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Die Zieglerschen warnen: „Heime brauchen dringend Schutzausrüstung“

Die Zieglerschen warnen: „Heime brauchen dringend Schutzausrüstung“
Bilder aus Tagen vor der Corona-Zeit: Jetzt müssen Mitarbeitende in Heimen und Kliniken Mundschutz tragen – solange es noch welchen gibt. (Bild: Rolf Schultes)
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Stationäre Einrichtungen gehören bei der Verteilung von Schutzmasken und Co. weit oben auf die Prioritätenliste.

Wilhelmsdorf – In stationären Einrichtungen wie Pflegeheimen, Wohnangeboten für Menschen mit Behinderung oder Suchthilfe-Kliniken leben viele Menschen aus der Corona-Risikogruppe unter einem Dach. Bei der zentralen Verteilung von Schutzausrüstung müssen sie darum weit oben auf der Prioritätenliste stehen, fordert das diakonische Sozialunternehmen Die Zieglerschen.

Rund 50 stationäre Einrichtungen der Alten-, Behinderten- und Suchthilfe betreiben die Zieglerschen, einer der großen sozialen Träger in Baden-Württemberg. Die Belieferung mit Schutzausrüstung für die Heime ist wie überall binnen Tagen fast vollständig zusammengebrochen. „Wir sind dankbar, dass es bei uns Stand heute nur vereinzelte Coronafälle gibt“, konstatiert Gottfried Heinzmann, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen. Darum könne man die vorhandenen geringen Bestände an Schutzausrüstung bislang noch zielgerichtet umverteilen. In der Altenhilfe beispielsweise würden – sobald ein Verdachtsfall gemeldet wird – die Bewohner gemäß Pandemieplan vorsorglich auf ihren Zimmern isoliert. Das Personal müsse dann bei der Versorgung der Bewohner Schutzausrüstung nach FFP-Standard tragen, bis die Testergebnisse da sind. „Nur so können wir das Risiko minimieren, dass es zu Massenansteckungen wie in Wolfsburg oder Würzburg kommt“, erklärt Gottfried Heinzmann. Aber, so der Vorstand weiter: „Es ist infolge der Gesamtentwicklung nur eine Frage der Zeit, bis sich die Fälle häufen. Und dann wird es ganz schnell eng werden.“

Die dieser Tage anlaufende Verteilung von Schutzausrüstung über die öffentliche Hand, die von den Landkreisen koordiniert wird, bereitet dem diakonischen Unternehmen Sorgen. „Natürlich ist uns bewusst, dass die Bestände überall knapp sind. Aber wenn es am Ende nur für die Krankenhäuser reicht und in sozialen Einrichtungen nichts ankommt, wo viele Menschen aus der Risikogruppe unter einem Dach wohnen, dann könnte das dramatische Folgen haben“, warnt Gottfried Heinzmann. Er führt aus: „Ziel muss es doch sein, dass gerade aus der Risikogruppe möglichst wenige Menschen erkranken, beziehungsweise dass die Infektionskurve hier besonders flach bleibt. Denn diese Menschen sind am anfälligsten für schwere Krankheitsverläufe inklusive Krankenhausbehandlung an Beatmungsplätzen. Nur wenn stationäre Einrichtungen besonders hohe Schutzstandards erfüllen können und die dafür notwendige Ausrüstung bekommen, kann man Masseninfektionen innerhalb der Risikogruppe wirksam vorbeugen.“ Auch der Schutz der Mitarbeitenden in den Häusern sei ein wichtiger Aspekt. „Diejenigen, die vor Ort für die Menschen in unseren Einrichtungen sorgen und zurzeit ohnehin schon so viel leisten müssen, können sich nicht distanzieren. Ohne professionelle Ausrüstung wären sie schutzlos einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Das wäre unverantwortlich!“ betont Gottfried Heinzmann.

Dass der Markt für Schutzmasken und Co. quasi leergefegt ist, berichtet auch Annette Merk, die zusammen mit den Hygienebeauftragten der Geschäftsbereiche die Hygienemaßnahmen bei den Zieglerschen koordiniert. „Unsere Lieferanten, die uns bis vor kurzem zwar unregelmäßig, aber immerhin noch einigermaßen beliefern konnten, stornieren gerade reihenweise unsere Aufträge, weil die Bestände jetzt von öffentlicher Seite beansprucht werden. Gleichzeitig teilen uns die Landratsämter mit, dass bisher nur sehr kleine Mengen bei ihnen ankommen und wir bei der Verteilung leider nicht berücksichtigt werden können“, so Merk. Bei den Zieglerschen werde darum unter Hochdruck in immer größeren Radien nach seriösen Anbietern gesucht, die möglicherweise noch Schutzausrüstung liefern können. Wie lang die derzeitigen knappen Lagerbestände noch ausreichen, vermag auch die Expertin nicht genau vorherzusagen: „Solange wir nur wenige Infektionsfälle haben, geht es gerade noch. Aber wenn die Zahlen steigen und das werden sie zwangsläufig, dann stehen wir innerhalb kürzester Zeit mit leeren Händen da.“ Die ersten Fälle anderer Einrichtungen zeigten auf dramatische Weise, wie schnell es gehen könne, wenn die Infektionszahlen plötzlich anstiegen. Annette Merk warnt: „Das darf auf gar keinen Fall so weitergehen. Die Politik darf die sozialen Einrichtungen nicht im Regen stehen lassen. Wir alle brauchen mehr Schutzausrüstung und zwar jetzt!“