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Dringender Appell: Ohne Katastrophenfall kein Geld vom Land

Dringender Appell: Ohne Katastrophenfall kein Geld vom Land
DRK- Geschäftsführer Gerhard Krayss (Bild: DRK Kreisverband RV)

Ravensburg – Der DRK Kreisverband Ravensburg e.V. stellt formal den Krisenfall nach DRK-K-Vorschrift fest und bereitet sich damit auf den Katastrophenfall vor. Planerische und operative Strukturen werden geschaffen, um öffentliche und private Einrichtungen wie Alters- oder Pflegeheime, Krankenhäuser, Institutionen und auch Privatbürger zu unterstützen. Das DRK ist nicht nur im Rettungsdienst aktiv, es hilft mit seinen Ehrenamtlichen überall dort, wo Hilfe gebraucht wird. Aktuell unterstützt das DRK die neu entstehenden Corona-Ambulanzen mit eigenen Mitteln. Auch bei der Umwandlung von Rehaeinrichtungen zu Corona-Stationen ist der Einsatz des DRK denkbar. Jetzt steht die private, spendenfinanzierte Organisation vor der größten Herausforderung: Mit knappen Ressourcen größtmögliche Unterstützung für die Zivilgesellschaft leisten. Das WOCHENBLATT hat bei DRK- Geschäftsführer Gerhard Krayss nachgefragt, was der Krisenfall bedeutet.

Herr Krayss, das DRK Ravensburg hat den Krisenfall ausgerufen. Warum?

Wir stehen aufgrund des COVID-19 gesamtverbandlich vor großen Herausforderungen. In einer Dringlichkeitssitzung hat daher der DRK-Präsident des DRK Kreisverbandes Ravensburg e.V., Herr Dieter Meschenmoser, am 17.03.2020 formal den Krisenfall in unserem Verbandsgebiet f gemäß DRK-Krisenvorschrift festgestellt.

Was bedeutet das für das DRK und seine Einsatzkräfte?

Wir konzentrieren uns präventiv auf eine mögliche Zuspitzung der aktuellen Lage, indem nun Planungs- und Einsatzstäbe im ersten Schritt gebildet werden. Natürlich wissen wir nicht, wie sich die Lage in der Zukunft entwickelt. Das Robert-Koch-Institut hat die Infektionssituation zwischenzeitlich aber auf die dritthöchste von vier Infektionsrisikostufen gesetzt. Wie und wo Einsatzkräfte eingesetzt werden entsteht in enger Abstimmung zwischen den Stäben des DRK und der Behörden. Ohne Auftrag geht kein Helfer in irgendeinen Einsatz.

Auf wie viele Einsatzkräfte können Sie im Krisenfall zurückgreifen?

In unserer Datenbank sind Stand heute 665 ausgebildete Helfer im DRK Kreisverband Ravensburg e.V. gelistet und alarmierbar.

Wie unterscheiden sich die Aufgaben des DRK im Krisenfall von seinen normalen Aufgaben?

Die normalen Aufgaben sind stark zurück gefahren und angepasst worden. Das DRK-Gesetz regelt auf der Basis der Genfer Abkommen u.a. die Rechtsstellung sowie die Aufgaben des DRK. Das DRK ist in besonderer Weise verpflichtet den Staat und seine nachgeordneten Behörden zu unterstützen. Die im Krisenfall erforderlichen Strukturen und Zuständigkeiten innerhalb des DRKs sind in einer bundesweit gültigen Krisenmanagement-Vorschrift des DRK (K-Vorschrift) geregelt.

Was planen die Kollegen der anderen Kreisverbände?

Unabhängig von der Feststellung des Katastrophenfalls durch das Land bereitet sich das DRK in ganz Baden-Württemberg und bundesweit seit Wochen auf eine große Lage vor und ist regional auch schon im Einsatz. Das Führungs- und Lagezentrum des DRK in Baden-Württemberg ist rund um die Uhr seit 3 Wochen besetzt. Umliegende DRK-Verbände zu uns stellen ebenfalls den Krisenfall formell fest.

Wer finanziert das DRK?

In dieser besonderen Lage, finanziert das DRK nun alle anstehenden Ressourcenbeschaffungen ausschließlich aus Eigenmitteln und Spenden. Wir stehen vor möglichen schweren finanziellen Herausforderungen.

Was müsste passieren, damit das DRK vom Land finanzielle Unterstützung bekommt?

Die Situation verändert sich für das DRK, sobald das Land/Landkreis den Katastrophenfall ausruft, dann greifen gesetzliche Regelungen zur Finanzierung.

Was wünschen Sie sich in der momentanen Lage von der Politik?

Endlich den Fokus auf das Thema Katastrophenschutz zu richten und die seit vielen Jahren von uns schriftlich und mündlich angemahnten Defizite an Ausstattung, Fahrzeugen und Refinanzierung anzugehen. Der Bund hat in den letzten zehn Jahren keinen einzigen Krankenwagen für den Zivilschutz beschafft, auch beim Land bestehen erhebliche Defizite. Besonders dringend ist in der aktuellen Situation auch die Ausstattung der Helfer mit Schutzkleidung, da nicht vorhanden. Das Sozial- und Innenministerium Baden-Württemberg sowie das Bundesinnenministerium müssen jetzt dringend Haushaltsmittel für den medizinischen Bereich der Hilfsorganisationen für die Zukunft einplanen.