Ausgaben

Homeoffice

Homeoffice
(Bild: Adobe Stock)
WOCHENBLATT

Hi, mein Name ist Olivia!

Seit drei Wochen bin ich im HomeOffice, eine 60qm Stadtwohnung die mein Freund und ich noch nie so lange am Stück 24/7 bewohnt haben und schon gar nicht zu zweit. Ich bin gespannt, wie das angesichts unserer unterschiedlichen Profile laufen wird:

Er: Zünftige bayerisch-schwäbische Küche & Fleisch-Liebhaber, TV/Serien-Liebhaber, 1-Mal die Woche Großputz…

Ich: Veganerin & Healthy-Food Hipster, Bücherratte, Klinischer Sauberkeitsfimmel…

Mit meinem Blog möchte ich euch in dieser ungewissen Zeit zum Lachen bringen – und vielleicht kann sich das eine oder andere Paar ja mit uns identifizieren.

Gemeinsam und mit Rücksicht aufeinander wird auch diese Zeit vorübergehen! Lasst uns die Lebenslust nicht verlieren und die unendlichen virtuellen Möglichkeiten entdecken!

Jetzt ist die Zeit mal Chatroulette zu testen, sich auf die Suche nach dem Darknet zu machen, endlich ein Bitcoin- oder Aktienkonto zu eröffnen oder einfach mal Kultur wie Opern oder das Louvre online zu erleben!

#wirhaltenzusammen #thistooshallpass #virtualisthenewsexy #weareallintistogether

Servus,
Eure Olivia!

Teil 1: Unser unsichtbarer Mitbewohner „Hans“
Teil 2 „Virtuelle Corona-Party“
Teil 3 „Tribute, bleibt zuhause!“

Teil 4 „Magischer Staub

Teil 5 „Couplegoals und der sterbende Schwan“

Teil 6 „Der Klopapier Talk“

Teil 7 „Miracle Morning“

Teil 8 „Leben am Limit“

Teil 9 „Haushalt 4.0“

Teil 10 „Alleine – aber nicht einsam“

Teil 1: Unser unsichtbarer Mitbewohner „Hans“

Gut drei Wochen ist es nun her, dass die ersten Corona-Fälle in Europa bekannt wurden und ich in weiser Voraussicht begonnen habe, peu à peu Desinfektionsmittel, Lebensmittel und Klopapier zu hamstern*, Spott und hämische Bemerkungen gab es von Kassiererinnen, Freund und Freunden gratis dazu.

Und doch ist nun die Situation eingetreten – Statistik lässt grüßen – und wir sind gefangen im HomeOffice. 60 qm Stadtwohnung, etwas klein, aber super praktisch zum schnell Durchputzen (Er) und wir sind ja eh viel unterwegs (Ich) – normalerweise. Ich bin gespannt, wann das Home vom Castle zum Gefängnis mutiert und wie lange es dauert, bis wir uns die Köpfe einschlagen.

Zum Glück haben wir unsere Wohnung nach knapp 5 Jahren immer noch nicht fertig eingerichtet, so dass der Schreibtisch im Schlafzimmer noch keiner Renovierungsaktion zum Opfer gefallen ist und zusätzlich zum Esszimmertisch als Arbeitsplatz herhalten kann. Umbauten für die Data Security im HomeOffice müssen wir also schon mal nicht betreiben (kann man das eigentlich steuerlich absetzen oder warum renovieren alle Nachbarn, denen man in die Wohnung schauen kann, wie wild?).

Morgens Frühstück auf dem Balkon, er staunt über die Trilogie von Toast, Avocado-Koriander, Tapenade-Tomate und für die süßen Gelüste Mandelmus #gönnjamin. Mutter mahnt im Family-Chat, dass HomeOffice nicht Urlaub ist; ist bestimmt nur neidisch auf meinen 4qm Balkon der morgens um halb acht schon Sonne hat, außerdem dient eine ausgeglichene Ernährung der geistigen Performance. Mens sana in corpore sano und so.

Ab geht’s an die Arbeit. Für’s Protokoll, falls das mein Chef oder HomeOffice-Gegner lesen: es ist 8 Uhr. So früh bin ich normalerweise nie im Office anzutreffen. Wegzeit und die tägliche „Was-ziehe-ich-an“-Frage fallen weg, und lassen mir Zeit zum Frühstücken und sogar noch ein kleines Stretching einzulegen. Wer jetzt gedacht hat, ich sitze im Jogger und ungeschminkt mit Strubbelhaaren vor dem Laptop: Fehlanzeige. Wir sind Digital Natives, das bedeutet: Spotlight on – unsere Meetings werden mit Video abgehalten. Eigentlich ganz nett, auch mal zu sehen wie die Kollegen so wohnen. Shame on me, dass ich mich nicht mehr um eine Insta-Wohnung gekümmert habe. Meine sterbende Pflanze im Hintergrund zieht alle Blicke auf sich und es wird über Pflanzenrettung gefachsimpelt, typisch Berater keine Ahnung – aber Glänzen bei völliger Ahnungslosigkeit ist ja auch `ne Kunst. Falls wer von Euch Lesern sich mit Erster Hilfe für ersäufte Pflanzen auskennt, schickt mir gerne Eure Tipps per Mail!

