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Rettung in letzter Minute

Rettung in letzter Minute
(Bild: Hohentwiel Schifffahrtsgesellschaft)
WOCHENBLATT

Vor 30 Jahren hatte die Hohentwiel ihre zweite Jungfernfahrt

Seit 107 Jahren ist der Schaufelraddampfer Hohentwiel jener Ort auf dem Bodensee, der Vergangenheit, Zukunft und drei Länder vereint. Ihr Herz, die Dampfmaschine, schlägt am rechten Fleck und bietet jedem Gast an Bord die Gewissheit, dass auch morgen noch Werte wie Respekt, Würde und Ehrlichkeit zählen werden. Dies auch deshalb, weil die Geschichte dieses Dampfschiffes vor 30 Jahren fast zu Ende gegangen wäre. Ohne einen beispiellosen, fast übermenschlichen Einsatz von begeisterten Männern – und deren verständnisvollen Frauen und Familien – wäre die Rettung damals völlig undenkbar gewesen. Drei Jahrzehnte danach feiern wir diese Auferstehung aus der Asche, den Phönix namens Dampfschiff Hohentwiel.

„Schandfleck” und „Schrotthaufen”: Die Superlative der negativen Art enden nicht. 1913 als prachtvolles Schiff für den württembergischen König vom Stapel gelaufen, hängt die Hohentwiel Mitte der 1980er Jahre als rostiges Wrack zwischen der ebenso verrosteten Autofähre Konstanz II und einem Kieskahn in der Fußacher Bucht. Nachdem der Bregenzer Segelclub den letzten Schaufelraddampfer nach seiner Ausmusterung am 31. Oktober 1962 durch die Bodensee – Schiffsbetriebe in letzter Minute vor dem Schneidbrenner gerettet und ihn als Clubheim eingesetzt hatte, ist im Sommer 1984 scheinbar sein Ende besiegelt: Der Restaurationsbetrieb muss aus Sicherheits- und Hygienegründen behördlich verordnet eingestellt werden. Das einstige Prunkstück der Königlich Württembergischen Dampferflotte wird von Bregenz nach Fußach geschleppt. Nach mehreren gescheiterten Rettungsversuchen passiert, was Pessimisten für völlig unmöglich und Realisten für sehr unwahrscheinlich gehalten haben: Das Schicksal der Hohentwiel wendet sich in letzter Sekunde. Die Regierungschefs der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) beschließen am 18. November 1983, die Hohentwiel zum Preis von 70.000 öS (das sind ca. 5.000 €) zu kaufen. Als Vollzug des IBK Beschlusses wird am 5. Oktober 1984 auf dem Gebhardsberg hoch über Bregenz der „Verein Internationales Bodensee-Schifffahrtsmuseum” gegründet. Zum Präsidenten wird der damalige Lindauer Landrat Klaus Henninger gewählt.

Projekt gegen alle Widerstände

Mit beinahe unglaublicher Energie und einem Durchhaltevermögen sondergleichen macht sich Klaus Henninger an seine neue Aufgabe. Mit Schiffsingenieur Reinhard E. Kloser, der bald Projektleiter wird, treibt er trotz teils erbitterter Widerstände die Restaurierung der Hohentwiel voran. Von einer „Herkulesaufgabe” spricht der in die Arbeiten involvierte Diplom-Ingenieur Johannes Leidenfrost, seinerzeit maschinen- und schiffsbautechnischer Sachverständiger beim Amt der Vorarlberger Landesregierung. Die zweite Jungfernfahrt wird für den 17. Mai 1990 festgelegt. „In gottseliger Blindheit haben wir uns in das Unternehmen Hohentwiel hineingestürzt, und dank Gottes Hilfe haben wir doch noch diesen langen, mühsamen Weg ordnungsgemäß zurückgelegt”, sagt Vereinspräsident Klaus Henninger.

Wer heute mit der Hohentwiel ausfährt, bewegt sich in einer anderen Zeit. Mit ihren eleganten Linien verkörpert die Hohentwiel wie kaum ein anderes historisches Schiff die große funktionale und ästhetische Qualität ihrer Zeit.

„Die Hohentwiel ist ein Symbol für die Schaffenskraft der Menschen in der Bodenseeregion. In Zeiten wie diesen ist sie auch ein Flaggschiff für den großen Zusammenhalt unter den Anrainerstaaten. Nur durch die Initiative aller drei Länder konnte die Hohentwiel vor 30 Jahren gerettet werden und erfreut bis heute jährlich tausende Besucher bei ihrer Fahrt über den Bodensee.“ so Adi Konstatzky, der Geschäftsführer und Kapitän der Hohentwiel.

Aufgrund der aktuellen Situation können die, für dieses Wochenende gepalanten Festlickeiten leider nicht stattfinden. Gleichzeitig freuen uns schon wieder ab dem 29. Mai wieder in See zu stechen. Mit an Bord eine schöne Auswahl an attraktiven Fahrten und unsere speziell geschulte Crew, die für die Umsetzung aller Hygiene- und Abstandsvorgaben Sorge trägt.