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Fit für die Zukunft

Fit für die Zukunft
Rückansicht des denkmalgeschützten Gebäudes. Unter anderem die Renovierung der Sternwarte ist für die Kostensteigerung verantwortlich. (Bild: Laura Hummler)

Ravensburg – Das größte Sanierungsprojekt der Stadt Ravensburg ist so gut wie abgeschlossen: Die Gymnasien AEG und Spohn sind nach einer rund sechsjährigen Bauphase fit für viele neue Schülergenerationen. Allerdings hat sich die Bausumme um zwei Millionen auf 22,8 Millionen Euro erhöht.

Alte Gebäude haben ihre Tücken, besonders, wenn sie unter Denkmalschutz stehen. So auch das rund 100 Jahre alte Schulgebäude am Ravensburger Osthang. Nach sechs Jahren Bauzeit wird diesen Sommer die Generalsanierung abgeschlossen. Es zeigten sich viele Überraschungen, die bei ersten Untersuchungen nicht erkennbar waren. Zuletzt stellten Experten fest, dass die Sternwarte auf dem Dach wesentlich maroder ist, als angenommen. Allein deren Sanierung wird rund 300 000 Euro zusätzlich verschlingen.

Für viele Jahrzehnte technisch auf dem neuesten Stand

An Ravensburgs Osthang thront ein wunderschönes, altes Schulgebäude, Heimat für die städtischen Gymnasien AEG und Spohn mit ihren rund 1000 Schülern. Diesen Sommer wird die rund sechsjährige Generalsanierung abgeschlossen, die mit rund 22,8 Millionen Euro das teuerste Sanierungsprojekt der Stadtgeschichte war.

Wer dieses Jahr sein Abi am Spohn oder AEG macht, der hat fast seine gesamte Gymnasialzeit in einer Baustelle verbracht: Nach zweijähriger Projektvorbereitung von 2012-14 startete die Generalsanierung der Schulen in vier Bauabschnitten – und das während des laufenden Schulbetriebs. „Das war eine OP am offenen Herzen“, so Dieter Katein, Leiter des Amtes für Architektur und Gebäudemanagement. „Nur im Frühjahr 2019 mussten wir die Baustelle anhalten, da kam während der Abiturvorbereitungen ein Hilferuf von der Schulleitung.“ Die Schallübertragung war so stark, dass die Schüler nicht mehr lernen konnten. „Wenn Wände eingerissen werden, dann ist das einfach sehr laut“, so AEG-Schulleiter Mark Overhage.

Unter anderem dieser Stopp hat zu einer leichten Verzögerung der letzten Bauabschnitts um sechs Monate geführt. Bis zum Sommer werden noch restliche Fassaden- und Dacharbeiten erledigt, kommenden Oktober wird es einen Festakt zum offiziellen Abschluss der Arbeiten geben. Im Laufe der Sanierung wurden alle Räume neu gestaltet und neu ausgestattet, die Haustechnik komplett erneuert und die Energiebilanz des Gebäudes nachhaltig verbessert. Diese Maßnahmen waren dringend notwendig, das Gebäude war in Teilen in marodem Zustand. Während der Bauzeit dienten zehn Raummodule als Ausweichräume, sechs davon werden dauerhaft in Betrieb bleiben.

Erschwert wurden die Arbeiten durch den Denkmalschutz, unter dem die Schule steht. Dieter Katein und seinem Team ist hier jedoch ein Meisterstück gelungen: Die vorbildliche Symbiose von charmantem Jugendstil mit funktionaler Moderne. Original Tarrazzoböden, Stuck und geschwungene Linien sorgen jetzt mit massiven Eichenmöbeln und kunstvoll verglasten Treppenhäusern für bislang nicht gekannte Aufenthaltsqualität. Durch einen hochmodernen Ausstattungsstandard an Lehr- und Medientechnik, Brandschutz und Alarmierungssystemen sowie die neue Ausstattung mit Licht und Akustik ist das Schulgebäude zukunftsfähig aufgestellt.

Eine Attraktion ist die Sternwarte auf dem Dach. Diese hat letztlich maßgeblich zur Kostensteigerung von rund zwei Millionen beigetragen. Denn die erste Untersuchung hat nur Schäden an den Blechen der alten Warte gezeigt. Erst als im Sommer 2019 der Nordflügel eingerüstet wurde, konnte sie genauer unter die Lupe genommen werden. Schnell wurde klar, dass die verdeckten Befestigungen der Kupferbleche sowie die Blechanschlüsse an die anschließenden Dachfl ächen fast vollständig defekt sind und erneuert werden müssen.

Diese Schäden wurden bei der Sternwarte, den Dachgaupen und den Mansarden gefunden. „Bei einem so alten Gebäude muss man immer auf Überraschungen gefasst sein“, so Dieter Katein. Froh sind die Projektbeteiligten, dass über 80 Prozent der Baufirmen aus der Region stammen, so kann schnell auf veränderte Bedingungen reagiert werden. Nach Abschluss der Gebäudesanierung muss noch der Schulcampus neu gestaltet werden, angesichts knapper Stadtkasse wird diese Maßnahme aber noch aufgeschoben.