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Rolls-Royce Power Systems steigert Umsatz und Gewinn

Rolls-Royce Power Systems steigert Umsatz und Gewinn
Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender von Rolls Royce Power Systems, neben dem neu entwickelten „MTU Hybrid PowerPack“. (Bild: David Balzer)
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Friedrichshafen – Der Geschäftsbereich Power Systems von Rolls-Royce ist im Jahr 2019 trotz schwieriger Marktbedingungen erneut gegen den generellen Trend gewachsen und hat vor diesem Hintergrund ein starkes Jahresergebnis erreicht. Der bereinigte Umsatz stieg um 4 Prozent auf 3,55 Mrd. £ (4,04 Mrd. €, alle €-Beträge auf Basis konstanter Wechselkurse) und überstieg damit umgerechnet erstmals die Vier-Milliarden-Euro-Schwelle. Der bereinigte Betriebsgewinn wuchs um 15 Prozent auf 357 Mio. £ (407 Mio. €), was einer bereinigten Umsatzrendite von 10,1 Prozent (2018: 9,2 Prozent) entspricht. Mit 23 Prozent Anteil am Gesamtumsatz des britischen Technologiekonzerns Rolls-Royce bleibt Power Systems der zweitgrößte Geschäftsbereich.

„Wir haben vor allem die Position unserer Produkte und Lösungen der Marke MTU in einem zurückgehenden Markt erneut ausgebaut. Das ist eine solide Basis, um immer stärker als Anbieter integrierter klimaschonender und umweltfreundlicher Antriebs- und Energielösungen aufzutreten. Mit ihnen treiben wir die Energiewende voran und setzen unsere Strategie PS 2030 konsequent um“, sagt Andreas Schell, CEO von Rolls-Royce Power Systems.

Energieumsatz erstmals Nummer 1 – Marineumsatz steigt leicht

Vor allem der global wachsende Energiebedarf zeigt, welchen Stellenwert die umwelt- und klimaschonende Energiebereitstellung hat. Das Geschäft mit Lösungen zur Energiegewinnung wurde mit einem Anteil von 35 Prozent (2018: 30 Prozent) am bereinigten Umsatz im Jahr 2019 erstmals zum umsatzstärksten Segment. Der Umsatz mit Marinelösungen stieg nur leicht, weshalb sich ihr prozentualer Anteil am Umsatz auf 28 Prozent (2018: 29 Prozent) verringerte. Bei den Industrieantrieben für Landmaschinen und Baufahrzeuge sowie für die Eisenbahn sank der Umsatzanteil von 31 auf 25 Prozent. Kunden verwendeten im Jahr 2019 Motoren aus ihren Lagerbeständen, die sie bis Jahresende 2018 vor Inkrafttreten neuer Abgasregeln aufgebaut hatten. Verteidigungstechnik und andere Produkte kommen auf 12 Prozent. Bei den Neuprodukten sind von den Kunden zunehmend Gesamtsysteme gefragt. „Das zeigt, dass wir mit der Strategie, uns vom Motorenlieferanten zum Lösungsanbieter zu entwickeln, genau richtig liegen“, so Schell weiter.

Die Umsatzerlöse für Serviceleistungen und -produkte stiegen über alle Segmente hinweg um 4 Prozent und tragen zu etwa 33 Prozent zum Umsatz des Geschäftsbereichs bei.

„Alle Finanzkennzahlen zeigen einen solide aufgestellten Geschäftsbereich, der im dritten Jahr in Folge profitables Wachstum erwirtschaftet hat. Der bereinigte Umsatz von erstmals über 4 Milliarden Euro und das erfolgreiche Abschneiden im Vergleich zu den Wettbewerbern haben 2019 zu einem starken Jahr gemacht“, analysiert CFO Louise Öfverström.

Der Auftragsbestand lag Ende 2019 mit 2,93 Mrd.£ (3,44 Mrd. €) nur 5,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dazu trugen auch große Aufträge aus Fernost bei, wo der Geschäftsbereich Power Systems neue Märkte erschließt.

Für das Jahr 2020 erwartet der Geschäftsbereich Power Systems eher moderates Wachstum. Im ersten Halbjahr 2020 setzt sich die gesamtwirtschaftliche Schwäche des zweiten Halbjahres 2019 fort und könnte sich weiter verschärfen. Grund dafür sind die wirtschaftlichen Konsequenzen aus der Verbreitung der Covid-19-Krankheit. In der zweiten Hälfte des Jahres 2020 scheint eine wirtschaftliche Erholung möglich. „Das Geschäftsjahr 2020 erfolgreich zu bestreiten wird zu einer großen Herausforderung“, fasst Öfverström zusammen.

Der derzeit geringeren Nachfrage begegnet das Unternehmen mit einer Reihe von Maßnahmen: verstärkter Einsatz von Instrumenten zur Flexibilisierung von Arbeitszeit, stringente Kostenkontrolle und effizienter Steuerung des Umlaufvermögens.

Zukunftsprogramm FIT2X begonnen – SuB bis 2023 abgeschlossen

Längerfristig angelegt ist das Zukunftsprogramm „FIT2X“, mit dem sich der Geschäftsbereich Power Systems auf die Aufgaben der weiteren Transformation zum Anbieter integrierter Lösungen vorbereitet. „Wir befinden uns im Spannungsfeld zwischen sich verschärfenden Marktbedingungen und dem Umbruch zu neuen Lösungen“, sagt Louise Öfverström, die das Programm verantwortet. Das Programm soll sowohl profitables Wachstum als auch effizientere Prozesse ermöglichen, beispielsweise durch Digitalisierung. Die im Jahr 2019 abgeschlossene Standort- und Beschäftigungssicherung (SuB) für die Werke in Friedrichshafen bietet dafür den flexiblen Rahmen.

