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Lindauer Nobelpreisträgertagungen 2020 ins nächste Jahr verschoben

Lindauer Nobelpreisträgertagungen 2020 ins nächste Jahr verschoben
Auch das Kuratorium für die Nobelpreisträgertagungen tagte zuletzt per Video-Konferenz. (Bild: Kuratorium Nobelpreisträgertagung)
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Lindau – Die 70. Lindauer Nobelpreisträgertagung sowie die 7. Lindauer Tagung der Wirtschaftswissenschaften – beide für diesen Sommer geplant – werden verschoben: Die 70. Lindauer Nobelpreisträgertagung (Interdisziplinär) soll nun vom 27. Juni bis 2. Juli 2021 stattfinden, der Termin für die 7. Lindauer Tagung der Wirtschaftswissenschaften wird noch festgelegt. Dies haben die Gremien von Kuratorium und Stiftung für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau beschlossen.

„Bis zuletzt hatten wir die Hoffnung, an unserer Planung festhalten zu können, aber die Folgen der Ausbreitung des Coronavirus betreffen gerade die Teilnehmer unserer Tagungen besonders, die Nobelpreis-träger und Nachwuchswissenschaftler aus der ganzen Welt,“ erklärt Bettina Gräfin Bernadotte, die Präsidentin des Kuratoriums. „Besonders schwer fiel uns diese Entscheidung mit Blick auf die jungen Forscher, die in den letzten Wochen ihre Begeisterung und Vorfreude über Social Media geteilt haben. Wir konnten ihnen aber zusagen, dass ihre Einladungen auch für 2021 Bestand haben. Auch für die Nobelpreisträger ist die Unterbrechung der ‚Lindauer Tradition‘ eine große Enttäuschung – für uns ein historischer Einschnitt.“ Die Gesundheit der Lindauer Bevölkerung, die normalerweise die Tagungsteilnehmer aus über 100 Ländern empfangen hätte, spielte für die Entscheidung ebenfalls eine wichtige Rolle.

Dankbar sind Kuratorium und Stiftung für den Zuspruch und die Unterstützung, die die Tagungen seit der intern getroffenen Entscheidung von Seiten vieler Stakeholder und nicht zuletzt von Kooperationspartnern und Förderern erfahren haben. „Unsere aktuelle Planung sieht vor, die Mittel für die diesjährig geplanten Tagungen im Wesentlichen 2021 einzusetzen. Gleichzeitig nehmen wir die Herausforderung an und wollen im Sommer in Form von umfang¬reichen, interaktiven Online-Aktivitäten dem Motto der Lindauer Tagungen gerecht werden: Educate. Inspire. Connect. – Diesmal freilich auf andere Weise als sonst“, sagt Prof. Dr. Jürgen Kluge, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertagungen.

Geplant ist, in der Tagungswoche die Themen der Interdisziplinären Tagung sowie der Tagung der Wirtschaftswissenschaften zu kombi¬nieren und dezentral von allen Kontinenten aus via Internet zu diskutieren. Denkbar sind Formate, bei denen auch Nachwuchswissen¬schaftler ihre aktuelle Forschung vorstellen und dazu Anregungen von Nobelpreisträgern oder Alumni früherer Tagungen bekommen – analog zu den beliebten Master Classes und Poster Sessions und Seminars in der Inselhalle. Die Diskussion und Verabschiedung der „Lindau Guidelines“ steht ebenso auf der Agenda: Digital bietet sich die Möglichkeit, dass möglichst viele Wissenschaftler diese Regeln für eine globale, nachhaltige und offene Wissenschaft im 21. Jahrhundert unterzeichnen und sich so zu eigen machen.

„Darin steckt – bei aller Wehmut – auch die Chance, für künftige Tagungen das eine oder andere Neue auszuprobieren. Ebenso wollen wir, wie bislang ja auch, ausgewählte Programmpunkte der Öffentlich¬keit zugänglich machen. In diesem Fall können wir diese nicht nur Lindauern und der Region anbieten, sondern Interessenten weltweit“, so Bettina Gräfin Bernadotte.

Da sich derzeit viele Hoffnungen auf Wissenschaft und Forschung richten, weisen die Tagungen auf ihr Angebot in der Lindauer Mediathek hin: Hier kann jedermann für sich erkunden, mit wie viel Aufwand, Akribie und Leidenschaft Wissenschaftler arbeiten. Es finden sich Audioaufzeichnungen und Video-Präsentationen aller Tagungen (außer 1951) ebenso wie virtuelle Laborbesuche bei Nobelpreisträgern, zahlreiche Fotos und Mini-Lectures, die für den Einsatz im Schulunterricht gedacht sind: mediatheque.lindau-nobel.org