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„Unsere Arbeit kennt keine Feiertage“

Christine und Hermann Rasch (links) werden immer wieder von ihren Kindern Rebecca (Foto: Viola Krauss)

Für manche Menschen kommt es einer Bestrafung gleich, an Weihnachten arbeiten zu müssen. Für Andere ist es ganz normal. So auch für Milchbauer Hermann Rasch und seine Familie aus Gestratz/Kreis Lindau.  „Unsere Arbeit kennt keine Feiertage, aber das ist normal für uns“, sagt Hermann Rasch und seine Frau Christine ergänzt: „Wir sind beide in der Landwirtschaft aufgewachsen und kennen es gar nicht anders.“

Da hier unter einem Dach gearbeitet und gelebt wird, können Eltern und Kinder dennoch Weihnachten schön zusammen feiern. Es ist eben alles eine Frage der Organisation.  Und die ist bei Familie Rasch schon seit einigen Jahren bestens eingespielt. Vormittags holt Vater Hermann den Christbaum rein, der mit den Kindern Corinna (13), Rebecca (11) und Dominik (8) geschmückt wird.  Das Abendessen wird einfach gehalten und bereits mittags von Mutter Christine zusammen mit den beiden Mädchen vorbereitet.

„Meist gibt es belegte Seelen, Toast Hawai oder selbstgemachte Pizza und immer einen Salat dazu“, zählt Corinna auf. Statt einem aufwendigen Essen, das viele Stunden Vorbereitung benötigt, verbringt die Familie viel lieber gemeinsam Zeit miteinander.„Am frühen Nachmittag machen wir gemeinsam einen kleinen, meist recht spontanen, Ausflug. Die Kinder sind da ja schon ganz kribbelig. Danach geht‘s dann besser“, schmunzelt Mutter Christine. 

Bevor ihr Mann und sie selbst in den Stall gehen, werden die Türen zum Wohnzimmer geschlossen, das Licht ausgemacht und das Fenster einen Spalt geöffnet. „Damit das Christkind reinkommen kann“, erklärt der achtjährige Dominik mit ernster Miene. Während die Eltern die Tiere füttern und die 50 Milchkühe melken, gehen die Kinder in die Wohnung der mittlerweile verstorbenen Großeltern ins Erdgeschoss. Dort spielen sie zusammen mit Hermann Raschs Schwester, die Heiligabend im elterlichen Hof mit der Familie verbringt.

Die beiden Mädchen decken zwischendrin den Tisch schön ein. Vor der Bescherung huscht Mutter Christine noch schnell ins Wohnzimmer, schließt das Fenster und zündet eine Kerze an. Gemeinsam werden zwei oder drei Weihnachtslieder gesungen und das Geschenke auspacken beginnt.

Je nachdem, was die Kinder geschenkt bekommen haben, teilen wir den Kirchgang auf“, erklärt Hermann Rasch. Das heißt, ein Teil der Familie geht nach der Bescherung abends in die Kirche und der andere Teil geht am 1. Weihnachtsfeiertag morgens in den Gottesdienst. An den Weihnachtsfeiertagen ist die Familie gemeinsam zu Besuch bei der Verwandschaft und geht zum Mittagessen aus.„Manch einem mag die Arbeit lästig scheinen, doch mir ist die Bewegung bei der Arbeit nach dem guten Essen und vielem Beisammensitzen eine willkommene Abwechselung“, schmunzelt Hermann Rasch.

Viola Krauss