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Mehr Unfälle und Tote: Wasserschutzpolizei zieht Bilanz für das Jahr 2019

Mehr Unfälle und Tote: Wasserschutzpolizei zieht Bilanz für das Jahr 2019
(Bild: David Balzer)

Nicht nur der heiße Sommer bescherte der Wasserschutzpolizei am Bodensee im vergangenen Jahr jede Menge Arbeit. Die Behörden registrierten 2019 eine steigende Zahl an Schiffsunfällen sowie tödlichen Unfällen, insgesamt wurden 220 Personen aus Seenot gerettet. Vor allem der Leichtsinn vieler Schiffsführer zog dutzende Unfälle nach sich.

Friedrichshafen – Im Jahr 2019 registrierten die Wasserschutzpolizeistationen Friedrichshafen, Konstanz und Überlingen in ihrem Zuständigkeitsbereich insgesamt 129 Unfälle am und auf dem Bodensee. „Das stellt eine deutliche Steigerung der Unfallzahlen zum Vorjahr dar“, betont der neue Leiter der Wasserschutzpolizeidirektion, Leitender Polizeidirektor Ralf Gerber. Im Jahr 2018 waren es lediglich 100 Unfälle. Der niedrigste Stand der Gesamtunfallzahlen in der Zehn-Jahres-Statistik wurde 2010 mit 68 Unfällen verzeichnet. Das Jahr 2017 wies die höchste Unfallzahl der zurückliegenden zehn Jahre auf.

Auch die Zahl der Todesopfer ist gestiegen: Durch Unfälle verloren 2019 insgesamt elf (Vorjahr: acht) Personen ihr Leben. Neun Personen kamen bei Badeunfällen zu Tode, je eine Person verstarb im Rahmen eines Schiffs- und eines sonstigen Unfalles. Verletzt wurden 26 Personen bei Unfällen (Vorjahr 25): Acht Personen verletzten sich bei Schiffs-, elf bei Bade- und vier bei Tauchunfällen. Drei Personen kamen bei sogenannten sonstigen Unfällen zu Schaden. Dabei entstand ein Gesamtschaden von rund 427 000 Euro, im Vorjahr waren es noch 843 000 Euro.

Unfälle im Bade- und Tauchbereich
Im Laufe des vergangenen Jahres ereigneten sich 20 (Vorjahr 15) Badeunfälle. Dabei kamen neun Personen ums Leben (Vorjahr sieben), elf Menschen (Vorjahr acht) wurden verletzt.Die Unfälle verteilten sich auf die Bereiche Konstanz mit 14, Friedrichshafen mit vier und Überlingen mit zwei Unfällen. Auch der Tauchboom am Bodensee ist nach wie vor ungebrochen: Schätzungen der Tauchsportverbände über die Anzahl der Tauchgänge reichen bis weit über 60 000 pro Jahr. Im Jahr 2019 kam es zu vier Tauchunfällen (ebenso viele wie im Vorjahr) mit vier Verletzten. Bemerkenswert: 2019 wie auch 2018 waren keine tödlichen Tauchunfälle im Bodensee zu verzeichnen.
Die Anzahl der Schiffsunfälle – 90 – stieg gegenüber dem Vorjahr ebenfalls an. In Häfen und auf Steganlagen wurden 45 (Vorjahr: 31) Unfälle registriert. Auf dem offenen See waren 25 (Vorjahr 20 Unfällen), in den Uferzonen (300-Meter-Zone) 18 (Vorjahr: 25) Schiffsunfälle zu bearbeiten, in Fließgewässern lediglich zwei (Vorjahr: null).

Manche missachten Tipps
Bei den insgesamt 90 Schiffsunfällen war die Hauptunfallursache in 43 Fällen die sogenannte mangelnde Sorgfalt der Schiffsführer. Darunter versteht man u. a. menschliches Fehlverhalten, fehlende Erfahrung im Umgang mit dem Wasserfahrzeug, Selbstüberschätzung, mangelnde Wetterbeobachtung, Sorglosigkeit und Leichtsinn, die Ungeübtheit der Schiffsbesatzung oder auch die Missachtung der „Regeln guter Seemannschaft“. „Die Wasserschutzpolizei bietet in jedem Frühjahr Kurse und Tipps an. Manche Menschen interessieren unsere Ratschläge jedoch herzlich wenig, dabei würden sie helfen, Unfällen vorzubeugen“, sagt Ralf Gerber.
2019 wurden die Freizeitsportler bei Sportbootkontrollen auf dem See gezielt auf die Pflichten eines Schiffsführers und ihre wahrzunehmenden, seemännischen Sorgfaltspflichten angesprochen sowie entsprechende Flyer ausgehändigt.

Ratschläge der Wasserschutzpolizei für die Wassersportsaison 2020:
• Legen sie ihre Rettungsmittel bereit und ziehen sie diese rechtzeitig an.
• Achten sie auf Vollzähligkeit und Funktionsfähigkeit der Mindestausrüstung.
• Beobachten sie die Wetterlage und die Wetternachrichten.
• Achten sie auf die Funktion der Positionslichter.
• Nutzen sie bei Notfällen auf dem Bodensee den internationalen Notruf 112 und gegebenenfalls den Notrufkanal 16 auf UKW-Funk.
• Achten Sie auf Unfallverhütung an Bord. (Vermeidung von Stolperfallen, Einnahme sicherer Sitzplätze, Nutzung von Haltemöglichkeiten für guten Stand).
• Achten sie bei entsprechenden Pegelständen auf die Fahrwassertiefe.
• Informieren sie sich als Wassersportler über die geltenden Vorschriften.
• Prüfen sie die Zulassung Ihres Bootes sowie die Gas- und Elektroanlagen.