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Corona-Zwangs-Ferien mit 3 Kindern – 2. Teil

Corona-Zwangs-Ferien mit 3 Kindern – 2. Teil
Beispielbild (Bild: Adobe Stock)

Wie unsere WOCHENBLATT-Mitarbeiterin die Zeit zu Hause mit ihrer Familie erlebt.

Tag 3, Mittwoch, 18.03.20
Wir genießen heute wieder das gemeinsame Frühstück. Sonst haben alle unterschiedliche Zeiten mit Unterrichtsbeginn, da ist so etwas unter der Woche nicht vorstellbar. Während der Schulzeit geht es deutlich hektischer zu, bzw. das Frühstück fällt meist nur kurz aus.

Der Vormittag verläuft normal mit Hausaufgaben, der Mittlere möchte lieber Mathe machen. Das geht recht flott und macht ihm wohl mehr Freude als Deutsch. Als er fertig ist schaue ich mir die Aufgaben an, hauptsächlich waren es Einmaleins Blöcke. Das geht sehr einfach zu korrigieren, bei Mathe Gymnasium siebte Klasse muss ich mein Gehirn weitaus mehr arbeiten lassen, oder mein Mann übernimmt es. Geteiltes Leid ist halbes Leid heißt es ja so schön.

Nach dem Mittagessen machen wir „Mittagspause“ und gehen eine Runde zum See runter. Glücklicherweise haben wir es nicht weit. Es laufen mehrere Menschen dort, zweimal sind wir Bekannten begegnet. Den Einen haben wir nur Hallo gesagt und mit den Anderen haben wir etwa 3-5 Meter auseinander entfernt, ein paar Wort gewechselt.

Die Kinder werfen ein paar Steine in den See und beobachten Schwäne, die sehr nah zu uns gekommen sind. Dann geht es wieder zurück. Was uns aufgefallen ist: es waren sehr viele Jogger unterwegs. Entweder brauchen diese Menschen verstärkt ihre Bewegung oder sie sind uns vorher nie aufgefallen, das wäre auch möglich.

Mittwoch: Die Kinder haben Schwäne beobachtet, die kamen ganz nah zu uns.

Tag 4, Donnerstag, 19.03.20
Heute morgen hat mein Mann Brötchen geholt beim Bäcker und sagte, dass sich die Passanten anders verhalten als bevor das Coronavirus zum Thema geworden ist. Zwar grüßt man sich auf der Straße, aber es gibt auch Menschen, die wechseln bewusst die Straßenseite um den anderen „auszuweichen“. Allgemein ist alles distanzierter als zuvor. Das ist auch gut so!

Während den Aufgaben für die Schule basteln meine Tochter und ich aus Klorollen einen Fuchs und eine Eule. Wir habe sie mit Acrylfarben bemalt und später im Garten durften die zwei Tiere auch in der Wiese die Natur genießen. Wir sind dankbar, dass wir jetzt einen Garten haben, die Kinder sind bei dem schönen Wetter doch oft draußen. Ich hab den Liegestuhl vom Keller hochgeholt und mich etwas in die Sonne gesetzt. Was nun auffällig ist, dass gar keine Flugzeuge mehr fliegen, der Himmel ist richtig leer. Umso mehr hört man die Vögel zwitschern.

Mein Mann hat heute einige geschäftliche Telefonkonferenzen geführt und öfters bei den Kollegen die Kinder im Hintergrund gehört. Auch bei uns lässt sich dies nicht vermeiden, aber wir sitzen jetzt ebene alle im selben Boot. Die Kollegen tragen es mit Humor.

Nach dem Abendessen habe ich mich entschieden doch noch einige Lebensmittel zu kaufen die leer gegangen sind. Wir sind 5 Personen, da ist der Verbrauch einfach etwas mehr. Zuerst habe ich meine Hände desinfiziert und gehe im Eiltempo durch den Laden, packe bewusster die Lebensmittel ein als sonst. Noch bevor ich ins Auto steige habe ich wieder Hände desinfiziert.