Nach zwei unspektakulären, aber umso produktiveren HomeOffice-Tagen stellen wir fest: Es lohnt sich, einen unsichtbaren Mitbewohner zu erfinden, dem man alles in die Schuhe schieben kann: „Hans hat schon wieder seine Tasse nicht in die Spülmaschine geräumt.“, „Mensch Hans, räum doch mal deine Socken vom Sofa weg.“ „Hans hat das Sofa vollgekrümelt dieser Messi!“.

*An alle besorgten Bürger: Hamstern bewegt sich bei mir im Rahmen des mit der eigenen PS-Kraft nach Hause Transportierbaren, also statt einer Tragetüte zwei. Mehr schaffe ich nicht zu Fuß nach Hause und in den 6. Stock hinauf zu tragen. Wenn jemand trotzdem das Gefühl hat, dass meine 2. Portion vegane Hafermilch und Chia-Samen ihn in einen Lebensmittelnotstand befördert haben, tut mir das Leid. Als gute Alternativen kann ich Kokos- und Cashewmilch bzw. Hanf- oder Leinsamen empfehlen, sind in den meisten Geschäften en masse verfügbar.

Teil 2 „Virtuelle Corona-Party“

Heute ist Donnerstag und der Home-Office Alltag hinterlässt bereits erste Spuren: Meine Kollegen sitzen im Hoodie und ungeschminkt mit Stay-at-home-Dutt vor der Kamera. Ich bin froh über meine Entdeckung: unser Video-Tool hat eine Filterfunktion, die einen frisch und mit makelloser Haut zeigt #iwokeuplikethis.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Gesichter gegen Ende der Woche moppeliger werden und tatsächlich beschwert sich gerade ein Kollege, dass sein Kühlschrank auf wundersame Weise jeden zweiten Tag leer ist, während er nebenher sein Müsli schlürft. Ich dachte, Berater sind von Natur aus rationale Kreaturen, die natürliche Bedürfnisse wie Essen unterdrücken können, um selbst im Schlaf Root-Cause-Analysen abzuliefern. Danke Corona, dass du dich neben dem Klimaschutz auch ausgehungerter Berater annimmst! Normalerweise übernimmt das mein Unternehmen: Getränke und Müsli in allen Variationen, Obst und Snacks für uns Arbeitstiere. Dazu Friday-Evening Bier/Prosecco, das morgen ganz à la Digital Natives via Videokonferenz abgehalten werden soll, bring your own drink. Während ich grübele, wie das mit mehreren hundert Menschen aussehen soll, fällt mir siedend heiß auf, dass ich bei meinen Hamsterkäufen nicht an Alkohol gedacht habe. Ein kurzer Blick in die den Gefrierschrank ergibt ein trauriges Bild. Von der letzten Party sind übrig: 0,25l Limoncello, 2 Flaschen Gin, that’s it. Angelockt vom Geklapper der Flaschen beschließt mein Freund, dass es ja schon 20 Uhr ist und für heute genug gearbeitet wurde #worklifebalance. Ein paar Work-hard-play-hard-LimeGins später ist der kostbare Limoncello aufgebraucht und wir sitzen sozusagen wieder auf dem Trockenen. Schade.

Am nächsten Morgen Teamcall. Die Schadenfreude, dass ich nicht an Gewicht zugelegt habe (seit ich vegan bin kann ich essen ohne zuzunehmen – Yippie) verschwindet jäh, als mir gleich zwei Kollegen schreiben, dass ich heute so richtig fertig aussehen würde, ob ich zu Corona-Zeiten feiern war oder gar krank sei?! Im Feedback, das der Videoanbieter nach jedem Call abfragt, empfehle ich ihm, umgehend seine Filter zu verbessern und sich ein Beispiel an Instagram zu nehmen!

Wie es vor dem Urlaub* so ist, häuft sich am letzten Tag nochmal so richtig viel Arbeit an und die Mittagspause wird durchgearbeitet, so dass es 18:30 Uhr ist, bis wir endlich in den Supermarkt kommen. Mittags wurde für ganz Bayern eine Ausgangssperre ab Mitternacht verkündet und der Supermarkt brummt, als gäb’s was umsonst. Nix mit Abstand halten, lange dicht stehende Schlangen an den Supermarktkassen. In der Not ist sich der Mensch halt immer selbst der beste Freund. Panisch flüchten wir nach nebenan in den BioMarkt und siehe da: menschenleere Gänge, schön aufgefüllte Klopapier-Regale, die Welt ist in Ordnung im Bio-Himmel. Unser Einkaufsband sieht aus wie für eine XXL-Party und die Kassiererin beäugt mich genauso spöttisch wie mit dem Desinfektionsmittel vor 3 Wochen. Ich erkläre ihr, dass wir eine virtuelle Corona-Party machen. Findet sie nicht witzig – nun gut, angesichts der wirklichen Corona Parties, die gerade anderswo stattfinden (Leute ernsthaft?! #stayathome!!!) war das vielleicht wirklich geschmacklos, aber Humor hilft in dieser ungewissen Lage, die Nerven nicht zu verlieren. Das Friday Evening-Bier verpasse ich natürlich nach diesem Einkaufsmarathon, dafür habe ich endlich Urlaub, den ich nicht mit einem Corona sondern mit einem Chiemseer einleite #buylokal.

