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Haslachmühle: Standortentwicklung auf den Weg gebracht

Haslachmühle: Standortentwicklung auf den Weg gebracht
Die Haslachmühle ist eine Einrichtung der Zieglerschen. Perspektivisch soll sie ein zu einem „Inklusions-Dorf“ werden. (Bild: Zieglersche)
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Horgenzell – Die Haslachmühle, eine Einrichtung der Zieglerschen für Menschen mit Behinderung bei Horgenzell, wird sich in den kommenden Jahren baulich verändern: Die gemeinsame Vision der Zieglerschen und der Gemeinde Horgenzell ist ein „Inklusions-Dorf“, wo Menschen mit und ohne Behinderung in selbstverständlicher Nachbarschaft leben können. Mit einem einstimmigen Aufstellungsbeschluss hat der Gemeinderat von Horgenzell in seiner Sitzung vom 10. Dezember den Weg frei gemacht für die Umsetzung.

Eine Schule mit Internat, Wohnhäuser für erwachsene Menschen mit Behinderung, eine kleine Werkstatt, eine Kirche, ein Stall und eine Reithalle, viel Grün – das ist die Haslachmühle, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, heute. Doch das wird sich in den kommenden zehn Jahren ändern: Dann sollen – so die aktuellen Planungen – ein Wohngebiet und ein kleines Gewerbegebiet die Haslachmühle zu einem richtigen Dorf ergänzen. „Die Eingliederungshilfe befindet sich in einem großen Veränderungsprozess“, erklärt Uwe Fischer, Behindertenhilfe-Geschäftsführer bei den Zieglerschen die Hintergründe, „Inklusion, Dezentralisierung und die Umsetzung der Landesheimbauverordnung führen dazu, dass viele Einrichtungen sich wandeln. Bewohner ziehen an neue dezentrale Standorte, Häuser müssen umgebaut, abgebrochen oder neu gebaut werden. Zugleich wählen nach wie vor viele Menschen mit Behinderung die Haslachmühle als Sprachraum für Unterstützte Kommunikation und Ort der kurzen Wege mit ihrer hohen fachlichen Qualität und ihrer idyllischen Lage in ländlicher Umgebung gerne als Wohnort. Wir wollten diese komplexe Herausforderung als Chance wahrnehmen und sind darum schon vor einigen Jahren auf die Gemeinde Horgenzell zugegangen mit der Idee, die vorhandene Infrastruktur durch die Ergänzung von Wohnungsbau und Gewerbeflächen zu einem Inklusions-Dorf weiterzuentwickeln.“

Bei der Gemeinde sei man auf offene Ohren und tatkräftige Unterstützung gestoßen, berichtet Christoph Arnegger, Geschäftsführer für Facility Management bei den Zieglerschen. „Mit Unterstützung des Gemeinderats konnten wir gemeinsam mit Bürgermeister Restle und der Rathausverwaltung in den vergangenen Jahren erfolgreiche Gespräche mit den vielen verschiedenen Stellen führen, deren Zustimmung es braucht, bevor die Vision vom Inklusions-Dorf Wirklichkeit werden kann.“ So habe es Abstimmungen zu baurechtlichen Fragen gegeben und Gespräche mit dem Sozial-, dem Wirtschafts- und dem Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg, mit dem Landkreis Ravensburg und dem Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS), erklärt Arnegger. „Das Projekt berührt viele verschiedene Ressorts, die an einem Strang ziehen müssen. Erfreulicherweise sind wir eigentlich immer auf offene Ohren gestoßen. Die Bereitschaft, das Projekt zu ermöglichen, war überall da.“

Rund 160 Menschen mit Behinderung – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – leben derzeit in der „Mühle“, wie die Bewohner das Gelände nennen, das rund einen Kilometer südlich vom zu Horgenzell gehörenden Hasenweiler liegt. Rund vierzig Menschen sind in den vergangenen Jahren aus der Haslachmühle in neue dezentrale Wohnangebote der Zieglerschen – vor allem nach Wilhelmsdorf und Engen – umgezogen. Das künftige „Inklusions-Dorf Haslachmühle“ könnte etwa 400 Einwohner haben. Bürgermeister Volker Restle erklärt: „Das ist eine tolle Chance für die Gemeinde Horgenzell, attraktiven Wohnraum für Familien und ein kleines Gewerbegebiet zu schaffen. Wir bewegen die Ideen dazu bereits seit einiger Zeit in der Bürgerbeteiligungsgruppe „Quartier 2020“, an der auch Vertreter der Zieglerschen teilnehmen. Ein infrastrukturell weiterentwickeltes Hasenweiler und ein „Inklusions-Dorf Haslachmühle“ können sich künftig hervorragend ergänzen.“ Anfang 2020 soll ein gemeinsamer Workshop mit dem Gemeinderat und Vertretern der Zieglerschen stattfinden, um Ideen für die Ausgestaltung des geplanten Wohngebiets zu entwickeln.

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