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Die Stadt ist tot, Einzelhändler stehen vor dem Nichts

Die Stadt ist tot, Einzelhändler stehen vor dem Nichts
Wochenmarkt in der belebten Marktstraße (li.), die leere Marktstraße heute (re.) (Bilder: WIFO RV)

Seit dem heutigen Mittwoch gelten verschärfte Maßnahmen der Landesregierung: Geschäfte bleiben geschlossen, mit Ausnahme von Läden, die Produkte des täglichen Bedarfs anbieten, Clubs, Bars und Cafés haben zu, Restaurants nur zwischen 6 und 18 Uhr offen, da schließen die meisten lieber gleich ganz. Wie geht nun der Ravensburger Einzelhandel mit dieser dramatischen und durchaus existenzbedrohenden Situation um? Das Wirtschaftsforum Ravensburg (Wifo) hat zu einer Pressekonferenz eingeladen, um die Öffentlichkeit zu informieren.

Ravensburg – Die Stadt ist tot, die meisten Geschäfte bleiben geschlossen. Keine flanierenden Passanten, niemand der noch schnell ein Schnäppchen machen will, bevor er vielleicht in Quarantäne muss. Aber was geht hinter den geschlossenen Türen vor sich? Wie geht es den Einzelhändlern? „Die Situation ist für den Einzelhandel existenzbedrohend“, so Wifo-Vorstand Thomas Reischmann. Er hat für sein Unternehmen bereits Kurzarbeit angemeldet und alle Lieferverträge gekündigt, um nicht auf bestellter Ware sitzen zu bleiben. „Das rate ich allen Unternehmen, die so stark von der Krise betroffen sind, stellen Sie sofort einen Antrag auf Kurzarbeit“, so Reischmann. Kritik üben die Vorstände des Wifo an der Informationspolitik des Landes: „Wir haben aus den Medien davon erfahren, dass wir bereits am Mittwoch schließen müssen, es war ja gar nichts klar“, so Thomas Reischmann. „Wir sind laufend mit den Landesverbänden sowie dem Bürgermeister- und Landrat-Verband im Austausch, die wussten, dass etwas kommen würde“, sagt Markus Jox, Pressesprecher des Sozialministeriums, gegenüber dem WOCHENBLATT. „Aber wir arbeiten alle unter Hochdruck, wir haben eine Notsituation, da bitten wir um Verständnis für alle Akteure.“ Wie gilt der Shut Down nun? „Für Schulen, Kitas, Fitnessstudios, Einzelhandel und Gastronomie gilt zunächst der 19. April. Bis zum 19. Juni ist die Verordnung in Kraft, dies ist jedoch ein Datum in der Ferne, um vorbereitet zu sein.“

Martin Riedmüller von der Buchhandlung Ravensbuch ist wichtig, dass die Menschen jetzt möglichst den stationären Handel stützen und hier online bestellen, da viele Geschäfte auch liefern. „Aber bestellen Sie nicht bei Steuervermeidern wie Amazon. Die tun nichts fürs Gemeinwohl und unsere Stadt!“ Diesen Appell kann Thomas Reischmann vom Modehaus Reischmann nur unterstreichen: „Ich glaube auch, dass wir gestärkt aus der Krise gehen werden. Die Menschen werden merken, was ihnen fehlt: der Bummel durch eine schöne, lebendige Innenstadt und auch die kurze Besorgung.“ Und dann umso lieber wieder in die Stadt zum Einkaufen kommen, wenn die Krise vorbei ist. Ob allerdings alle Geschäfte dann noch da sind, ist fraglich. Er hätte viele Anrufe besorgter Mitglieder bekommen, so Wifo-Geschäftsführer Eugen Müller. „Einige sagen, dass sie nicht das Polster haben, um diese Zeit zu überstehen.“ Thomas Reischmann rät auch dazu, die zugesagten Finanzhilfen kritisch zu sehen: „Das sind am Ende Darlehen, die zurückgezahlt werden müssen“, und das könnten sich viele Einzelhändler nicht leisten. Er fordert direkte Hilfen der Regierung, die bei den Einzelhändlern und der Gastronomie unbürokratisch ankommen.