Ausgaben

Ene mene mu, und raus bist du! – Abenteuer Zuhause: Wenn die Familie sich gegenseitig erdrückt

Ene mene mu, und raus bist du! – Abenteuer Zuhause: Wenn die Familie sich gegenseitig erdrückt
Kindheitspädagogin Romina Santoro befasst sich auch in Ihrer Freizeit mit Kindern. In ihrem Yogastudio „yogazwerge“ dürfen Kinder so sein, wie sie sind. Infos: www.yogazwerge.de. (Bild: privat)

Die Coronakrise beherrscht unseren Alltag. 24 Stunden zusammen. Für viele Familien ist diese Situation komplett neu, überfordert und bringt Jung und Alt an ihre Grenzen. Kindheitspädagogin Romina Santoro aus Horgenzell gibt Tipps, wie das Zusammenleben nicht zum Albtraum wird.

Den Kindern fällt Zuhause die Decke auf den Kopf und die Nerven der Eltern liegen blank. Was kann man zur Entschärfung tun?

Der Ausnahmezustand ist sowohl für Kinder als auch für Eltern etwas komplett Neues. Dass man bei so intensivem Kontakt in den eigenen vier Wänden auch mal aneinander gerät ist vollkommen natürlich. Die Natur ist Gott sei Dank nach wie vor frei zugänglich und wirkt Wunder! Frische Luft, Bewegung, Spaziergänge, im Garten toben, auf dem Balkon spielen…das alles tut Kindern und Eltern gut und macht den Kopf frei. Der natürliche Bewegungsdrang der Kinder kann so gestillt werden und die Kinder können sich auspowern.

Die kleinen Kinder sollen immer auf die großen Geschwister Rücksicht nehmen, da die ja lernen müssen. Was haben Sie für Tipps?

Bei Geschwistern mit größerem Altersunterschied ist es hilfreich, die Zeit einzuteilen und jedem Kind einen bestimmten Zeitraum einzuräumen. So kann die Mama mit dem Kindergartenkind ein Spiel spielen, während das Schulkind seine Aufgaben erledigt. Dafür hat das Schulkind nach den Hausaufgaben Gelegenheit, sich etwas für seine „besondere Zeit“ zu wünschen. So kann die Exklusivzeit mit Mama und Papa eingeteilt werden und viel intensiver genutzt und zelebriert werden.

Das Nörgeln wird immer schlimmer und die Zankereien kommen in kürzeren Abständen. Wie geht man am besten vor?

Verständnis zeigen und emphatisch sein. Nicht nur Eltern müssen mit den veränderten Rahmenbedingungen zurechtkommen, auch die Kleinsten müssen sich neu sortieren und lernen, mit der ungewohnten Situation umzugehen. Die Rituale und Strukturen der Einrichtungen fallen für die Kinder weg, sie dürfen ihre Freunde nicht sehen und Besuche bei Oma und Opa sind nicht möglich. Um das alles zu begreifen helfen Gespräche, Erklärungen und Geduld. Auch Kinder haben ein Recht auf grummelige Stimmung und eine kleine Auszeit für sich.

Für viele Familien ist es ungewohnt, so viel Zeit miteinander zu verbringen. Wie strukturiert man sich am besten?

Rituale geben Kindern Halt und Sicherheit. Gerade im normalen Familienalltag ist es durch aufkommende Hektik und volle Terminpläne nicht immer leicht, sich Zeit für wiederkehrende Abläufe zu nehmen. Jetzt kann die Situation genutzt und als Chance angesehen werden, dies einmal anzugehen. Es lohnt sich! Der Tag kann gemeinsam mit dem Nachwuchs strukturiert und gestaltet werden.

Hierzu ist kein kompliziertes Konzept nötig, es reicht, wenn der Tag stabile Fixpunkte enthält an denen man sich entlang hangeln kann. Davon profitieren Klein und Groß. Das fixe Tagesgerüst stärkt das Familiengefühl und wirkt, gerade in der heutigen Zeit, den immer schnelleren Veränderungen unserer Umwelt entgegen. Natürlich darf bei der Planung der Raum für Spontanität und Veränderungen nicht fehlen.

Es gibt dauernd Zoff, weil die Kids nur am Computer oder Handy hängen. Wie hält man sinnvoll dagegen?

Die Technik macht auch vor Kinderzimmern keinen Halt und gehört mittlerweile zum Alltag der Kinder dazu.

Hier sind feste Zeiten für Computer, TV, Tablet & Co. hilfreich. Bis zu einem gewissen Maße ist die Nutzung der Alltagsmedien auch völlig in Ordnung und lässt sich kaum mehr vermeiden – vor allem wenn Papa und Mama selbst damit beschäftigt sind. Es ist wichtig, dem Kind im Umgang mit der Technik eine sinnvolle und vor allem verantwortungsbewusste Mediennutzung nahezubringen.

Die Erzieher bekommen nach der Corona-Zeit Kinder zurück, die außer Rand und Band sind. Wie wappnen Sie sich schon jetzt darauf?

Nach so einer langen Zeit wird der erste Tag in der Einrichtung sicherlich sehr aufregend, sowohl für Kinder als auch für die pädagogischen Fachkräfte. Da muss man sich erst wieder in das Kita-Gefüge einleben. Wie groß sind sie geworden? Was haben sie alles zu berichten? Was für Sprünge haben sie in der langen Zeit gemacht?

Und auch die Kinder freuen sich auf ihre Freunde und den Alltag in der Kita. Jedes Kind hat in dieser Zeit mit Sicherheit einen ganz unterschiedlichen Alltag erlebt und muss sich wieder neu umgewöhnen. Das braucht Zeit, Verständnis, Geduld und gehört zum Kitaalltag einfach dazu.