Donnerstag: wir haben eine Eule und ein Fuchs aus Klopapierrollen gebastelt.

Tag 5, Freitag, 20.03.20
Der Vormittag verläuft wie gewohnt. Aufgaben für die Schule! Es ist wichtig jetzt eine Struktur für die Kinder zu lassen, aber nicht nur für die Kinder auch für uns. So hatte die erste Schulwoche zu Hause gut funktioniert.

Mein Mann hat heute die Info bekommen, dass bei ihm Kurzarbeit eingeführt worden ist.

Heute hat der Opa Geburtstag. Die Feier wurde natürlich abgesagt. Wir rufen ihn an und gratulieren ihm am Telefon. Gerade auf ältere Menschen muss man viel Rücksicht nehmen. Ich finde es erschreckend, wenn ich höre, dass es noch Leute gibt wo die Enkel noch Oma und Opa besuchen gehen. Klar, würden die sich gerne sehen, aber die Gefahr einer Ansteckung ist doch groß. Gerade weil Kinder oft gar keine Symptome zeigen, aber trotzdem Träger sind.

Gegen Abend kommt wieder das Tageshighlight: wir gehen mit den Kids eine Runde raus.

Zuerst fahren die Kinder auf Inlineskates, aber dann wollten sie doch lieber zu Fuß unterwegs sein. Also haben wir ihnen Schuhe angezogen und sind zum See. Wir beobachten den Sonnenuntergang. Die Kinder spielen mit dem Treibholz, dass es angespült hat.

Freitag, Sonnenuntergang am See. Die Kinder spielen mit Treibholz.

Tag 6. Samstag, 21.03.20
Es ist Samstag, das Wochenende geht los. Irgendwie fühlt es sich gar nicht nach Samstag an. Am Wochenende haben wir sonst meistens etwas unternommen. Das fällt natürlich weg.

Die Schulsachen bleiben natürlich im Ranzen heute, es ist ja schließlich Wochenende. Wir machen uns einen gemütlichen Tag. Unser Großer kommuniziert mit seinen Freunden, da ist die heutige Technik ein Segen. Sie spielen zusammen „Scribble io“, ich kenne das vom Prinzip her als Montagsmaler.

Mein Mann und ich haben uns eine Runde mit eingeloggt und haben auch Spaß daran. Man bekommt drei Begriffe zugewiesen und darf sich eins aussuchen und malen. Die anderen Mitspieler sollen diesen Begriff erraten bzw. schreiben es dann in das Feld, der Computer erkennt natürlich gleich wer es richtig eingegeben hat. Wir haben viel gelacht. Toll, dass es solche alten Spiele jetzt in so moderner Form gibt. Da es kalt geworden ist fällt unser Spaziergang heute kürzer aus als die letzten Tage.

Samstag: Wir spielen Montagsmaler online, haben jede Menge Spaß

Tag 7. Sonntag, 22.03.20
Heute ist Sonntag, wir frühstücken wie schon die ganze Woche zusammen. Wieder ist ein gemütlicher Tag vergangen.

Wenn ich auf die erste Woche „zu Hause“ blicke, muss ich sagen war es eine schöne Woche. Für die Kinder war es etwas ungewohnt keinerlei Freunde zu sehen. Aber sie haben öfters zusammen telefoniert. Der Große hat mit seinen Freunden online „Uno“ gespielt, wieder gab es viel Lachen zu hören. Sie sind über einen Gruppensprach-Chat verbunden. Teilweise sind sie zu acht in einer Runde.

Am Nachmittag geht es wieder an die frische Luft. Es tut gut etwas draußen zu sein, auch wenn es nicht allzu lange ist. Wir halten uns an die Anweisungen, gehen nur als Familie raus und unterhalten uns auf mit niemanden. Die zwei kleinen toben auf einer großen Baumwurzel herum und spielen, dass es ihr Haus wäre. Uns macht es den Anschein, dass sie Kindergarten und Schule nicht vermissen.

Sonntag: Die Kinder spielen mit einer Baumwurzel