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Schweinebraten to go

Schweinebraten to go
Auch im 400 Jahre alten Traditionslokal will Gastwirt Andreas Höschele nach der Corona-Zeit Essen zum Mitnehmen anbieten – mit einem nachhaltigen Mehrwegesschirr-System. Die Speisekarte steht vor der Tür, die Küche hat geöffnet, das Essen wird zum Mitnehmen herausgegeben. Das Mehrweggeschirr macht auch komplexe Klassiker wie den Zwiebelrostbraten transportabel – das Außer-Haus-Modell wird sich etablieren, ist der Wirt sicher. (Bild: Uli Landthaler)

Essen zum Abholen ist derzeit noch der einzige Weg, die Dienste der Gastronomie in Anspruch zu nehmen. Gastwirt Andreas Höschele vom Grünen Baum in Biberach sieht darin ein Zukunftskonzept: Mit Hilfe des Mehrweggeschirr-Systems soll sich die Küche zu Mitnehmen nach der Corona-Zeit zu einem festen und nachhaltigen Standbein der Branche etablieren.

BIBERACH – Zwanzig bis dreißig Essensportionen verkauft Gastronom Andreas Höschele derzeit pro Tag, am Wochenende einiges mehr – kein Vergleich zu der Zeit, an der sein knapp 100 Plätze großes Altstadt-Lokal, den Biergarten nicht mitgerechnet, von Fans von Zwiebelrostbraten & Co gestürmt wurde. Jetzt müssen sie vorher anrufen und bekommen das Essen in der Kunststoff-Mehrwegbox zum Abholen bereitgestellt. Spargelsuppe, Zwiebelrostbraten, Wiener Schnitzel, Maultaschen, Kässpätzle und Schweinebraten gehen dann gut verpackt mit dem nötigen Sicherheitsabstand über die Theke. Zudem liefert er am frühen Abend eine Stunde lang aus.

Davon könne er die Miete für das Lokal erwirtschaften, sagt Höschele – ansonsten „sitzen meine Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt daheim und warten darauf, dass sie endlich wieder zur Arbeit kommen können“. Auch das zum Grünen Baum gehörende Hotel steht weitgehend leer.

Das Abhol-System ist nicht darauf angelegt, nach der Coorona-Krise wieder beendet zu werden. Der Wirt ist sicher: Der Außer-Haus-Verkauf ist ein Zukunftsmodell für die gesamte Gastronomie, die nach der Corona-Zeit nicht mehr so sein wird, wie sie war. Er empfiehlt allen Wirten, so etwas als ständiges Angebot in Erwägung zu ziehen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Geschirr. Höschele hat sich für das Mehrweg-Pfandsystem eines Schweizer Anbieters entschieden. Es funktioniert wie der Kasten Bier aus dem Getränkehandel: Der Kunde zahlt Pfand für das Behältnis und bringt es hinterher wieder zurück – und kann sich das Geld erstatten oder die nächste Essensbox aushändigen lassen.

Das verlangt einen kleinen Kapitaleinsatz – „beim ersten Mal ist das Pfand meistens höher als das Essen selber“. Dafür gibt es ein tadelloses, nachhaltiges Mehrwegsystem: Kurze Wege, kein Müll, die Boxen aus lebensmittelechtem Kunststoff sind langlebig, stabil, handlich, auslaufsicher und halten das Essen warm. So können auch komplexere Mahlzeiten und empfindliche Zutaten einschließlich Suppe und Bratensoße in getrennten Boxen sicher transportiert werden.

Ein plastikmüllfreies Biberach ließe sich so realisieren, schwärmt Höschele. Und appelliert an die Kunden: „Leute, bestellt bei heimischen Lieferanten und gebt euer Geld in Biberach aus!“