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Geburtstag an Silvester und Neujahr – Fluch oder Segen?

Geburtstag an Silvester und Neujahr – Fluch oder Segen?
Silvester- oder Neujahrskind zu sein (Foto: Pixabay)

Knallende Korken, Sekt, Wunderkerzen und Feuerwerk – so stellt man sich Silvester und Neujahr vor. Die große Party zur Jahreswende soll etwas ganz Besonderes sein und uns bestmöglich ins neue Jahr einstimmen. Da muss es doch die reinste Freude sein, an einem dieser beiden Tage Geburtstag zu haben, oder? Unsere Volontärin Laura Hummler kann aus Erfahrung sprechen.

Region – „Nur weil heute der 1. Januar ist, heißt das nicht, dass Sie heute noch ihr Kind bekommen müssen!“ Das hatte sich meine Mutter vor knapp 22 Jahren im Kreissaal anhören dürfen – unter Schmerzen. „Glauben sie mir, das ist mir Jacke wie Hose, ob dieses Kind am 1. oder 2. Januar zur Welt kommt“, hatte sie daraufhin gleichgültig zurückgegeben. Im Nachhinein bin ich aber doch recht froh, dass ich es noch rechtzeitig zu Neujahr geschafft und somit einen ziemlich besonderen Geburtstag habe – und meine Mama auch.

Denn ihr Geburtstag fällt auf keinen anderen Tag, als Silvester. Ziemlich schräg, diese Kombination…Welche Vor- und Nachteile der jeweilige Geburtstag also nach sich zieht, wissen wir mittlerweile ganz genau. So hatte meine Mutter beispielsweise früher in der Schule, besonders  im Sport, damit zu kämpfen, immer die Jüngste des gesamten Jahrgangs zu sein. Mittlerweile hat sich dieses Dilemma zum Positiven gewendet: alle Mit-Jährgänger werden stets vor ihr „ein Jahr älter“. Da kann man schon mal schadenfroh werden.

Ein bisschen schwieriger wird das Thema, wenn es um die große Sause geht, die Geburtstagsparty. Schließlich hätte Mama schon immer mal Lust auf eine gemütliche Grillparty gehabt. Und da das im Winter nunmal so überhaupt nicht möglich ist, ist ihr auch schon der Traum von der Iglu-Party im Garten gekommen. Schade an dieser Vorstellung ist eigentlich nur, dass es einfacher wäre, ein Iglu zu bauen, als Partygäste zu finden – denn die meisten Menschen (ver-)planen ihr Silvester bereits Monate im Voraus. Verpasst man es da, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, ist Jeder bereits anderweitig vergeben. 

Volles Haus an Silvester

Dass das jedoch auch anders geht, hat meine Mama im letzten Jahr bewiesen, als sie ihren 50. gefeiert hat – da war volles Haus angesagt. Klar, schließlich möchte zu Silvester auch keiner Zuhause bleiben und alle sind in Feierlaune. Optimal also, wenn einem das bloße Datum schon Stimmungspunkte garantiert. Minimale Traurigkeit verspürt Mama aber dann doch irgendwann – nämlich wenn die Party um 12 erst so richtig losgeht und das Feuerwerk beginnt. Das bedeutet für sie dann nämlich schon wieder das Ende ihres Ehrentages. Aber da dann sowieso ich ins Spiel komme, die ablöst, hält die Freude bei ihr automatisch doppelt so lange an.

Ein Glückstreffer ist dieser 1. Januar – vor allem als Kind. Ich erinnere mich noch gut an unsere Hüttenurlaube über Silvester. Zum Geburtstag mit einem Feuerwerk aus den Bergen begrüßt zu werden – was gibt es schöneres? Farbenfrohe Explosionen, ob oben auf dem Berggipfel oder von unten im Tal, in allen Höhen und Tiefen. Bei klarer Sicht war allein dieses Schauspiel zu beobachten bereits das reinste Geburtstagsgeschenk für mich.

Mit der Zeit nahm jedoch das Gefühl, zum Geburtstag bei meinen Freunden sein zu wollen, überhand und ich habe irgendwann aufgehört, Geburtstag bzw. Neujahr in Österreich zu feiern. Allerdings stelle ich so langsam fest, dass früher Geburtstag auch wirklich Geburtstag hieß.

Mittlerweile bekomme ich von diesem „Tag“ nämlich allenfalls noch ein paar Stunden mit – den Rest verschlafe ich, um schlimmere, flüssigen Substanzen geschuldetete Gemütszustände zu verhindern. Und so geht es so ziemlich allen meinen Freunden auch, daher brauche ich an meinem Gebutstag auch keinerlei besondere Aktivitäten erwarten – was Fluch und Segen zugleich ist. 

Laura Hummler