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Bürgermeister Roland Weinschenk erhielt die Bürgermedaille

Bürgermeister Roland Weinschenk erhielt die Bürgermedaille
Die Bürgermedaille der Stadt Bad Waldsee nebst der zugehörigen Urkunde überreichte Bernhard Schultes im Beisein des Gemeinderats an Roland Weinschenk. Die vorgeschriebenen Infektionsschutzmaßnahmen erlaubten das allerdings nur auf Distanz. (Bild: Brigitte Göppel)
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Bad Waldsee – In Anerkennung seiner 16-jährigen Verdienste als Bürgermeister der Stadt Bad Waldsee und auf Beschluss des Gemeinderates ist Bürgermeister Roland Weinschenk am vergangenen Montag vom Gemeinderat mit der Bürgermedaille der Stadt Bad Waldsee ausgezeichnet worden.

Ursprünglich war geplant gewesen, die Ehrung bei der feierlichen Verabschiedung Weinschenks in den Ruhestand am 24. März im Sitzungsaal des Rathauses vorzunehmen. Doch aufgrund der derzeitigen Situation musste die Verabschiedung, zu der Gemeinderäte, Fachbereichsleiter, Ortsvorsteher, Vertreter andere Kommunen und weitere Wegbegleiter gekommen wären, abgesagt werden.

Unter Einhaltung sämtlicher Infektionsschutzvorschriften wurde die Medaille daher im Rahmen einer dringenden Gemeinderatssitzung am Montag im Hauses am Stadtsee verliehen.

Im Namen der Gemeinderäte würdigte Bernhard Schultes die großen Verdienste des scheidenden Bürgermeisters. Weinschenk sei mit großem Engagement für die Entwicklung der Stadt und der Ortschaften eingetreten. Er habe entscheidend an der Gestaltung des örtlichen Gemeinwesens mitgewirkt. Die Verleihung der Bürgermedaille drücke die Anerkennung für seine überaus engagierte Arbeit und hervorragenden Leistungen in den verschiedenen Bereichen des Gemeinwesens aus. Seinen Wählerauftrag habe er verantwortungsbewusst, kompetent und zum Wohle der Stadt und der Bürger wahrgenommen. Mit dieser Auszeichnung danke der Gemeinderat dem Amtsträger und Menschen Roland Weinschenk für seine langjährige und erfolgreiche Arbeit zum Wohle der Stadt Bad Waldsee, sagte Schultes.

Neben der Medaille überreichte Schultes auch im Namen der Gemeinderäte einen Gutschein für ein Mozart-Konzert in Wien, inklusive Hotel – dieser Gutschein habe 50 Jahre Gültigkeit, schmunzelte Schultes mit Blick auf die herrschenden Einschränkungen.

Noch vor der Auszeichnung mit der Bürgermedaille hatte Bernhard Schultes stellvertretend für Peter Smigoc, den Kreisverbandsvorsitzenden des Gemeindetags, die Ehrenurkunde und das Ehrenzeichen des Gemeindetags Baden-Württemberg an Roland Weinschenk überreicht. Schultes berichtete, dass Roland Weinschenk in seinen 16 Bad Waldseer Dienstjahren an 181 Gemeinderatssitzungen, 139 Sitzungen des Ausschusses für Umwelt und Technik, 139 Sitzungen des Verwaltungsausschusses sowie an mehr als 300 sonstigen Sitzungen sowie an vielen weiteren Dienstbesprechungen teilgenommen habe. Das summiere sich auf etwa 1000 Sitzungen und somit ein gesamtes Arbeitsjahr. Zudem hat Roland Weinschenk zehn Jahre dem Kreistag angehört.

Für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der städtischen Rehakliniken sprach Direktor Peter Blank. Er blickte auf die vergangenen 30 Jahre Bürgermeistertätigkeit Weinschenks zurück – 14 Jahre davon in Waldenburg und 16 Jahre in Bad Waldsee. Dabei ließ er auch den beruflichen Werdegang des scheidenden Bürgermeisters Revue passieren. Grundsätzlich seien die Erwartungshaltungen an einen Bürgermeister so zahlreich wie die Interessenvertreter, meinte Blank. Ein Geldvolumen von annähernd zwei Milliarden Euro seien in Weinschenks 16-jähriger Amtszeit verabschiedet worden – „eine stolze Zahl“, sagte Blank. Er wolle aber nicht nur Zahlen sprechen lassen, sondern auch auf einige Beispiele der erfolgreichen Arbeit von Roland Weinschenk zurückblicken. So seien ihm zum Beispiel immer die Ortschaften am Herzen gelegen. In einem guten und intensiven Kontakt zu der dortigen Bürgerschaft und den Vereinen habe Weinschenk sich für die Teilorte stark gemacht. Als sichtbare Beispiele nannte Blank den Neubau des Dorfgemeinschaftshauses in Gaisbeuren und die Realisierung der Neubaugebiete in Haisterkirch, Mittelurbach und Michelwinnaden. Aber auch die Kernstadt könne auf eine positive Stadtentwicklung zurückblicken. Belege dafür seien der Neubau der Mensa, der Kindertagesstätte auf dem Döchtbühl, das Neubaugebiet Ballenmoos und Frauenberg VI oder das aktuelle Projekt „Altstadt für Alle“. Wichtig sei für Roland Weinschenk auch immer eine gut aufgestellte und leistungsfähige Feuerwehr gewesen. Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses unterstreiche die notwendige kommunale Unterstützung für das wertvolle Ehrenamt. Weiter erinnerte Peter Blank an die Flüchtlingswelle 2014, den Neubau der Klinik Maximilianbad und der neuen Sauna- und Wellnesslandschaft, die Gründung der Stadtwerke und die erneute Auszeichnung mit dem European Energy Award in Gold.

