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Die Gastronomie legt los

Die Gastronomie legt los
(Bild: Thomas Schlichte)

Neue Richtlinien sorgen aber noch für Unmut

Friedrichshafen – Die Gastwirte in der Region haben lange warten müssen, viele haben um ihre Existenz gebangt oder mussten während der Corona-Pandemie auf eiserne Reserven des mühsam Ersparten zurückgreifen. Nun soll es ab Montag, 18. Mai, schrittweise wieder losgehen. Doch nicht alle Wirtsleute sind auf den „Restart“ positiv zu sprechen.

„Wir fangen wieder damit an, alles aufzubauen und zu reinigen“, erklärt Thomas Vogt, der an der Häfler Uferpromenade den „Lammgarten“ betreibt. „Aktuell sind wir damit beschäftigt, alle Voraussetzungen umzusetzen, sind aber guter Dinge, spätestens zum 20. Mai wieder zu eröffnen“, sagt Vogt und ergänzt: „Falls natürlich das Wetter passt.“ Sollte das der Fall sein, geht es bereits ab 19. Mai wieder los – allerdings mit 208, anstatt der üblichen 600 Plätze.

Etwas kritischer äußert sich FDP-Landtagsabgeordneter Klaus Hoher zu den gefassten Beschlüssen. „Es freut mich sehr, dass nach dem Stufenplan weitere Lockerungen in Baden-Württemberg möglich sind. Oft erschließen sich mir die Kriterien und deren Auslegungen jedoch nicht. Man stellt sich die Frage, warum Restaurants ab 18. Mai wieder öffnen dürfen, aber die Bodenseeschifffahrt erst an Pfingsten wieder starten kann“, sagt der Politiker, der selbst Gastwirt ist.

„Mir fehlen von Seiten der Ministerien die Unterstützung und Regelung zu den geplanten Öffnungen. Welche Auflagen genau hat ein Wirt neben der bekannten Abstandsregelung noch zu beachten? Ich als Gastronom und Landtagsabgeordneter kann diese Frage bis dato selbst nicht genau beantworten, da diese Regelungen schlicht weg nicht vorhanden sind.“

Alles andere als Freudentänze im Hinblick auf den geplanten Neustart übt auch Klaus Winter, Betreiber des „Strandhaus“ in Lindau aus: „Das größte Problem derzeit ist, dass es noch keine verbindlichen Richtlinien gibt. Wir hatten beispielsweise bereits Masken und Visiere bestellt – und haben das auf Anraten des Dehoga wieder storniert, weil abzuwarten bleibt, was tatsächlich gebraucht wird“, kritisiert Winter.

„Dieses weitere Abwarten auf konkrete Vorgaben ist zermürbend und ineffizient – am Ende muss man innerhalb von ein oder zwei Tagen etwas besorgen, was man gar nicht bekommt“, ärgert sich der Grillprofi. „Alles in allem ist klar, dass der Betrieb voraussichtlich nicht einmal kostendeckend sein wird, wenn man bedenkt, dass nur 50 Prozent der Gäste bei gleichzeitig erhöhtem Personalbedarf bewirtet werden können.“

Doch damit nicht genug, schließlich warnt Gastronom Winter vor weiteren Konsequenzen: „Man darf nicht vergessen, dass über allem das Damoklesschwert schwebt, falls es zu einem erneuten Shutdown kommen könnte – und alle frisch hergestellten Speisen schon wieder, wie beim letzten Mal, größtenteils entsorgt werden müssen.“

Dennoch wäre Winter der Wiederaufnahme eines regulären Betriebs, der in Bayern übrigens erst eine Woche später möglich ist, nicht gänzlich abgeneigt: „Natürlich ist ein Neustart sehr zu begrüßen – aber betriebswirtschaftlich darstellbar ist es sehr schwierig. Und nein: Das ist kein ‚Jammern auf hohem Niveau‘, sondern tatsächlich ein großes Problem unter mehreren.“

Konkret darf in Bayern ab 18. Mai die Außengastronomie unter strengen Regeln wieder bis 20 Uhr eröffnen. Eine Woche später, ab 25. Mai, dürfen Speiselokale bis 22 Uhr innen und außen geöffnet haben. In einem dritten Schritt dürfen dann ab 30. Mai wieder Hotels und andere Beherbergungsbetriebe öffnen, jedoch müssen Schwimmbäder, Saunen und Wellnessbereiche vorerst geschlossen bleiben.

„Ein großer Wermutstropfen ist es, dass manche Betriebstypen noch keinerlei Perspektive eröffnet bekommen haben und in Hotels Wellnessbereiche nicht im ersten Schritt geöffnet werden dürfen“, erklärt Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Bayern. „Aber wir sind im Dialog mit dem Gesundheitsministerium, Wirtschaftsministerium und dem Entbürokratisierungsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung. Wir sind zuversichtlich, dass wir dies gemeinschaftlich zu einem guten Ergebnis führen können.“