Gleichzeitig hat FIT2X auch die Aufgabe, innerhalb des Geschäftsbereichs den Wandel zu einer agilen und eigenverantwortlichen Arbeitskultur herbeizuführen.

Strategische Überprüfung von Bergen Engines

Die Weiterentwicklung des Geschäftsbereichs beinhaltet auch, Produktprogramm und Strategie ständig aufeinander abzustimmen. Die Tochtergesellschaft Bergen Engines, Hersteller von mittelschnelllaufenden Gas- und Dieselmotoren für die Schifffahrt und die Energiegewinnung, wird deshalb einer strategischen Überprüfung unterzogen. „Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass sich Bergen Engines mit seinem attraktiven Produktportfolio in einem anderen Umfeld besser entwickeln wird als im Geschäftsbereich Power Systems von Rolls-Royce“, begründet Andreas Schell diese Entscheidung.

Ab dem Geschäftsjahr 2020 zählen die Ergebnisse von Bergen Engines nicht mehr zum Geschäftsbereich Power Systems.

Lösungen für die Energiewende und gegen den Klimawandel

Vor einer stärkeren Ausrichtung in Richtung Umweltschutz und Klimaneutralität steht auch das Portfolio der Produkt- und Lösungsmarke MTU. „Die Herausforderungen der Energiewende und des Klimawandels packen wir technologieoffen und ohne Dogma an“, sagt Schell. „Denn wir entwickeln eine Vielzahl von Technologien, um die Umwelt zu schützen und die weitere Erderwärmung zu bremsen. Diese Technologien werden wir in unseren integrierten Lösungen auch in Kombination einsetzen, um Antriebsleistung und Energie möglichst klimaneutral und umweltschonend bereitzustellen. Daran arbeiten wir mit Nachdruck.“ Schell betont: „2020 wird das erste Jahr sein, in dem wir nicht ausschließlich Produkte ausliefern, die Verbrennungskraftstoff benötigen.“ Im Sommer steht die Auslieferung des ersten Batteriecontainers für einen Solarpark in Brandenburg an.

Microgrid-Kompetenzzentrum in Berlin

Die kürzlich erworbene Mehrheitstochter Qinous in Berlin wird zum Kompetenzzentrum für das Geschäftsfeld Microgrids ausgebaut, in dem sämtliche Funktionen rund um die autarken, umweltfreundlichen Netze gebündelt werden – mit Mitarbeitern aus den Standorten Berlin, Friedrichshafen, Augsburg und Ruhstorf. Derzeit laufen Verhandlungen mit mehreren potenziellen Kunden für Microgrids, die erneuerbare Energiequellen, klassische dezentrale Stromerzeugung und Batteriespeicher mit einer intelligenten Steuerung verbinden.

Umweltschonende Hybrid- und Gasantriebe gehen in Betrieb

Als umwelt- und klimaschonende Serienprodukte sind beispielsweise Hybridantriebe und Gasmotoren erhältlich. Das MTU Hybrid-PowerPack für Triebwagen speichert Energie, die normalerweise beim Bremsen an die Umwelt abgegeben wird, in Batterien und verwendet sie wieder für den Antrieb. Das spart bis zu 25 Prozent Kraftstoff und ermöglicht lokal emissionsfreies und leises Fahren. Das erste Serienmodell wird im Mai an einen Kunden im Vereinigten Königreich ausgeliefert.

Die erste Personenfähre mit MTU-Gasmotoren geht im Mai im holländischen Wattenmeer in Betrieb. Die erste Binnenfähre mit MTU-Gasmotor entsteht derzeit am Bodensee für die Stadtwerke Konstanz. Mobile Gasmotoren stoßen keine Partikel und 80 Prozent weniger Stickoxide aus als Dieselmotoren.

Wasserstoff: Forschung für Power-to-X

Eine zentrale Rolle in den Zukunftsszenarien des Unternehmens spielt die Wasserstofftechnologie. „Wir sind überzeugt, dass Wasserstoff ein Schlüssel zur Energiewende ist“, sagt Schell. Dazu müsse er aber klima- und ressourcenschonend mit Energie aus erneuerbaren Quellen hergestellt sein. Deshalb befasst sich das Unternehmen in mehreren Projekten mit Partnern mit der klimaneutralen Herstellung von Wasserstoff. Dieser ist die Basis, um damit Energie zu gewinnen oder synthetische gasförmige oder flüssige Kraftstoffe daraus herzustellen, auch Power-to-X genannt. „Mit solchen Kraftstoffen können wir Verbrennungsmotoren so gut wie klimaneutral und rohstoffsparend betreiben“, so Schell.

Auch der direkte Einsatz von Wasserstoff als Kraftstoff ist ein Thema für Forschung und Entwicklung für Rolls-Royce. Deshalb entwickelt der Geschäftsbereich Power Systems Einsatzmöglichkeiten von wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen. Bis Ende des Jahres 2020 entsteht im Friedrichshafener Werk ein Demonstrator mit mehreren Brennstoffzellen aus einer Kooperation mit Daimler.