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„Dürfen Mädchen mittrommeln“ – Leserbrief

„Dürfen Mädchen mittrommeln“ – Leserbrief
(Bild: Adobe Stock)
WOCHENBLATT

Ravensburg – Zu unserem Thema: „Dürfen Mädchen mittrommeln“ vom 15. Februar 2020 schreibt uns Dieter Graf, 1. Vorsitzender der Rutenfestkommission Ravensburg e. V.

Erstaunlich ist schon, wenn gefordert wird, dass »Mädchen beim Rutenfest mehr als schmückendes Beiwerk« sein sollen. Erstaunlich schon deshalb, da diejenigen, die dies fordern, nicht nur bemerkenswert wenig Kenntnisse vom Rutenfest und der damit verbundenen Tradition haben, sondern dabei schon offensichtlich vergessen wird, dass die beiden hier hauptsächlich angegangenen – für das Rutenfest durchaus wichtigen – Trommlergruppen kaum 5 Prozent des Rutenfestes ausmachen.

Das Rutenfest besteht eben nicht nur oder hauptsächlich aus »Trommlergruppen«, sondern aus zahlreichen Einzelveranstaltungen von der Insignienübergabe über den Frohen Auftakt, dem Rutentheater, dem Festzug, Singen, Spielen, Musizieren, vielfältige Schießwettbewerbe, Platz der Familie, zahlreiche sich daraus ergebende Begegnungen und weitere Veranstaltungen bis hin zum Rutenvergraben.

Gruppierungen, die sich zum Teil auf eine mehr als 100 Jahre andauernde Tradition berufen können, praktisch zwingen zu wollen Frauen aufzunehmen verbietet sich von selbst und ist insbesondere in keiner Weise vom »Grundgesetz« gefordert. Wer sich hier auch noch auf unsere Verfassung beruft, sollte einfach wissen, dass diese das Verhältnis Bürger-Staat regelt und ganz sicher nicht das Verhältnis von Bürgerschaft zu privatrechtlichen Vereinigungen. Die Grundrechte werden auch als Abwehrrechte der Bürgerinnen und Bürger gegen den Staat bezeichnet. Ein Mann kann sich z.B. auch nicht in die gute und segensreiche Vereinigung »Soroptimist International« einklagen, die eben ausnahmslos Frauen aufnimmt.

Bemerkenswert ist auch, dass sich unter der Überschrift »Gleichberechtigung« fast ausnahmslos Männer berufen fühlen, die angeblich nicht für sich selbst sprechen könnenden Mädchen und Frauen zu »vertreten«. Dies ist schon »Realsatire«. Letztendlich ist es verblüffend, wenn gefordert wird, dass Mädchen Zugang zum Trommlerkorps oder zu den Landsknechten (Landsmägden?) selbst dann erhalten sollen, wenn kein einziges Mädchen dies wolle.

Sollte dies wider Erwarten gewünscht werden, können Mädchen selbstverständlich jederzeit ein eigenes, Trommlerkorps gründen. Man sollte auch nicht vergessen, dass Mädchen bereits jetzt mittrommeln können und deshalb die Schützenkönigin 2019 eine Gymnasiastin war, die sich den Rutentrommlern angeschlossen hat. Wer tatsächlich am und für das Rutenfest arbeiten möchte, ist bei uns in der Kommission willkommen!