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Innovativ in die Zukunft

Innovativ in die Zukunft
Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp (Foto: PR)
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Ravensburg ist ungebrochen attraktiv, die Stadt wächst – immer mehr Menschen und Unternehmen wollen sich in der oberschwäbischen Metropole niederlassen. Wir haben mit Oberbürgermeister Daniel Rapp über das vergangene Jahr und über seine Wünsche fürs neue Jahr gesprochen.

Herr Rapp, wie hat sich die Stadt im abgelaufenen Jahr verändert? Was kam hinzu, was fiel weg?    

Ravensburg ist ungebrochen attraktiv. Die Stadt wächst, Menschen wollen hierherziehen, Unternehmen wollen sich niederlassen und sich erweitern. Das fordert die Stadtgemeinschaft beim Wohnungsbau, aber auch bei Betreuungs- und Bildungseinrichtungen ganz besonders. Gleichzeitig trübt sich die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland und Baden-Württemberg ein. Wir merken das leider an deutlich sinkenden Einnahmen aus der Gewerbe- und Einkommensteuer. Die sind aber unverzichtbar zur Erfüllung unserer Aufgaben. Da gleichzeitig ab 2020 ein neues Haushaltsrecht für Kommunen gilt, belasten uns zusätzlich Abschreibungen in Höhe von sage und schreibe 10 Millionen Euro. Das zwingt uns und viele andere Städte zu massiven Einsparungen und Steuererhöhungen. 

Worüber haben Sie sich im abgelaufenen Jahr in ihrer Funktion als Oberbürgermeister am meisten gefreut?

Endlich wurde der letzte Abschnitt der B 30 neu im Ravensburger Süden fertig gestellt und eröffnet – eine enorme Entlastung für die Anwohner und für die Pendler. Die Marienplatzgarage ist ebenfalls wieder in Betrieb. Die Baugebiete entwickeln sich sehr gut. Das alles passiert natürlich im Spannungsfeld zur zentral wichtigen Aufgabe Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die erste Klimaschutzkommission Deutschlands hat in Ravensburg ihre Arbeit aufgenommen, daraus erhoffen wir uns wichtige Impulse für Verkehrsfragen und bei der Gebäudewirtschaft. Wir sind seit Jahren Europäische Energiestadt mit „Gold“-Status. Hier tut sich also viel. 

Worüber haben Sie sich geärgert? 

Ich habe mich nicht geärgert. Es gibt aber Herausforderungen. So brauchen wir Lösungen etwa für den Eschersteg, den wir bereits marode von der Bahn übernommen haben, aber aus denkmalrechtlichen Gründen sanieren und wiederaufbauen müssen. Mit dem Regierungspräsidium sind wir dazu aber in guten Gesprächen. 

Gibt es etwas, das besser lief als erwartet? 

Endlich beginnen die Planungen für den Molldiete-Tunnel. Es gab viele Zweifler, aber ich habe immer an unseren Erfolg geglaubt. Heute sehen wir, dass sich unser Einsatz lohnen wird. 

Gibt es etwas, das eher schiefgelaufen ist? 

Die Verzögerungen bei der Sanierung der Marienplatzgarage kamen natürlich bei den Menschen nicht gut an. Vieles kam dabei auch für uns überraschend, etwa der Asbestfund, der zu einer sehr aufwendigen zusätzlichen Entsorgung führte. Jetzt sind wir aber froh, dass wir es geschafft haben. 

Was kann der Landrat für Sie und die Stadt tun? 

Der Landkreis hat – im Vergleich zur Stadt – eine sehr gute Finanzausstattung. Wir begrüßen deshalb, dass die Kreisumlage gesenkt wurde. Das hilft uns dabei, das strukturelle Defizit zu mildern. Beim öffentlichen Nahverkehr müssen alle noch konsequenter zusammenarbeiten: der Kreis, die Städte und die Gemeinden. Wir sind ein Lebens- und Ereignisraum, also profitieren wir gemeinsam und schultern gemeinsam auch die Lasten. Das ist nicht nur eine Frage der Solidarität, sondern auch der Ausgewogenheit. 

Was könnte der Ministerpräsident für die Stadt tun?  

Es gibt etliche kommunale Aufgaben, bei denen das Land eine bessere finanzielle Unterstützung leisten könnte. Ich denke hier zum Beispiel an schulische Einrichtungen oder an Sportanlagen. Wichtige Dinge, die insbesondere den Kindern und Jugendlichen unmittelbar zugutekommen. Über diese Fragen werden wir zusammen mit weiteren Städten das Gespräch mit dem Land suchen. Auch bei Klimaschutz und Nachhaltigkeit erwarten wir ein verstärktes Engagement des Landes bis in die Regionen und Städte hinein. 

Was steht 2020 Wichtiges an? 

Die Digitalisierung geht mit Riesenschritten und in allen Bereichen voran. Die Stadt Ravensburg will diesen digitalen Wandel proaktiv, innovativ und mit ständigem Blick auf das Wohl der Bürgerinnen und Bürger begleiten und steuern. Ich würde mich freuen, wenn sich die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin so engagiert und vielfältig für ihre und in ihrer Stadt einbringen. Dafür ein großes Dankeschön!