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Sprechstunde zu Fuß

Sprechstunde zu Fuß
Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand kommt gerne mit Bürgern auf dem Fußweg vom Parkhaus ins Rathaus ins Gespräch (FOTO: STADT FN)

Bürgermeister haben unter anderem durch ihre Funktion als Leiter einer Stadtverwaltung sowie als Vorsitzender des Gemeinderats eine Vorbildfunktion. Das WOCHENBLATT wollte von drei Stadtoberhäuptern wissen, wie sie in ihr Büro im Rathaus kommen. Oder besser: welches Verkehrsmittel sie dazu und für andere Dienstwege nutzen.

REGION – „Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich auf dem Fußweg vom Parkhaus zum Rathaus nicht ins Gespräch komme mit den Menschen, die mir begegnen. Man kennt sich, man spricht miteinander – und wenn es nur ein kurzer Gruß ist. Ich mag das“, sagt Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand.

Da er knapp sechs Kilometer vom Rathaus entfernt wohnt und zudem – meist in kurzer Taktung – täglich Termine in und um Friedrichshafen hat, nutzt er aus Flexibilitätsgründen sein Auto. Bei Terminen in der Innenstadt gehe er aber selbstverständlich zu Fuß. Nichtsdestotrotz liegt Brand das Thema Nachhaltigkeit am Herzen:

„Mein Leasing-Fahrzeug ist derzeit ein moderner, effi zienten 5er BMW-Diesel. Ab Frühjahr 2020 steige ich aber auf ein Hybrid-Fahrzeug um, natürlich mit ZF-Getriebe. Dann fahre ich dank Hybrid-Technik bei einer Reichweite von 70 bis 80 Kilometern emissionsfrei in der Stadt und im näheren Umland.“

Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler wohnt nur etwa zwei Kilometer vom historischen Rathaus entfernt, weshalb er nach Möglichkeit das Dienstrad für Termine nutzt und auch mal zu Fuß zur Arbeit kommt. „Wichtig ist für den Beruf des Oberbürgermeisters eine maximale Flexibilität, auch in Bezug auf die Mobilität“, betont Zeitler. Fährt er mit dem Fahrrad zur Arbeit, trägt er bereits auf dem Sattel Anzug und Anzugsschuhe. Üblich ist es ebenso, dass er auf dem Weg zu Terminen, auf Vereinsfesten, bei Jubilaren oder den zahlreichen Veranstaltungen mit Bürgern ins Gespräch kommt.

Erst kürzlich habe ein Pressetermin mit dem ADFC stattgefunden, zu dem er selbstverständlich mit dem Rad erschienen ist. Nichtsdestotrotz ist Jan Zeitler fast täglich auf seinen Dienstwagen angewiesen, der derzeit noch einen Verbrennungsmotor hat. „Hier sind jedoch Änderungen in Planung“, verrät Zeitler. In Tettnang fährt Bürgermeister Bruno Walter bei jedem Wetter mit dem Auto ins Rathaus, da er knapp 20 Kilometer einfachen Arbeitsweg zurückzulegen hat. „Die Arbeitszeiten sind sehr unterschiedlich – oft bis in die späten Abendstunden – und nicht fix.

Zudem gibt es im Rathaus durch den Denkmalschutz und fehlende Raumkapazität keine Umkleide- und Duschmöglichkeit, die für mich zwingend notwendig wäre“, erklärt Walter. Sein Dienstwagen mit HybridAntrieb, den er mehrmals pro Woche nutzt, wurde erst 2019 neu angeschafft.

Innerhalb der Stadt gehe er aber sehr gerne zu Fuß und wird oft – beispielsweise auf dem Städtlesmarkt – angesprochen nach dem Motto „Ach Herr Walter, wenn ich Sie gerade sehe…“. „Da dauert der Einkauf dann auch mal zwei Stunden, aber das ist okay“, sagt Bruno Walter mit einem Lächeln auf den Lippen.

David Balzer