*An alle besorgten Bürger: Nein, ich fahre nicht in den Urlaub, mein Skiurlaub wurde zum Glück storniert, sodass ich nicht in Situation gekommen bin, mich selbst für oder gegen den bereits bezahlten Urlaub entscheiden zu müssen… Da der Urlaub aber bis Ende März aufgebraucht sein muss bleibe ich brav zu Hause auf Balkonien, ist‘s verboten?

Teil 3 „Tribute, bleibt zuhause!“

Es ist Sonntagmorgen, meine Stimmung ist kräg. Ich habe schlecht geschlafen, in der schon fast gespenstigen Ruhe fallen die Krankenwagen die plötzlich vermehrt fahren beunruhigend auf. Außerdem hat es in der Nacht geschneit. Was für eine grausame Ironie des Schicksals. Wie viele Menschen weniger hätten sich infiziert, wie viele Menschen weniger würden in Summe sterben wenn es letztes Wochenende geschneit hätte? Wenn die Menschen nicht raus in Parks gegangen wären, zu 10. und 20st Ballspiele gespielt hätten und sich nicht mit Umarmungen und Küsschen begrüßt hätten, während keine 50 Meter neben ihnen Mitbürger in einer langen Schlange am Corona-Drive-In angestanden haben (beides mit eigenen Augen gesehen)? Hätte hätte Fahrradkette. Wenigstens gibt es mittlerweile sogar einen Begriff für unsere beratungsresistenten Mitbürger: #covidiot – Person die sich nicht an Gesundheitsempfehlungen hält, den Ernst der Coronakrise ignoriert, die Gesundheit anderer in Gefahr bringt und in großen Mengen hamstert.

Wir beschließen, das obligatorische Müll-Rausbringen mit einer kleinen Runde um den Block zu verbinden. Noch nie hat Müll-Rausbringen so gut getan. Es ist eisig kalt draußen, kaum ein Mensch unterwegs und wenn, dann so wie wir, alleine oder zu zweit und mit maximalem Abstand. Irgendwie fühlen wir uns beide wacklig auf den Beinen, muss wohl an der Sauerstoff-Überdosis liegen. Wann haben wir denn das letzte Mal Sport gemacht? Ach ja eben, den Müll runtergebracht. Vielleicht liegt es auch an der Polizei, die gefühlt alle 5 Minuten an uns vorbeifährt, uns dann aber milde zunickt. Habe ich so ängstlich dreingeschaut? So richtig mulmig wird mir dann doch als wir auf dem Heimweg sind und ein Einsatzwagen mit durchdringender Lautsprecheransage durch das Viertel fährt und die Bewohner ermahnt, zu Hause zu bleiben. Ich fühle mich wie im Film. „Tribute, bleibt zu Hause“. Gänsehaut.

Wenigstens etwas Gutes hat das schlechte Wetter dann doch. Nachdem ich in der letzten Woche von meinem Schniefen und Husten alarmiert, jeden Morgen versucht habe 10 Sekunden und mehr die Luft anzuhalten und nach ca. 20 Sekunden nahe einer Ohnmacht war (Ketten-WhatsApp von Mutter, laut der eine Kanadische Studie behauptet, einen Corona-Befall der Lunge dadurch so früh wie möglich bemerken zu können), kann ich Entwarnung geben: Heuschnupfen, nicht Corona.

Teil 4 „Magischer Staub“

Wer sich bei diesem Titel auf World of Warcraft gefreut hat, wird enttäuscht sein: Für Science-Fiction habe ich nichts übrig. Für Staub, der auf wundersame Weise seinen Weg in die Wohnung findet, aber auch nicht. Da man meist nicht versteht, womit man sich nicht befasst hat, starte ich eine Studie. Fragen, die es am Ende der Woche zu beantworten gilt: Woher kommt der Staub? Wie lange halte ich es aus ohne staubsaugen? Gewöhne ich mich eventuell sogar an den Staub und erkenne seine Magie? Rahmenbedingungen: 2 Personen, 1 Woche Ausgangssperre, mein Staubempfinden hat die untere Toleranz, das vom Freund die obere. Um die Reliabilität der Studie zu gewährleisten, wurde die Wohnung vor Beginn der Studie auf Klinikniveau geputzt, Frühjahrsputz ist hiermit erledigt #mamakannstolzsein.

Nach drei Tagen breche ich die Studie wegen Gefährdung der Versuchsteilnehmer (ergo mir) ab. Staub, wohin das Auge blickt: beim Betten aufschütteln, auf dem schwarzen Esstisch (Freund hatte davor gewarnt aber er war einfach so schick), auf sämtlichen Sideboards, auf denen man den Fingertest macht, liegt ein feiner Film. In die Ecken traue ich mich gar nicht erst zu schauen – Staubsauger mein Freund und Retter in der Not. Wenn das jetzt auch noch automatisch gehen würde… Als Berater belasse ich es damit natürlich nicht, sondern setze zum Benchmark an: Manueller Staubsauger vs. Staubsaugerroboter #lasstdiespielebeginnen.

