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Kretschmann: Es gilt nach wie vor Alarmstufe Rot.

Kretschmann: Es gilt nach wie vor Alarmstufe Rot.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bild: Oliver Hofmann)

Stuttgart – Im Pressestatement der Landesregierung heute Mittag betonte Ministerpräsident Kretschmann: „Wir stehen erst am Anfang der Krise.“ Aber trotz drastischer Maßnahmen, die Kontakte verhindern sollen, stiegen die Zahlen noch stark. „Es gilt nach wie vor Alarmstufe Rot. Deswegen: Bitte halten Sie sich nach wir vor strikt an die Maßgaben. Es hängt von uns allen ab, ob es uns gelingt, die Welle der Infektionen zu brechen und die Ausbreitung entschieden zu verlangsamen.“

Nur dann könne unser Gesundheitssystem die Lasten auch wirklich tragen. Ihm sei bewusst, dass mit den beschlossenen Maßnahmen das öffentliche Leben fast auf null heruntergefahren werde. „Geöffnet ist nur noch das, was unverzichtbar ist, alles andere haben wir geschlossen.“ Nach wie vor gilt im öffentlichen Raum ein weitgehendes Kontaktverbot. Maximal zwei Personen dürfen gemeinsam unterwegs sein, außer es handelt sich um eine Familie, genauer eine Lebensgemeinschaft. Die Menschen dürfen die Wohnung verlassen, um zum Arzt zu gehen, zur Arbeit oder zum Einkaufen und natürlich auch an die frische Luft. Aber Kontakte sollen dabei auf ein Minimum reduziert werden. „Bitte, Sie müssen einen Abstand von 1,5 Metern einhalten“ , appelliert der Ministerpräsident an die Vernunft der Menschen. Das gelte insbesondere auch beim Einkaufen, hier müssten die Geschäfte dafür sorgen, dass die Kunden sich an die Vorgaben halten. „Ich bin mir sehr bewusst, dass wir tief in die Grundrechte eingreifen und den Menschen viel abverlangen, aber das ist unbedingt notwendig, um Menschenleben zu retten“, so Kretschmann.

Das Gesundheitssystem solle in einem beispiellosen Kraftakt gestärkt und die Kapazitäten hochgefahren werden. So sollen Reha-Einrichtungen, Hotels und Hallen für die medizinisch zu Versorgenden umgerüstet und die Zahl der Intensivbetten verdoppelt werden. Im Sozialministerium wurde eine Taskforce Beschaffung eingerichtet, die sich rund um die Uhr um die Beschaffung von Schutzausrüstung und Beatmungsgeräte kümmert. So kämen demnächst 110000 Masken von Daimler und 10 Millionen OP-Masken aus China. „Sie sehen, wir greifen überall zu, auch ganz unkonventionell“, versicherte Kretschmann.

Das Thema Tests nähme die Landesregierung außerordentlich ernst, da es ein Schlüsselelement bei der Bekämpfung der Krise sei. Man schaue sehr genau hin, wo man von anderen Ländern wie Südkorea lernen könne. Am Ausbau von noch mehr Tests, vor allem auch proaktiven und Schnelltests sei man dran.

Sehr am Herzen liegt dem Ministerpräsidenten das Schicksal der vielen kleinen und mittelständischen Betriebe, die schwer unter der Krise leiden und Gefahr laufen, einfach „pleite zu gehen“. Wichtigstes Ziel sei, eine Insolvenzwelle zu verhindern. Diese Corona-Pandemie gefährde unsere Wirtschaft stärker als die letzte Weltfinanzkrise. „Deshalb haben wir einen Rettungsschirm aufgespannt, wie es ihn in der Geschichte unseres Landes noch nie gab.“ Steuerstundungen sowie nicht rückzahlbare Finanzhilfen für kleine und mittlere Betriebe sollen die schlimmsten Folgen absichern.

Ministerpräsident Kretschmann betonte, dass sich die allermeisten Bürger an die Vorgaben hielten und auch kreativ helfen würden, so hätten sich 4000 Studierende bereit erklärt, in den Kliniken zu unterstützen. Die Polizei kontrolliere aber sehr genau und Verstöße würden drastisch geahndet. Denn: „Zusammenhalt heißt jetzt etwas anderes als sonst: nämlich Abstand halten“.