Ausgaben

Glücksbringer für alle

Glücksbringer für alle
Brigitte Föhr und das WOCHENBLATT-Team wünschen allen Lesern ein gesundes (Foto: FÖHR)

Schornsteinfeger, Kleeblätter, Marienkäfer, Hufeisen und ein Schwein sollen Glück bringen. Brigitte Föhr, Bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin, behauptet sich in einer absoluten Männerdomäne und verrät uns, auf was für spontane Glücksideen die Leute so alles kommen. 

Region – Es gibt nur einen einzigen Beruf, bei dessen Anblick alle Menschen sich spontan freuen, nämlich der des Schornsteinfegers. Aber warum gerade der/die russgeschwärzte Mann? Brigitte Föhr ist mit Leib und Seele Schornsteinfegerin und liebt die Vielseitigkeit ihres Berufes, vor allem aber die Freiheit, da man meistens alleine unterwegs ist.

Zu Silvester ist sie gefragt wie nie. Da kommt es öfters vor, dass ihr fremde Menschen auf die Schulter klopfen, sie mal schnell in den Arm nehmen oder sich die Nase schwärzen lassen wollen. Andere wiederum drehen und reiben am obersten Knopf ihres Kehranzugs. Das alles soll Glück bringen. Woher kommt dieser Brauch?

„Dass der Schornsteinfeger Glück bringt, ist schon seit dem Mittelalter so“, weiß Brigitte Föhr. Das lag daran, dass aufgrund der engen Bauweise schnell ein Brand ganze Stadtteile, ausgelöst von der Feuerstätte oder dem Kamin, niederbrennen konnte.

Durch die Arbeit des Schornsteinfegers konnten die Brände aber verhindert werden. Für die Bewohner eines Hauses brachte dieser also Sicherheit und Glück in die vier Wände. Der Brauch, wie genau der Schornsteinfeger jetzt Glück bringt, variiert aber. 

Mit einem Schmunzeln erinnert sich Brigitte Föhr an ihre Zwischenprüfung in Ulm. „Als ich nach getaner Arbeit das Haus verlassen wollte, rief mich der Hausbeitzer zurück und meinte, dass ich wohl etwas vergessen hätte. In der Prüfungssituation hat mich fast der Schlag getroffen und ich fragte verwirrt, was es denn sei. Daraufhin meinte er: Sie haben vergessen, meine Nase mit Ruß zu schwärzen“.

Wie kommt man gerade als Frau auf die Idee, Schornsteinfegerin zu werden? 

Brigitte Föhr: Das war Glück. Nach der Realschule und einer weiterführenden Schule habe ich eine kaufmännische Lehre angefangen, aber das war mir zu langweilig. Durch Zufall bin ich dann auf den Beruf des Schornsteinfegers gekommen. Dieses Mal wollte ich vorab ein Praktikum im Ausbildungsbetrieb machen. Das hat mir viel Spaß gemacht. Zum Mittagessen sind wir damals in eine Wirtschaft gegangen und ich wurde gleich als „der neue Lehrbub“ vorgestellt. Durch die anderen Gäste habe ich so viel Zuspruch bekommen und es war sehr gesellig. Das hat mich beeindruckt und da fiel die Entscheidung leicht.

Wie viele Frauen waren in ihrem Ausbildungsjahrgang?

Wenn ich mich recht erinnere, waren es in drei Klassen fünf Mädels. Die Frauenquote wird aber immer höher. 

Ist es schwer, sich in dieser Männerdomäne zu behaupten?

Inzwischen gibt es viele Handwerkerinnen in allen möglichen Berufen. Heutzutage ist das nicht mehr so außergewöhnlich. Meine Kollegen sind allesamt sehr hilfsbereit und kollegial zu mir und ich hatte noch nie den Eindruck, dass es irgendwem nicht passt, dass ich eine Frau bin.  

Kommt es vor, dass Hausbesitzer Sie belächeln und Ihr Können bezweifeln?

Ja, die gibt es immer. Aber mir ist es generell lieber, wenn ich unterschätzt werde.

Ist es immer noch so, dass man schwindelfrei sein muss und auf die Dächer krachselt?

Allerdings. Es kommt immer häufiger vor, dass man vom Dach aus kehren muss. In den neuen Häusern hat man heute meistens keinen Dachboden mehr, im OG sind die Schlafzimmer und da möchten die Leute lieber keine Reinigungsöffnung.  

Setzt sich der Ruß nicht in den Poren fest und hilft einfaches Duschen am Abend?

Ich persönlich nehme tatsächlich nur normales Duschgel und eine Handwerkerbürste (die Harte mit den kurzen Borsten) für die Hände. Für Gesicht und Hals hab ich einen Peeling-Handschuh. Kollegen verwenden auch spezielle Waschpasten oder Kupferlappen. Vor der Arbeit und nach dem Duschen sollte man sich natürlich eincremen. Wir gehen nicht schwarz ins Bett.

Wie reagiert das weibliche Umfeld im Bekanntenkreis, wenn Sie Ihren Beruf nennen?

Die Reaktionen reichen von beeindruckt über „den Männern zeigen wir’s“ bis hin zu Mitleid.

Wie gehen Männer damit um?

Männer sind hilfsbereit und möchten einem gerne alles abnehmen.

Sie sind Bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin. Wie viele gibt es davon in Baden Württemberg und wie kommt man dazu?

Es gibt in Baden Württemberg ca. 920. Um Bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger zu werden, benötigt man vor allem die Meisterprüfung oder einen gleichwertigen Abschluss aus der EU. Danach kann man sich beim Regierungspräsidium in Stuttgart für einen Bezirk bewerben. Diese Bezirke werden öffentlich europaweit ausgeschrieben.

Gibt es genügend Nachwuchs bei den Schornsteinfegern? 

Wer noch eine Ausbildungsstelle sucht und sich angesprochen fühlt, darf sich gerne bei seinem Schornsteinfeger, der Innung oder auch bei mir (schornsteinfeger@bfoehr.info)melden. Ich würde aber in jedem Fall ein vorheriges Praktikum empfehlen.“

Daniela Leberer