Die Aufwandsschätzung in Excel ergibt: 10 Minuten Staub-Abwedeln und ganze 25 Minuten Staubsaugen und das, obwohl ich angesichts der bereits klopfenden Nachbarn von unten, bereits den Turbo eingelegt habe (Ok, 20.05 Uhr aber wir wollen doch mal nicht so Spießer sein). Meine Milchmädchenrechnung ergibt rund 4.500 Minuten, die ich/wir/man(n) in einem Jahr mit der durchschnittlichen Reinigung der Wohnung verbringe. Ausgenommen Jahrszeitenputz, Sonntagsputz, Besuchsputz und Post-Party-Putz. Noch schnell das Jahresgehalt dagegengelegt, eine Pauschale für die Diskussionen, wer von uns beiden mit dem Putzen dran ist draufgeschlagen, und fest steht: Robi lohnt sich haufa gnuag!

Wer sich schon immer Mal gefragt hat, wie Berater auf Ihre Facts and Figures kommen, kennt nun das Wasser, mit dem wir kochen. Traue nie einer Statistik die du nicht selbst gefälscht hast. Nach vier Stunden fundierter Analyse (YouTube) präsentiere ich meine Favoriten, zwei sehr edle weiße Geräte, die sich wunderbar in unser Wohndesign einfügen würden, für den finalen TÜV ist mein Freund zuständig. Der ist Ingenieur und ergänzt meine optische Kontrolle durch technisches Fachwissen #teamworkmakesthedreamwork. Nochmal vier Stunden später liegt das gute Teil im Warenkorb und ist zack bestellt – wer weiß, wie lange noch geliefert wird. Haltet durch liebe Paketboten!

An dieser Stelle ein großer Dank an alle PaketzustellerInnen. Ohne euch wären wir und auch der Handel aufgeschmissen. Seid euch sicher, jedes Paket das ihr ausliefert, wird sehnsüchtig erwartet und gefeiert! Vielen Dank! #weloveyou

Teil 5 „Couplegoals und der sterbende Schwan“

Seit letzter Woche herrscht Ausgangssperre in Bayern und bis auf unseren täglichen Spaziergang sind wir seit letzter Woche nicht draußen gewesen. Sport? Online-Programme haben gerade eh Hochkonjunktur und zum ersten Mal bin ich froh, dass ich absolut jedem Trend hinterherlaufe und sich Faszien-Rollen & -Bälle, Balance-Board, Yoga Blöcke, Springseil, Resistance-Bands, Slider, P-Ball und natürlich auch Ankle Weights und die guten klassischen Hanteln sehnlichst auf ihren Einsatz freuen. Selbst ein kleiner Stepper steht noch im Keller und wartet auf bessere Zeiten. Ebay-Status: ohne Etikett, kaum gebraucht.

Der letzte Trend auf Instagram #couplechallenge: er steht und sie klettert wie ein Klammeraffe, einmal um ihn herum. Now is now denke ich mir und versuche meinen Freund zu überreden: If you never try you never now. Skepsis. Wir beschließen uns erstmal mit normalem Yoga warm zu machen. Es knarzt und ächzt in den Gelenken und die männliche Begeisterung hält sich auch noch in Grenzen. Seine Frustration erreicht den Höhepunkt als die blonde Boho Beautiful (Männlicher Optik-TÜV) grazil in einen Spagat gleitet und wir beide passen müssen. Mal ehrlich, wer schafft den bitte einen Spagat oder einen Handstand? Gibt es einen Instagram Filter den ich noch nicht kenne?

Er wendet sich seiner Push-up Challenge zu und ich erkläre den Übergang vom herabschauenden Hund zur Kobra als Mini Push-ups. So sporteln wir munter vor uns hin bis mich sein prustendes Lachen aus meiner grazilen Pose und der Konzentration bringt. Ob die Pose der sterbende Schwan heißt? Zutiefst gekränkt beschließe ich von nun an morgens alleine Sport zu machen, ich wollte mir eh eine #morningroutine angewöhnen. Die Pose heißt übrigens Lord of the Dance wenn ich bitten darf, Schwäne sterben nur bei der Vogelgrippe.

Teil 6 „Der Klopapier Talk“

Franzosen hamstern Wein und Kondome, Niederländer Cannabis, und Deutschland? Klopapier. Das hat mittlerweile Kultcharakter und die Witze über Klopapier-Ersatz nehmen in so manchen WhatsApp-Gruppen überhand und eröffnen diverse kreative Gefilde, die mich prüdes Mauerblümchen schnell außerhalb meiner Komfortzone bringen.

