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Romane Holderried Kaesdorf – Selbstporträt

Romane Holderried Kaesdorf – Selbstporträt
Versammlung von vier Masken und zwei Porträts um ein Landschaftsbild, Romane Holderried Kaesdorf (Biberach 1922 – Biberach 2007), Öl auf Leinwand, 97 x 69 cm, Biberach 1959, Privatbesitz. (Bild: Nachlass der Künstlerin)
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BIBERACH – Das Museum Biberach erzählt in loser Folge Geschichten über bedeutsame Gegenstände aus der Museumssammlung.

Selbstporträts dienen der Selbstdarstellung wie der Selbstbefragung. Die Arbeit „Versammlung von 4 Masken und 2 Porträts“ der Biberacher Malerin und Zeichnerin Romane Holderried Kaesdorf lässt auf den ersten Blick kein Selbstporträt der Künstlerin vermuten. Lediglich die Ähnlichkeit der roten Figur rechts oben gibt uns die Gewissheit, dass es sich um die Künstlerin handelt. Auch die hellbraune Frauenfigur rechts unten zeigt ihr Profil und den Haarschnitt. Beide Male malt sie sich als Büste, der Unterkörper ist abgeschnitten. Drumherum erkennt man Möbel, Gegenstände und weitere Gesichter – die Künstlerin nennt sie Masken.

Für nichts und niemanden scheint es einen Umraum zu geben. Alles wirkt gedrängt, regelrecht eingezwängt. Man darf dies auf die persönliche Situation der Künstlerin übertragen: Sie lebt in jenen Jahren – die Arbeit ist 1959 entstanden – zusammen mit ihrem Mann, ihrer Mutter und den drei kleinen Kindern in einem älteren Haus. Alles spielt sich im Wohnzimmer ab. Ein eigenes Zimmer zum Malen gibt es für sie nicht. Auch die finanziellen Verhältnisse sind eng. Gesellschaftlich sind die Kaesdorfs isoliert, manchen in der Stadt Biberach gelten sie als asozial. Die Künstlerin wehrt sich auf ihre Weise: in der Farbigkeit, im Farbauftrag und dem karikierenden Blick verweigert sie alles Schöne und Gefällige. Sie zeigt etwas von sich und verschlüsselt es zugleich.

Das künstlerische Werk von Romane Holderried Kaesdorf lässt sich in verschiedene Schaffensphasen unterteilen: Die erste reicht von 1946 bis 1970 und kennzeichnet figürliche Kompositionen mit einem Hang zum Surrealen. Von 1967 verändert sich die Bildsprache und wird von der englischen Popart beeinflusst. Von 1970 bis 1979 beherrschen Anzug und Hut tragende männliche Figuren ihre Zeichnungen, die sogenannten „Männerzeichnungen“, wobei die Konformität der Kleidung im Gegensatz zu ihrem unkonventionellen Tun steht. Ab 1979 betritt die weibliche Figur das Bild und beginnt, das Tun der Männer zu stören. In diesen „Frauenzeichnungen“ wird das männliche Geschlecht ganz aus ihren Bildern verbannt. 1989 erhält Romane Holderried Kaesdorf gemeinsam mit ihrem Mann Julius Kaesdorf den Oberschwäbischen Kunstpreis der OEW.