelungen, um den Kontakt zwischen den Mitarbeitern so gering wie möglich zu halten. Wir befolgen die Verhaltensempfehlungen der Bundesregierung zum Schutz vor dem Coronavirus so gut es eben geht im Alltag und im Miteinander. Was zusätzliche Schutzausrüstung betrifft, stehen wir auch vor einem Beschaffungsproblem.

Kann es sein, dass Sie über kurz oder lang den Betrieb vorrübergehend einstellen müssen?

Auch wenn das niemand so richtig zur Kenntnis nehmen will, ist die Abfallwirtschaft systemrelevant. Sonst leidet unsere Gesellschaft nicht nur am Coronavirus, sondern auch an einem Darmverschluss. Wir versuchen, so lange wie möglich unseren Job zu machen. Eine Schließung wäre nur dann der Fall, wenn ein Großteil unserer Belegschaft gleichzeitig erkrankt und nicht zur Arbeit antreten kann.

Erhalten Sie Vorgaben von der Stadt oder Regierung?

Es gibt noch keine Vorgaben, was aber zukünftig nicht auszuschließen ist!

Was ist Ihr Appell an die Bürger zur Müllabgab?

Unser Appell ist jetzt, auch in der Abfallentsorgung zu „entschleunigen“. Unnötige Entrümplungsaktionen zu vermeiden, auch wenn das Home-Office dazu einlädt. Nutzen sie vorwiegend die öffentlichen Abfallsammlungen für Hausmüll, Bioabfall, Altpapier und die Depotcontainer für Glas, Blechdosen und Altkleider in Ihrer Nähe. Kommen Sie bitte nicht wegen einer leeren Prosecco-Flasche auf den Wertstoffhof. Für größere Mengen Abfall gibt es auch noch unseren Containerdienst.

Wird es zukünftig eine Maximalabgabemenge von gelben Säcken pro Person geben?

Diese Maximalmenge gibt es eigentlich schon seit dem Bestehen des RaWEG-Sackes. Für jeden abgelieferten Sack soll der Bürger einen neuen Sack erhalten. In der Zwischenzeit wird diese Anordnung nicht mehr so stringent gelebt, auch weil die Säcke immer dünner wurden und bei der dosierten Abgabe gerne reißen. Aus diesem Grunde werden auch ganze Rollen verteilt, verbunden mit der Hoffnung, dass die Leute diese Säcke nicht zweckentfremden und nicht bei jeder Anlieferung nach einer neuen Rolle verlangen. Um unnötigen Kontakt zu vermeiden, stehen jetzt ganze Rollen zu Mitnahme bereit. Hamster greifen dann gerne zu und nehmen gleich mehrere Rollen mit, denn man weiß ja nie! Wenn sich dieses Verhalten nicht ändert, werden wir früher oder später einen Engpass bekommen und Säcke nur noch dosiert abgeben, sofern die Lieferkette nicht unterbrochen wird. Auch hier ein Appell zur Maßhaltung und Rücksichtnahme.

Wie wirkt sich die Krise grundsätzlich auf die Müllabgabe aus?

Was den Gewerbeabfall betrifft, werden sich die Mengen wohl reduzieren. Viele Betriebe haben geschlossen oder Kurzarbeit angemeldet.

Haben Sie bereits über Security nachgedacht?

Viele Jahre meines Lebens habe ich den Bärengarten ohne Security genießen dürfen. Ich glaube noch immer an die Vernunft der Menschen. Wir kriegen das mit eigenem Personal hin, auf dem Wertstoffhof machen wir von unserem Hausrecht Gebrauch und werden bei zu hohem Andrang den Zugang zum Wertstoffhof regulieren!