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Leben mit der Corona-Krise

Leben mit der Corona-Krise
Menschenleere Hafenpromenade in Lindau, (Bild: Ulrich Stock)

Alles ist anders. Seit vergangenen Samstag gelten Ausgangsbeschränkungen im Landkreis Lindau. Das öffentliche Leben ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Auswirkungen spüren nicht nur die Bürger, sondern auch nahezu alle Bereiche der Wirtschaft samt Handel und Dienstleistungen.


Lindau – „Oberste Priorität hat die Überwachung der Ausgangsbeschränkungen, die seit vergangenem Samstag in ganz Bayern gilt“, sagt der Leiter der Lindauer Polizei-Inspektion, Thomas Steur. Dabei werde man auch von Kräften der Bereitschaftspolizei unterstützt. Bislang seien nur ganz wenige Verstöße festgestellt worden. Steur berichtet von zwei Vorfällen, die zur Anzeige gebracht wurden. Zum einen seien zwei Personen aufgefallen, die abends gemeinsam zu einer Tankstelle gegangen waren, um dort Bier zu holen. Im zweiten Fall seien bei einer Verkehrskontrolle zwei junge Männer angehalten worden, die Ähnliches vorhatten.

In beiden Fällen handle es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die angezeigt werde, so Steur. Da es für diese speziellen Fälle noch keinen Bußgeldkatalog gebe, sei die Höhe der Geldstrafe noch offen. Anders wäre es, wenn irgendwo sogenannte Corona-Partys gefeiert würden. Dies würde in jedem Fall härter bestraft, da es sich hierbei um eine Straftat handeln würde. Insgesamt sei jedoch festzustellen, dass sich die Bevölkerung fast ausnahmslos an die Regeln halte, sagte der Polizeichef.

Seniorenheime abgeschottet
Nicht leicht hingegen haben es die Pflegekräfte und Bewohner der Lindauer Seniorenheime, zumal es dort auch noch ein absolutes Besuchsverbot gebe. Klaus Höhne, zuständig für das städtische Heim in Reutin und das Hospital auf der Insel, berichtet, dass Schnelltests für MitarbeiterInnen und neu aufzunehmende Gäste „in Arbeit“ seien. Außerdem sei man „auf der Suche nach Alternativmöglichkeiten, falls Desinfektionsmittel und Schutzmasken ausgehen“ würden. Trotz der angespannten Lage gebe es aber auch Positives zu berichten: Zum einen habe die Spielbank „unbürokratisch nahe Parkplätze für die Hospital-Beschäftigten zur Verfügung gestellt“. Zum anderen hätten Marlen und Uwe Wiehrer (Schiffsbetrieb Wiehrer) 100 Präsentkörbe „als Dankeschön und Wertschätzung für die Mitarbeiter“ im Hospital abgeliefert.

Schwierig, aber nicht hoffnungslos ist die Lage auch im „Lindaupark“, wo mit dem neuen Erlass wie überall in der Stadt fast alle Geschäfte und Restaurants des Einkaufszentrums schließen mussten. Von den insgesamt 44 Mietern hätten nur noch vier geöffnet, darunter der Feneberg-Supermarkt und Teile der Müller-Drogerie, berichtet Center-Manager Michael Schneckenburger im Gespräch mit dem WOCHENBLATT. „Fairness“ sei das Gebot der Stunde, und deshalb sei man im engen Austausch mit den Mietern, um gemeinsam Lösungen zu finden – beispielweise in Form von Stundung oder Aussetzung der Miete. Einen Zeitraum bis zum 19. April ohne größeren Schaden zu überstehen, sei wahrscheinlich möglich. Sollten die Schließungen allerdings länger andauern, wären vor allem die kleineren Geschäfte im Haus gefährdet, meint Schneckenburger.

Schulen erfinderisch
Unterdessen haben sich die Schulen, die bereits seit zwei Wochen geschlossen sind, schon ein wenig an den Corona-Alltag gewöhnt. Zwar wirke die Grundschule Lindau-Aeschach wegen der Leere in den Fluren und Klassenzimmern zurzeit „wie eine Geisterschule“ auf sie, berichtet Rektorin Gisela Schnell. Dennoch sei das Sekretariat täglich besetzt, während die Lehrkräfte zu Hause Lernpläne erstellen und diese per Post oder E-Mail an ihre Schüler verschicken würden. Zudem stehe die Schulfamilie miteinander auch über WhatsApp in Kontakt und kommuniziere wichtige Änderungen wie beispielsweise die neuen Regelungen für den Übertritt. Die Familien leisteten mit der Organisation der häuslichen Beschulung „Unvorstellbares“, meint die Schulleiterin, aktuell befinde sich kein Kind in der Notbetreuung. Schnell hofft, dass der Schulbetrieb nach Ostern wieder aufgenommen werden kann.

Einfallsreich und vor allem technisch gut aufgestellt zeigt sich auch die Freie Schule Lindau. Margit Pröls, die gleich zwei ihrer Kinder dort unterrichten lässt, bezeichnet das, was die Schule in dieser Zeit leistet, regelrecht als „Erlebnis“. Vom ersten Tag an hätten die Kinder über den Zoom-Videodienst Unterricht erhalten. In einer Online-Konferenz würden sie sich täglich mit ihren Mitschülern und Lehrern austauschen. Pröls: „Mein Sohn steht kurz vor der Abschlussprüfung für die Mittlere Reife und bekommt trotz Home-Schooling eine perfekte Prüfungsvorbereitung. Meine Jüngste sitzt täglich im Online-Klassenzimmer und macht anschließend selbstständig Hausaufgaben. Hammer!“