Drücken kann ich mich vor dem Thema leider nicht, denn so langsam geht auch uns das Klopapier aus. In den umliegenden Geschäften ist es restlos ausverkauft, einschließlich BioMarkt. Sieht so aus, als hätten mehrere Menschen diesen #lifehack entdeckt. Mein schlauer Versuch, über den REWE Lieferservice einzukaufen, endet damit, dass ich eine Stunde lang alle schweren Sachen in den Warenkorb gepackt habe: Bierkisten, Getränke, Kartoffeln, Äpfel – wie praktisch, wenn ich das nicht alles selbst schleppen muss, außerdem muss sich die Lieferung ja rentieren! Die Crux: Alle angezeigten Liefertermine sind bereits ausgebucht. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Ich nehme mir vor, den Einkaufswagen jeden Morgen zu aktualisieren, vielleicht habe ich ja Glück und ergattere irgendwann einen Liefertermin.

Wie sieht also so ein „Klopapier Talk“ aus? Mittagessen. Es gibt vegane Kässpätzle (gar nicht so schlecht!) und ich berichte von meinem missglückten Versuch, Klopapier per Lieferservice zu bestellen. Die Diskussion ist eröffnet: Warum verbrauchen wir eigentlich so viel Klopapier (eine halbe Rolle in 24 Stunden)? Wer benötigt, wann, wie viele Blätter? Wie viel-Klopapier Durchgänge benötigt man für ein wohliges Gefühl nach dem stillen Örtchen? Dazu noch die Analyse, dass das mitteldicke Klopapier weniger Blätter im Vergleich zum Recycling-Klopapier hat; vegan und nachhaltig hin oder her, das Klopapier muss schön weich sein. Oder?

Um die Diskussion abzukürzen, gebe ich es schließlich zu: Ich benutze Klopapier für alles Mögliche: Spiegel putzen, Wasserhahn polieren, Zahnputzbecher putzen, als Trenner zum Nägel lackieren, als Barriere zwischen Make Up und Oberteil und und und… ich bin eine Klopapier-Vernichtungsmaschine und gelobe Besserung. Alles, wirklich alles, solange wir dieses Thema einfach begraben.

Dennoch lässt es mir keine Ruhe. Was, wenn wir Deutschen weitsichtig, strukturiert und rational, das wahre Problem der Corona-Krise erkannt haben? Ich brainstorme Alternativen: Mit Zewa-Tüchern, Taschentüchern, Kosmetiktüchern, Wattepads, im schlimmsten Fall auch Wasser und Seife, und die ganzen Ideen, die in den zahlreichen WhatsApp-Gruppen dieser Welt so aufkommen, sollten wir ca. zwei Wochen überleben können. Der Notfall-Plan, falls es ganz hart auf hart kommen sollte: Fasten. Wasser und Tee. Der Stoffwechsel passt sich an, die Sorge mit dem Einkauf sind wir los und dem Gewicht tut es nebenbei sehr gut. Ich spreche aus Erfahrung. Außerdem wollen wir doch alle nicht mit mehr Kilos aus der Quarantäne kommen als wir reingegangen sind, oder?

Teil 7 „Miracle Morning“

So langsam hinterlässt die Quarantäne auch bei uns erste Spuren: Jogginghosen haben Hochkonjunktur, nur für die Videokonferenzen wird zack eine weiße Bluse angezogen, die die Aufmerksamkeit davon ablenkt, weder geschminkt noch frisiert zu sein (hoffe ich zumindest, vielleicht sind die Kollegen aber auch nur höflich). Meine Adiletten sind gefühlt schon an meinen Füße angewachsen und auf Instagram habe ich gelesen, dass der BH das wohl ungetragenste Kleidungsstück 2020 ist. Corona ist ein Feminist!

Höchste Zeit, wieder etwas Routine in den Alltag zu bringen – wo soll das sonst mit uns noch enden?! Außerdem hatte ich mir ja bereits beim sterbenden Schwan (Teil 5) vorgenommen, eine Morgenroutine zu entwickeln. Nun ja, mit Routinen ist das halt immer so eine Sache: Die Schlechten gewöhnt man sich ruckzuck an, die Guten benötigen anscheinend 30 Tage bis sie in Fleisch und Blut übergegangen sein sollen #challengeaccepted.

Das erste Ergebnis, das Google auf „establish a morning routine“ ausspuckt, ist eine ellenlange Liste von keinem geringeren als Steve CORONA – ein Schelm, wer Böses denkt – oder heißt der arme Kerl tatsächlich so? Vielleicht ist er ja mit dem Corona-Bierbrauer verwandt. Interessant, was die Trefferliste sonst noch alles ausspuckt: The Everygirl 30 Day Challenge (wer möchte bitte Everygirl sein – entweder die Eine oder Keine, oder?), optimize yourself, ready-for success, perfect and empowering… hört sich belastend an diese US-Optimierungsgesellschaft. Gleiche Suchanfrage auf Deutsch: Glücksdetektiv, Utopia.de, ergotopia.de, flowgrade.de… now we`re talking Deutschland! Willkommen im Yogaland #goodvibesonly!

Ich browse etwas durch die verschiedenen Vorschläge, lande bei Yottas Miracle Morning (wer heute noch ein Highlight braucht, einmal auf Google: „Yotta Miracle Morning Dschungelcamp 2019“ eingeben, #youarewelcome). Weitere Highlights: Lies etwas Inspirierendes in der Sauna (HAHA!), mache eine Blue Light Therapie um aufzuwachen (WTH?), Bade jeden Morgen (WIE VIEL ZEIT HAT SIE?), Steh um 5 Uhr auf (SPACY?), dusche eiskalt (UNMENSCHLICH!!!), schreibe 10 Ideen auf (ICH HABE KEINE 10 IDEEN IN EINER WOCHE, WIE DANN AN EINEM EINZIGEN MORGEN???).

