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Heinrich Grieshaber ist tot

Heinrich Grieshaber ist tot
Heinrich Grieshaber (Bild: Oliver Hofmann)
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Weingarten – Heinrich Grieshaber ist gestern, am 29. März 2020, nach kurzer, schwerer Krankheit im Klinikum Friedrichshafen im Alter von 71 Jahren verstorben.

Als Gründer und ehemaliger Vorsitzender der Geschäftsführung begleitete er die Grieshaber Logistik GmbH mit Hauptsitz in Weingarten zuletzt als Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Heinrich Grieshaber wirkte sein Leben lang als engagierter Unternehmer und Förderer. 2018 veröffentlichte er unter dem Titel „Vollgas“ zu seinem 70. Geburtstag die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens in Buchform. Ein Jahr später hat ihm Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, im Oktober 2019 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Sein Weg begann mit einer Ausbildung zum KfZ-Mechaniker. Anschließend studierte er Maschinenbau mit Vertiefung Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Konstanz (heute HTWG). 1971 trat er ins elterliche Transport-Unternehmen ein und übernahm bereits ein Jahr später im Alter von 24 Jahren die Niederlassungsleitung am Standort Weingarten, dem heutigen Hauptsitz des Unternehmens in Baden-Württemberg.

Intuitiv erkannte Heinrich Grieshaber das Potenzial integrierter Logistiklösungen und legte damit einen wesentlichen Grundstein für die weitere Entwicklung der Firma. Unter seiner Führung vernetzte sich das Unternehmen global und wurde international erfolgreich. Im Herbst 2018 übergab Heinrich Grieshaber die operative Leitung an die Geschäftsführer Roland Futterer, Gregor Schnell und Alexander Tesch ab. Als Aufsichtsratsvorsitzender wirkte er weiterhin entscheidend an der strategischen Ausrichtung des Unternehmens mit.

2014 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Gabriele die Grieshaber Unternehmensstiftung. Sie sichert vor allem die Zukunft der Arbeitsplätze und unterstützt unverschuldet in Not geratene Mitarbeiter der Unternehmensgruppe. Dazu verfolgt die Gabriele und Heinrich Grieshaber Stiftung ausschließlich soziale Zwecke. Sie verbessert für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche die Chancen auf Bildung.

Über zahlreiche Ämter engagierte sich der Unternehmer für die Baden-Württembergische Wirtschaft. Von 2008 bis 2018 war er Präsident der IHK Bodensee-Oberschwaben und von 2010 bis 2014 Vizepräsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages. Seine Leidenschaft für die Kammerarbeit begann bereits 1973 als Mitglied der Wirtschaftsjunioren. Sie setzte sich ab 1982 ununterbrochen mit Engagement in vielen Gremien und Ausschüssen fort. Bis zu seinem Tode war er außerdem im Beirat des Friedrichshafener Institutes für Familienunternehmen der Zeppelin Universität, im Hochschulrat der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Ravensburg und seit 2009 im Aufsichtsrat der Messe Friedrichshafen.

Auch in zahlreichen Verbänden der Logistik- und Transportwirtschaft war sein Rat gefragt. Er engagierte sich im Arbeitskreis Akabe II der SVG und war aktiv im Bundesverband Güterverkehr und Logistik (BGL), Bundesverband Spedition und Logistik (DVSL), Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL), der Bundesvereinigung Logistik (BVL), dem Verband des Württembergischen Verkehrsgewerbes (VVW) und dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Heinrich Grieshaber engagierte sich kontinuierlich auf kulturellem und sozialem Gebiet, insbesondere als Förderer und Mäzen verschiedener Einrichtungen, unter anderem bei der Frühförderstelle Markdorf, der Caritas Bodensee-Oberschwaben, der Familienstiftung Ravensburg, dem Kunstmuseum Ravensburg oder der Jugendarbeit beim FV Ravensburg.

Als prägende Gestalt im Lions-Club Ravensburg erhielt er 2014 die Melvin-Jones-Fellow-Auszeichnung. Sie ist die höchste Form der Anerkennung, die der Lions Club International weltweit an eine Person vergeben kann. Seiner Hochschule, der heutigen HTWG Konstanz, zeigte Heinrich Grieshaber seine Verbundenheit mit dem seit 2016 jährlich verliehenen Preis für die beste Master- und Bachelor-Thesis in Logistik- und Unternehmensführung.

Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.