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Buntes Treiben streng verboten!

Buntes Treiben streng verboten!
Luftschlangen und Konfetti (Foto: Pixabay)

Am 11.11. um Punkt 11.11 Uhr war es wieder so weit, da schellte es klangvoll durch alle Straßen: „Hoorig, hoorig isch dia Katz, ond wenn dia Katz it hoorig isch, noa fangt se au koane Meis, Meis, Meis!“ Die Fasnet hat begonnen! Und während sich der leidenschaftliche Hästräger schon mächtig freut, denkt sich vielleicht der eine oder andere Fasnetmuffel: „Jetz draiba die scho widdr ihr Unwäasa…“

Hier wird nicht auf den Tischen getanzt!

Na ja, den ersteren wollen wir ja nicht die Freude am närrischen Startschuss nehmen, aber wussten Sie, dass die schwäbisch-alemannische Fasnet eigentlich erst am Dreikönigstag, dem 6. Januar, beginnt? Streng genommen ist der 11.11. nämlich nur für die rheinischen Karnevalisten, wie zum Beispiel in den Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf, Auftakt der fünften Jahreszeit. Warum das so ist, lässt sich nur erahnen. Da dieser Tag auch der Martinstag ist und früher den Beginn einer Fastenzeit bis Weihnachten einläutete, vermutet man, dass die Leute davor noch einmal richtig ‘reinhauen und auf den Tischen tanzen wollten.

Außerdem ist die Zahl elf eine Schnapszahl – oder Narrenzahl, wie man im Mittelalter sagte: Einer mehr als die zehn Finger und einer weniger als die zwölf Apostel. Also, nichts Halbes und nichts Ganzes… Doch zurück zu den echten Narren der schwäbisch-alemannischen Gesinnung. Für sie ist es ein absolutes No-Go, das Häs vor dem 6. Januar aus der Truhe zu holen. Auch wenn bei uns vereinzelt Zünfte am 11.11. unterwegs waren, so kann dieser für die Narren niemals die Bedeutung des 6.1. und dem abendlichen „Häs entstauben“ erlangen.

Okay, okay – wir wollen ja nicht so sein. Ein bisschen Narretei darf im tristen November auch in Oberschwaben und dem Allgäu sein buntes Treiben haben. Und mal ehrlich, wer freut sich nicht auch schon jetzt auf Omas leckere Fasnetsküchle mit Zucker und Zimt oder süßer Vanillesauce?

Eva Heine