„Herr Weinschenk, Sie waren nicht der Mann der lauten Töne, der immer im Vordergrund stehen musste oder wollte. Für Sie waren Bescheidenheit und Wertschätzung gegenüber uns Mitarbeitern wichtige moralische Werte, die Sie selbst vorgelebt haben“, sagte Blank. „Ja, man darf anerkennend sagen: Sie waren ein Mann der stets bodenständig, uneitel und in aller Bescheidenheit der Stadt gedient hat. Sie haben Ihren Beruf als Berufung gesehen und damit war ihr persönlicher zeitlicher Einsatz enorm. Keine Sitzung haben Sie ausgelassen, bei allen Veranstaltungen, Feiern und Festlichkeiten waren Sie nicht nur persönlich anwesend, sondern immer auch gern gesehener Gast.“ Und weiter: „Was konnte uns Fachbereichsleitern besseres widerfahren, als einen Chef zu haben, der einem die Freiheit und die Freiräume lässt, mehr zu gestalten als zu verwalten, der einem das notwendige Vertrauen und die Wertschätzung entgegenbrachte, seinen Fachbereich eigenständig weiter zu entwickeln und zu repräsentieren.“ Weinschenk habe „für die Stadt und seine Betriebe Großes geleistet“, resümierte Blank und überreichte einen Gutschein für ein Stand-Up-Paddle-Board.

Sichtlich gerührt angesichts der wertschätzenden Worte und netten Gesten ergriff Roland Weinschenk das Wort. „Man kann sich sicher vorstellen, dass ich mir das Ende meiner 44-jährigen beruflichen Laufbahn, davon fast 30 Jahre als Bürgermeister und hier wiederum 16 Jahre für Bad Waldsee, anders vorgestellt habe“, sagte er. „Das Nichtantreten des im Oktober gewählten Ersten Beigeordneten trete, wenn man die Herausforderungen der Corona-Krisensituation sehe, in den Hintergrund.

In der bisher vermutlich größten Krise der Nachkriegsgeschichte würden alle auf eine ganz besondere Bewährungsprobe gestellt. Es gelte trotz aller Einschränkungen, „dass wir mit Besonnenheit und nicht hysterisch mit der Situation umgehen“.

Anschließend ging Roland Weinschenk auf seine Arbeit der vergangenen 16 Jahre ein. Er sei persönlich davon überzeugt, dass das Gemeinwesen der Stadt weiterentwickelt werden konnte, und, wie er denke, für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt sei. Sein Wunsch sei: „Blicken Sie bei den großen und wichtigen Entscheidungen der Zukunft, wie ‚Altstadt für alle‘, insbesondere den Parkplätzen in der Wurzacher Straße, über den Tag hinaus.“ Nicht alles, was heute noch wichtig und richtig erscheine, müsse auch morgen noch richtig sein.

An dieser Stelle wolle er sich bei den Gemeinderäten für die breite Unterstützung bei den Entscheidungen, auch bei den Vorgängergremien, bedanken. Die teilweise sehr hohe „Schlagzahl“, ohne die Vieles nicht hätte bewältigt werden können, sei eine große Herausforderung an alle innerhalb der Stadtverwaltung und der Städtischen Rehakliniken gewesen.

Deshalb sei es ihm ein großes Anliegen, sich beim Führungsteam, den Personalräten sowie bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt sowie der Rehakliniken zu bedanken. „Ohne ein hochengagiertes und motiviertes gesamtes Team wäre alles nicht möglich gewesen. Vielen Dank für die Unterstützung“, sagte er. Zudem sei es ihm ein Anliegen, seiner Familie, insbesondere seiner Frau, zu danken, die fast 30 Jahre lang seine berufliche Beanspruchung akzeptiert habe. Mit den Worten „Bleiben sie alle gesund“ beendete Weinschenk seine Ansprache.

Roland Weinschenk wird seinen Urlaub angesichts der aktuellen Lage nicht antreten und bis zum Dienstantritt seines Nachfolgers vor Ort die Geschäfte weiterführen. Von den Gemeinderäten gab es dafür Beifall.