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Gefährliches Zögern

Gefährliches Zögern
v.l.n.r. Prof. Dr. Roman Huber und Prof. Dr. Jochen Wöhrle (Bilder: MCB)
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Patienten mit Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Symptomen gehören ins Krankenhaus

Friedrichshafen – Prof. Dr. Jochen Wöhrle und Prof. Dr. Roman Huber, Chefärzte des Klinikums Friedrichshafen der Kardiologie und Neurologie, sind sich einig: „Herzinfarkt und Schlaganfall sind auch in Zeiten der Corona-Pandemie akute Notfälle und da zählt wirklich jede Minute“.

Nicht nur im Klinikum Friedrichshafen beobachten Mediziner aktuell, dass Patienten mit gefährlichen Symptomen, wie eben beispielsweise Herzinfarkt oder Schlaganfall, nicht mehr umgehend in die Notaufnahmen kommen oder gebracht werden möchten. Vermutlich aus „falscher Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus“, versucht Prof. Wöhrle der augenscheinlich Verunsicherung auf den Grund zu gehen.

Für das Klinikum Friedrichshafen, das sich seit Ende Februar auf die Corona-Welle vorbereitet, stand von Anbeginn fest, dass eine Hauptaugenmerk auf eine sichere Trennung von Corona-positiven und -negativen Patienten zu legen ist und dass es darüber hinaus wichtig ist, mit klaren Sicherheitsvorkehrungen dafür zu sorgen, dass die Pandemie keinen Weg ins Krankenhaus findet. Schon vor dem Klinikum wird über verschiedene Eingänge klar der Infektiöse vom nicht-infektiösen Patienten getrennt, egal ob er zu Fuß oder mit dem Rettungswagen kommt. Und selbstverständlich setzt sich diese strikte Trennung auch im Klinikum fort – so wie beispielsweise durch die Einrichtung einer weiteren Intensivstation auf einer anderen Etage, in der ausschließlich Corona-negative Patienten versorgt werden.

Aber auch auf der „Stroke unit“, der regionalen Schlaganfallstation, wird sehr auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen von Patienten und Mitarbeitern geachtet. Schutzmasken und –kleidung, Handhygiene, Besucherregelungen… all dies dient der allgemeinen Sicherheit. Auch deshalb gilt das strenge Besuchsreglement (mit wenigen Ausnahmen), das von der überwiegenden Zahl der Patienten akzeptiert und gut geheißen wird.

„Gerade für Patienten mit leichten Symptomen eines Schlaganfalls“, so Prof. Huber, kann es zu einem großen Problem werden, wenn sie zu lange zu Hause bleiben. „Zögern kann sich als fataler Fehler erweisen, denn zuhause können sich die Symptome plötzlich verschlechtern oder neue Schlaganfälle auftreten, ohne dass es eine Eingriffsmöglichkeit gibt“, so der Chefarzt der Neurologie. Je länger die symptomatischen Patienten warten, umso größer die ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten in der Folge mit einem schweren Schlaganfall eingeliefert werden, es besteht also ein wesentlich höheres Risiko für schwerere Komplikationen.

Über Schlaganfall und Herzinfarkt hinaus gilt: ein echter Notfall ist ein Notfall und wird auch in Zeiten der Korona-Krise am Klinikum Friedrichshafen in separaten Bereichen professionell versorgt werden.