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Wenn das Kind die Krise nervt

Wenn das Kind die Krise nervt
Als Familienvater empfiehlt Markus Weitzmann (hier führt er den Grünen-Politiker Martin Grath durchs Zimmerer Ausbildungszentrum in Biberach) anderen Eltern, das Corona-Thema im Home-Unterricht konstruktiv anzugehen. (Bild: Uli Landthaler)

Biberach – Das kennt man derzeit: Die Schule hat geschlossen, die Familie sitzt daheim und diskutiert über den Alltag in Corona-Zeiten – und mitten drin die zehnjährige Tochter, die beginnt, sich ihre Gedanken über die Dinge zu machen. So war das auch bei unserem Leser Markus Weitzmann aus Biberach.

Blöde Hamsterkäufe
Weil er als Leiter des Zimmerer-Ausbildungszentrums ja auch mit dem Thema Unterricht zu tun hat, kam er auf eine Idee. „Im Fach Deutsch habe ich meiner Tochter Anna die Aufgabe erteilt, einen kurzen Aufsatz über die aktuelle Situation zu schreiben“. Dies soll den Deutschunterricht ein Stück weit ersetzen und ergänzen, gleichzeitig aber auch die Sorgen und Ängste der Kinder aufarbeiten, thematisieren und dadurch erkennbar machen. „In der Familie wird dann offen darüber gesprochen und diskutiert“.

Und das tat sie: „Das Thema Corona beschäftigt uns alle und nervt z.B. mich sehr“ schreibt Anna. „Ich persönlich finde es zu übertrieben, Hamstereinkäufe zu machen oder sich nicht mehr raus zu trauen. Die Schule, die Kindergärten und Spielplätze schließen. Ich habe letztens einen Mann gesehen, der einen Hamstereinkauf gemacht hat, vier XXL Gläser Nutella, Tausende Packungen von Nudeln und Klopapier. Die Regale, wo mal Zewa und Seifen drin waren, sind jetzt alle leer.“

Und zur Lage am vergangenen Wochenende schreibt die Zehnjährige: „Ich und meine Schwester müssen jeden Tag so um die zwei Stunden etwas für die Schule machen. Das Wetter wird schöner, also bin ich auch sehr viel draußen. Ich finde es toll, dass ich mit meiner Familie so viel machen kann, weil ja jetzt ,Ferien‘ sind. Aber ich habe auch Angst, dass wir irgendwann unter Quarantäne stehen und nicht mehr raus dürfen“.

Schreiben oder malen
Markus Weitzmann: „Vielleicht ziehen andere Kinder und Eltern nach und wir könnten einen Beitrag leisten um die Ängste gemeinsam zu artikulieren und zu bewältigen“. Und es sei ergänzt, das man das Thema daheim natürlich auch mit Bildern, Fotos und selbst verfassten Geschichten aufbereiten kann.