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Versagen beim Kampf um die Fleischtöpfe

Versagen beim Kampf um die Fleischtöpfe
Studentenproteste 2019: Die Kommilitonen solidarisieren sich mit den Lehrkräften und fordern mehr Geld für die Hochschulen. (Foto: Uli Landthaler)

Dozenten und Studenten sind sauer auf die Landesregierung:   Wenn es nicht mehr Geld gibt,  ist die Qualität des Studiums gefährdet – auch in Biberach. Bei einer Podiumsdiskussion mit  Landespolitikern machten sie ihrem Ärger Luft. 

Biberach – Die Schuldige war schnell ausgemacht: Theresia Bauer, Landesministerin für Wissenschaft und Forschung mit Grünen-Parteibuch, hat bei den Haushaltsberatungen für ihr Ressort zu wenig Geld eingefordert. Und trägt damit die Hauptverantwortung dafür,  dass baden-württembergische Hochschulen unterfinanziert bleiben. 

So lässt sich das  Ergebnis des Disskussionsabends zusammenfassen, zu dem die Hochschule Biberach (HBC) eingeladen hatte, um den Druck auf die Landespolitik zu erhöhen: Die Verhandlungen um den Hochschulfinanzierungsvertrag gehen in die entscheidende Phase, und es sieht nicht wirklich gut aus für die akademischen Bildungsstätten.Sie haben, wie HBC-Rektor André Bleicher deutlich machte, in den vergangenen Jahren  nicht nur mehr Studenten bekommen,  sondern auch immer  mehr Aufgaben.

Ein Beispiel: In Biberach lernt der Nachwuchs der Architekten und Bauingenieure, wie sich die Digitalisierung in der Bauwirtschaft gestaltet. Absolventen mit diesem Wissen  sind in der  Bauwirtschaft hochwillkommen, doch um das zu lernen, brauchen sie eine entsprechende Infrastruktur und IT-Ausstattung in der Hochschule.

Die Realität im Hochschulalltag, wie ihn die Studenten schilderten: Das W-LAN im Haus ist störanfällig und die Hochschulbibliothek mangels Personal  mehr zu als geöffnet.Mit Elan und sichtlich Wut im Bauch wurden die Hochschul-Experten der drei großen Landtagsfraktionen damit konfrontiert. Auf dem Weg zur Aula mussten sie sich den Weg durch auf der Treppe sitzende Studierende mit Protestplakaten bahnen, was wohl die Enge im Hörsaal erlebbar machen sollte.

Und das zur Begrüßung aufspielende Hochschul-Orchester beendete sein Musikstück im Dunkeln – Motto: Hier gehen bald die Lichter aus.1000 Euro mehr pro Student und Jahr fordern die Hochschulvertreter vom Land, um  die gestiegenen Aufgaben erfüllen und die Qualität des Studiums gewährleisten zu können. Niemand im Saal fand das zu viel. Es war wohl ein von der Regierung verursachter landespolitischer Betriebsunfall, dass im Entwurf des nächsten Doppelhaushalts viel weniger Geld drin steht als gefordert.

Martin Rivoir von der SPD, der es als Oppostionspolitiker am einfachsten mit dem Fordern hatte, bezeichnete Theresia Bauers Taktieren als „amateurhaft“: Alle anderen Ministerien  hätten  beim Kampf um die Fleischtöpfe von Anfang an Maximalforderungen aufgestellt und damit mehr Erfolg verbucht. 

Grünen-Politiker Jürgen Filius verteidigte seine Parteikollegin Bauer, so gut es ging, und erinnerte daran, dass auch anderswo mehr Geld gebraucht wird: Für die Polizei und die Justiz, für den Verkehr, für die Schulen und viele andere Aufgaben.

Rettung durch Daimler 

Marion Gentges von der CDU war die einzige, die einen konkreten Lösungsvorschlag auf den Tisch legte: Die Firma Daimler Benz muss ein Strafgeld in hoher dreistelliger Millionenhöhe im Zuge des Dieselskandals an die Landeskasse überweisen. Das Geld daraus wäre für die Ausstattung der Hochschulen sinnvoll angelegt.Martin Rivoir fand es peinlich  für  die Landespolitik, auf solche Mittel zurückgreifen zu müssen.

Auf Dauer, so war man sich einig, müsse dieser Betriebsunfall strukturell repariert werden, was aber seine Zeit braucht angesichts des auf zwei Jahre angelegten Doppelhaushalts und des noch viel länger laufenden Hochschulfinanzierungsvertrags. Rivoir an Bleicher und dessen Rottenburger Kollegen Bastian Kaiser: „Unterschreiben Sie da nichts, was Sie nicht auch gutheißen können“. 

Uli Landthaler