Alles nicht so trivial wenn man das 30 Tage durchhalten muss. Für‘s Erste entscheide ich mich für die folgenden fünf Morgenaktivitäten:

1. Vor 6 Uhr aufstehen. So komme ich auf meine 7-8 Stunden Schlaf und kann den Sonnenaufgang sehen #miraclesunrise

2. 0,5 l Zitronenwasser trinken (rät mir die Thaimassage auch jedes Mal)

3. Meditieren (gibt da ein paar Apps dafür)

4. Inspirierendes. Lesen, ein paar Ideen aufschreiben, ein Bild malen oder eine Sprache lernen. Was auch immer, Hauptsache die grauen Zellen kommen in Schwung

5. Bewegung. Stretching, Yoga was auch immer, Hauptsache der Körper kommt in Schwung #gowiththeflow

Wie das mit dem Aufstehen denn klappen soll fragt mein Freund? Ich habe gelesen, dass man nicht Snoozen soll. 1,2,3 und ale hopp! Easy. Was soll ich sagen… der erste Tag hat geklappt. Ich war strong, healthy und full of energy.

Am zweiten Tag war‘s eher ein 1,2,3 #namastayinbed, aber war auch Sonntag.

Teil 8 „Leben am Limit“

So eine Morgenroutine ist echt praktisch! Noch nicht mal 8 Uhr schon alles Wichtige erledigt: Meditieren, Sport, Lesen und Duschen. Was tun also mit der freien Zeit? Die Wohnung blitzt dank Robbie, der zum Aufräumen diszipliniert und mit dem ich gerne um die Wette putze – aber hierzu gibt es, nach einer gewissen Anstandstrauerzeit um den alten Staubsauger, noch einen separaten Teil auf meinem Blog.

Ich beschließe, mein Italienisch mit ein paar Apps aufzufrischen. Beim Browsen durch die weltweiten Nachrichten (cross-checking for #fakenews) habe ich gemerkt, dass mein Wortschatz doch etwas eingerostet ist. Ich schnappe mir mein iPad und knalle mich in die Mittagssonne auf dem Balkon. Komische App – schlägt einem die ganze Zeit so Spiele vor. Wer spielt sowas überhaupt? Keine 5 Minuten später zocke ich Fishdom. Ziel: Möglichst viele Steine der gleichen Farbe wegbomben um Gold und Geld für neue Fische und Aquarium-Ausstattung zu gewinnen. Nochmal 2 Stunden später bin ich in Level 8, habe alle meine Leben verbraucht und einen fetten Sonnenbrand. Verwunderung nicht nur bei mir selbst, auch mein Freund, der sich sonst von mir anhören muss, dass jeder Sonnenbrand schädlich ist, kann sein Erstaunen nicht unterdrücken. Ich lösche das Spiel wieder (knapp 5 Euro für neue Leben sind mir dann doch zu viel) und wir sinnieren über die guten alten Zeiten und die Computerspiele die wir in unserer Jugend gezockt haben.

Mein absoluter Favorit damals: Chocolatier. In stundenlanger Arbeit habe ich mir ein riesiges Schokoladen-Imperium aufgebaut und es zu Ruhm und Reichtum gebracht. Naja fast, aber vielleicht war das Spiel entscheidend für die Wahl meines Studienfachs? Leider gibt es das Spiel aktuell nicht für‘s iPad und ich glaube, mein Arbeitgeber würde meine Begeisterung für ein süßes Imperium auf dem Geschäftslaptop nicht teilen. Wobei, von optimierten Lieferketten, schwankenden Kakaopreisen und daraus resultierenden Geschäftsbeziehungen mit dubiosen Zwischenhändlern in Guatemala, bis hin zur Maschinenwartung und dem finalen Marketing der Köstlichkeiten, bei diesen Lerneffekten könnte man das doch eigentlich als online Weiterbildung laufen lassen, oder?

Später am Abend wundere ich mich über die komischen Geräusche aus unserem Schlafzimmer. Ich erwische meinen Freund in flagranti dabei, wie er Counterstrike spielt. Ohne mich! Ich entpuppe mich als jämmerliche Counterstrike-Spielerin: Erst sehe ich das grüne Fadenkreuz nicht und ballere wahllos in der Gegend rum #farbenblind. Das Umstellen der Farbe macht es nicht wesentlich besser. Ich erkenne einfach nicht, wer Freund oder Feind ist. Ich resigniere, die Chemie springt bei uns einfach nicht über. Sorry an alle aus meinem Team, die ich erschossen habe, ich werde bestimmt nicht wieder kommen!

