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Akkurate Biegetechnik für mehr Schutz

Akkurate Biegetechnik für mehr Schutz
Barbara Schubert und Sybille Dürr (hinten) testen einen der 70 Schutzschilde, die in der Kinderklinik endgefertigt wurden. (Bild: MCB)
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Home- und Teamwork sind angesagt, damit Mitarbeiter der Kinderklinik auch geschützt sind.

Friedrichshafen – „Im Elektronikgeschäft gibt es noch Isolierkabel…“ richtet sich Sybille Dürr, Erzieherin in der Kinderklinik des Mutter-Kind-Zentrums und kreativer Kopf, an Marie-Jose Falzone, Pflegedienstleitung des Mutter-Kind-Zentrums im Klinikum Friedrichshafen, als diese mit einem Unterarm voll mit selbstgebauten Visieren den Raum verlässt.

Es ist erst wenige Tage her, dass Marie-Jose Falzone laut feststellte „Wir brauchen mehr Schutzschilde für unsere Mitarbeiter“ und Dr. Steffen Kallsen, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche, resümierte, dass die Zahl der „Bügel“ dafür begrenzt ist. Den eigentlichen Schild, das war allen ganz klar, kann man genau wie viele andere Improvisationstalente in dieser Zeit aus Laminierfolien herstellen… Also hat Sybille Dürr so einen kompletten Schutzschild mit nach Hause genommen und gegrübelt und irgendwann zu ihrem Mann gesagt: „Werner, wir brauchen eine alternative Idee zu diesem Bügel“. Telefonisch erkundigten sich Dürrs dann in einem Elektrohandel in Bermatingen, ob es dort vielleicht ein Material gebe und nahmen dann verschiedene nicht nur in Augenschein, sondern testeten sie auch bezüglich der Stabilität. Schlussendlich landeten sie beim grün-gelben Isolierkabel, kauften 15 Meter am Stück und seither biegt Werner Dürr, nachdem er sich zuvor eine Art Schablone gebogen hatte, jeden einzelnen Bügel akkurat von Hand. Schließlich muss alles gerade sein, damit nichts rutsch. In der Kinderklinik wird dann aus den Bügeln und den zugeschnittenen und gelochten Folien der Schutzschild. 70 Stück haben Sabine Dürr und die Kinderkrankenschwester Barbara Schubert gemeinsam mit einer weiteren Kollegin inzwischen gefertigt – im unentgeltlichen Homeworking. Werner Dürr freut sich aber über jeden Kuchen, den ihm seine Frau als Dank backt.

Neben dem Arbeitstisch steht ein kleiner Tisch und auf diesem ein kleines Körbchen. Und darin finden sich kleine textile Mundschutze – die näht Sybille Dürr mit den kleinen Patienten der Kinderklinik für deren Kuscheltiere und die Trostbären. „Die Kleinen sind etwas verunsichert und so hat diese Handarbeit auch einen therapeutischen Effekt“, erklärt der kreative Kopf hinter dem grünen Mundschutz.