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„Es ist wichtig, den See gut zu kennen“

„Es ist wichtig, den See gut zu kennen“
Dr. Alexander Brinker (FOTO: PRIVAT)

Mit dem durchführenden Wissenschaftler der Fischereistudie, Dr. Alexander Brinker von der Fischereiforschungsstelle Langenargen, sprach das WOCHENBLATT am Rande der Präsentation der Studie.

Aus welcher Intention wurde die Untersuchung gestartet?

Alexander Brinker: Anlass und Intention dieser Befi schung sind zwei Punkte: Zum einen ist es sehr wichtig, die Fischpopulation zu kennen und ihre Veränderungen über die Zeit zu verfolgen. Dies ist wichtig, also in Zeiten in denen der See sehr starken Stressoren wie Klimawandel, invasiven Arten (Stichling, Quaggamuschel, etc.), menschlicher Nutzung etc. ausgesetzt ist. In 2014 wurde bereits eine ähnliche Befischung in Zusammenarbeit mit der EAWAG/Schweiz durchgeführt. So kann man die Daten nun gut zwischen den Jahren vergleichen und wichtige Entwicklungen aufzeigen. Das Problem dabei ist aber der sehr hohe Aufwand, den eine standardisierte Befischung eines so großen und tiefen Sees mit sich zieht, wodurch wir zum zweiten Punkt kommen: Durch verschiedene Methodenansätze, die bei der diesjährigen Aktion angewandt wurden, möchten wir herausfi nden, ob und wie wir den personellen, zeitlichen und finanziellen Aufwand für eine solche Aktion in Zukunft reduzieren können, ohne wertvolle Information zu verlieren. 

Wie bewerten Sie das Ergebnis?

Da die Daten erst digitalisiert werden, ist es noch zu früh, um Ergebnisse zu bewerten. Nur so viel kann man schon sagen: Es konnten in der Befi schung 29 Fischarten nachgewiesen werde – ein breites Spektrum. Neben häufi gen Arten, wie dem Barsch, konnten seltenere Fänge, wie Bitterling oder Karausche, verzeichnet werden. Eine Besonderheit war ein diesjähriger Albino-Wels, den wir im Untersee bei der Elektrofi scherei am Ufer fangen konnten.

Welche Folgen und neue Ausrichtungen ergeben sich daraus?

Mögliche konkrete Maßnahmen können erst entwickelt werden, wenn wir die Daten digitalisiert und statistisch ausgewertet haben. Dies wird in 2020 abgeschlossen sein. Die Ergebnisse können beispielsweise in das fi schereiliche Management des Sees einfl ießen oder Schutzprogramme initiieren. Wenn sich durch unsere Daten herausstellt, dass der Aufwand dieser standardisierten Fischbestandserhebung für so große Seen auf ein praktikables Maß reduziert werden kann, wird in Zukunft ein regelmäßiges Monitoring möglich sein.

Sven Krause