Doch mein Freund hat noch mehr in Petto: Need for Speed Heat! An dieser Stelle einen großen Dank an alle meine Homies von früher die Need for Speed mit mir rauf und runter gezockt haben. Wer hätte gedacht, dass die Fähigkeit, ein Polizeiauto zwischen meinem Wagen und der Wand einzuklemmen, um dann mit einem eleganten Drift eine Abkürzung durch den Wald zu nehmen, mir noch irgendwann den Respekt eines Mannes einbringen? Der plötzlich schwarze Screen indiziert, dass diese neumodischen Laptops einfach nicht genug Power für solche Spiele haben. Das waren noch Zeiten, als man diese riesigen Rechner stehen hatte und Snake auf seinem Nokia gezockt hat!

Ein Ass habe ich jedoch noch im Ärmel: In der Werbung des Fisch-Spiels habe ich auch ein Architekturspiel entdeckt. Eventuell hilft mir das ja dabei, unsere Wohnung schöner einzurichten? Ich betone: online Weiterbildung!
Vor lauter Zocken verpasse ich den Redaktionsschluss am Mittwoch und auch den am Donnerstag und am Freitag #sorrynotsorry. Wenn das Schokoladenspiel maßgeblich für meinen Erfolg im Berufsleben verantwortlich war, vielleicht befinde ich mich gerade auf dem besten Weg zur neuen Star-Architektin?! Offenbar kann man keine zwei Karrieren gleichzeitig verfolgen, denn dass ich überhaupt zum Schreiben komme liegt daran, dass ich mein ganzes Spielgeld verzockt habe und erstmal auf die Ergebnisse und Preisgelder der Wettbewerbe warten muss. Wie anstrengend so ein Leben am Limit doch ist, das verlängerte Osterwochenende habe ich mir echt verdient!

Schöne Ostern allerseits!

Teil 9 „Haushalt 4.0“

Anscheinend schnellt seit der Corona-Pandemie die Nachfrage nach Hunde- und Katzenbabies stark nach oben. Verständlich, so ganz alleine oder mit dem Partner zu Hause kann es schnell langweilig werden. Das zeigen auch die gestiegenen Scheidungsraten in China. Außerdem ist so ein Hund ja auch ein triftiger Grund, trotz Ausgangssperre durch den Park zu flanieren.

Auch wir haben uns ein Haustier zugelegt: 2 Rollen, weißes Plastikfell und hört auf den Namen Robbi. Wer meine Blog etwas verfolgt hat weiß, dass ich von einem Staubsaugerroboter rede.

Seit wir Robbi haben, glänzt unsere Wohnung wie noch nie zuvor. Mit einer schier unendlichen Geduld zieht Robbi in der Wohnung seine Bahnen, staubsaugt und wischt picobello bis in jedes kleine Eckchen. Selbst mein Freund ist begeistert und muss eingestehen, dass es noch nie so sauber bei uns war.

Und auch ich habe eine neue Beschäftigung: Robbi muss von Zimmer zu Zimmer getragen werden, weil die Schwellen unserer Wohnung zu hoch für den kleinen Kerl sind. Also quasi wie ein Trüffelschwein das erst an seinen Einsatzort gebracht werden muss. Auf meiner App verfolge ich dann wi Robbi eingesperrt in seinem Zimmer seine Arbeit verrichtet und sich dann auch prompt bei mir meldet, in einem Ton, an dem wir noch etwas arbeiten müssen. So devot wie er im einen Moment ist: „Besitzer, die Kehrarbeit ist beendet“ so frech ist er im nächsten Moment: „Eh, wo ist die Ladestation?“. Der anschließende Check erstaunt mich dann aber immer wieder: Ich hätte es selbst nicht sauberer hinbekommen. Auch die doch beträchtliche Menge des Staubes die der Robbi alle 1-2 Tage wegsaugt und wischt bestätigt mich in der Anschaffung. Wie haben wir es nur so lange ohne ausgehalten??

Nur bei zwei Sachen bin ich mir noch nicht so sicher. Erstens: welches Geschlecht soll Robbi haben? Es heißt DER Roboter aber er/sie/es hat eine Frauenstimme? Überhaupt, warum sind Haushaltsgeräte meistens mit einer Frauenstimme ausgestattet?!? Läuft das schon unter Diskriminierung? Also natürlich der von Männern, die somit der Chance entraubt werden, Alltagshelden für Jedermann zu sein. Aufgrund der Nähe des Namens Robbi zur Produktkategorie und natürlich weil ich als Vorbild gegen Gender-Diskriminierung vorausgehen möchte, beschließe ich, dass mein Robbi ein Er ist, halt mit einer weiblichen Stimme aber was soll’s. Siri auf meinem iPhone – wieder so ein klassisches Beispiel!- habe ich direkt im Anschluss auf eine männliche Stimme umgestellt: DER Siri wird nun dazu genötigt, mir „Alle meine Entchen“ vorzusingen, passt doch auch.

Das zweite Mal am Zweifeln bin ich, als neulich ein Päckchen mit 2 Masken bei uns im Briefkasten liegt und ich mich abends zuvor am Telefon darüber ausgelassen habe, dass wir Europäer zu arrogant waren uns einzugestehen, dass auch uns Corona heimsuchen kann und deshalb nicht früh genug von den Erfahrungen von China, was beispielsweise Masken anbetrifft, gelernt haben. Mittlerweile wundern sich die Asiaten übrigens über die Resistenz von uns Europäern was das Tragen einer Maske angeht. Dass wir einfach keine Masken verfügbar haben ist ein anderes Thema. Sind die Masken bei uns im Briefkasten nun einfach die, um 3 Monate verzögerte, Lieferung die ich Anfang Januar in weiser Voraussicht aufgegeben habe oder telefoniert Robbi nach China und belohnt uns für unsere Einsicht?

