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1. und 2. Bundesliga nehmen Spielbetrieb auf: Richtig oder falsch?

1. und 2. Bundesliga nehmen Spielbetrieb auf: Richtig oder falsch?
(Bild: Adobe Stock)
WOCHENBLATT

1. und 2. Bundesliga nehmen Spielbetrieb auf: Richtig oder falsch?

PRO:

Zunächst einmal freut es mich als Fan, dass die Bundesliga ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen darf. Nur so kann ein für alle Beteiligten fairer Saisonausgang realisiert werden. In einigen ausländischen Ligen, die ihre Saison abgebrochen haben bzw. keine andere Wahl hatten, klagen bereits Klubs gegen verhängte Zwangsabstiege. In zweiter Linie freut es mich aber vor allem für die über 55 000 Mitarbeiter, die in der 1. und 2. Bundesliga tätig sind. Fußballvereine sind heutzutage moderne Wirtschaftsunternehmen, die jetzt – wie beispielsweise die Automobilbranche – ihre Arbeit wieder aufnehmen wollen, um das Produkt Profifußball wieder anbieten zu können. Einfach nur zu sagen: „Die Millionäre dürfen spielen, aber keiner denkt an andere Sportarten!“ wäre also zu einfach gedacht. Viele Klubs aus anderen Sportarten wollten gar nicht weiterspielen, da die Vereine dort in erster Linie von Ticketverkäufen leben, der Fußball hingegen von TV-Geldern. Ein ganzer Wirtschaftszweig kann sich nun also retten, in dem er unter Beachtung der Hygienemaßnahmen einfach nur Fußball spielt. Es wäre geradezu leichtfertig, diese Chance nicht zu ergreifen, auch wenn die verbleibenden Spiele ohne Publikum natürlich sehr gewöhnungsbedürftig für Spieler, Verantwortliche und TV-Zuschauer werden.

David Balzer d.balzer@wochenblatt-online.de

CONTRA:

Eines vorweg: Ich mag Fußball, sehr sogar – und das seit meiner Kindheit. Die Faszination für das runde Leder – gut, heute eher Plastikkugel – hat mich gepackt und verfolgt mich nun bis in meine Berufsjahre hinein. Das ist gut, es ist in Ordnung – ich gehe gerne auf den Sportplatz oder ins Stadion. Aber dass die 1. und 2. Bundesliga nun wieder loslegen dürfen, das gefällt mir nicht. Wochenlang war kein Sport erlaubt, das Hinterherjagen eines Balles gar kein Thema und nun dürfen die Herren Fußballprofis wieder ran? Wie ist das zu erklären, außer dass es in diesem Fall nur um das große Geld geht!? „Brot und Spiele“ nannte man das früher. Wer diese Machtdemonstration nicht frisst, der wird gefressen oder bleibt auf der Strecke. So wie viele Familien, deren Kinder noch nicht einmal wieder die Kindertagestätten oder ihre Schule besuchen können. Doch der professionelle Fußballsport wagt den Re-Start, als wäre er nie unterbrochen worden. Aber: Wie werden die Zweikämpfe aussehen? Wie freut man sich als Mannschaft über ein Tor? Und was passiert, wenn es innerhalb der Teams plötzlich weitere positive Tests gibt? Für mich ist die Fortsetzung in erster Linie ein Mittel zum Zweck. Hauptsache die Fans bekommen den Volkssport Nummer eins zurück – wenn auch nicht in der Kurve bei Bier und Wurst.

Thomas Schlichte t.schlichte@wochenblatt-online.de