Mein Fazit zum Robbi lautet dennoch oder gerade deswegen: Roboter als Ersatz für ein Haustier? Emotionale Ansprache? Check. Hinterlässt den Raum anders als zuvor? Check. Pflegeleicht? Check. Kümmert sich um den Halter? Check. Zudem muss man kein Tierfutter hamstern, dem Robbie reicht die Wohnung als Auslauf und das Allerbeste: er bleibt für immer so klein und wächst nicht mehr. Was für eine erfolgreiche Züchtung. Wer schon immer ein Tier haben wollte und nun wegen Corona überlegt sich eines anzuschaffen, sollte es vielleicht erstmal mit einem Roboter probieren, ihr werdet ihn lieben und nie wieder hergeben wollen!

Die Einzige die das übrigens noch toppen kann ist meine Mutter: Zusätzlich zum Roboter hat die nämlich noch einen elektrischen Fensterputzer und eine Bügelpuppe, auf die man Hemden und Blusen direkt nach der Waschmaschine aufziehen kann und die dann ruckzuck trocken sind. Welcome to #haushalt4.0

Teil 10 „Alleine – aber nicht einsam“

So Freunde, das heute ist der 10. und damit letzte Teil meiner Blog-Serie und ein Grund zur Freude. Wenn nämlich dieser Teil veröffentlicht wird, haben wir das Schlimmste überstanden und müssen uns in nächster Zeit wieder mehr darauf konzentrieren, einen Weg zu einer neuen Normalität zu finden.

Es ist ein komisches Gefühl, dass dieser Ausnahmezustand, in dem man sich an klare Regeln und Verbote gehalten hat, nun gelockert wird. Unsicherheit, was kommt danach? Wird es klappen?
Tatsächlich mischt sich bei mir auch etwas Wehmut bei. Auf die Gefahr hin, jetzt einen Shitstorm zu erzeugen: mit hat der Lockdown gut getan. Keine Entscheidung welches semi-gesunde Mittagessen man sich einverleibt, keine Entscheidung wo man Abends essen geht, mit wem man sich trifft, mit wem nicht, keine Entscheidung ob man ins Fitness Studio geht oder lieber Schwimmen, keine Entscheidung wohin der nächste Urlaub geht, kein Aufraffen zu einer Party für die man eigentlich, fix und foxi von der Woche, gar keine Kraft mehr hat und keine hirnlosen Shoppingtouren mehr, bei denen man das hart verdiente Geld mit Händen und Füßen raustritt.

Stattdessen: Fokus auf das Wesentliche und Notwendige, Genügsamkeit. Dazu: Zeit für sich alleine, Zweisamkeit, Zeit für schöne Erinnerungen an Urlaube und Erlebnisse und ganz viel Deep Talks. Etwas hat sich in der Art der Beziehungen die wir führen geändert. Der Corona-Partner-in-Crime wird die Person, mit der man nach der Pandemie auch noch eine Zombie-Apokalypse durchstehen kann. In der Familie werden die knappen Atemmasken hin und hergeschickt bis jeder mit einem Notvorrat ausgestattet ist, selbst Online-Zugänge werden geteilt und die besten und geheimsten Lieblingsrezepte und Game-Changer geteilt (unser Familien Chat ist eine Goldgrube für jeden Pizzabäcker und Pizzafotografen geworden). Überhaupt: Essen verbindet in diesen Tagen, genauso wie süße Hundevideos und Trump-Videos die ich an dieser Stelle nicht kommentiere.

Doch die größte Veränderung findet bei den Freunden statt. Smalltalk-Themen fehlen. Urlaube, Erlebnisse, News, wo man hinschaut der gleiche Alltag. Aus einem Feierabendbier wird nun auch nicht unbedingt ein Feierabend-Telefonat, zumal das ab einer gewissen Größe des Videochats auch nicht mehr funktioniert weil dann immer derjenige zu hören und im Zoom-Bildschirm zu sehen ist, der am lautesten schlürft. Der schönste Vergleich der mir geschickt wurde: Corona wirkt wie ein großes Sieb, durch das die fallen, mit denen man eine Arche bauen könnte. Die einem zuhören, wenn sie einen fragen, wie es geht. Und von denen man selbst auch wissen will, wie es ihnen geht.

In einer Krise, so heißt es, zeigt sich der wahre Charakter der Menschen. Mich hat Deutschland überrascht. Noch nie, selbst zu WM-Zeiten, waren wir als Gesellschaft so offen und ehrlich, solidarisch und unbürokratisch. Ich hoffe, wir behalten uns ein paar dieser Eigenschaften bei und lernen, auf uns stolz zu sein.

In diesem Sinne: ran an die Masken und bleibt gesund!
Eure Olivia!