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Online-Campus – eine neue Lernwelt

Online-Campus – eine neue Lernwelt
Online studieren an der Hochschule Biberach: Hier der Blick auf den Computerbildschirm der Architektur-Dozent/inn/en. (Bild: HBC / PROF. CHRISTINA JESCHKE)

Region – Am Montag beginnt an den Hochschulen das Sommersemester – trotz Corona: Studiert wird zu großen Teilen online. Ein Blick nach Biberach, Sigmaringen und Tuttlingen.

„Die Lehrveranstaltungen im Sommersemester werden in virtueller Form durchgeführt“, erläutert Professor André Bleicher, Rektor der Hochschule Biberach, in einer Mitteilung. Wann die Studis wieder in den Hörsaal können, sei noch nicht klar. Die Qualität des Studiums solle darunter nicht leiden. „Wir wollen die Chancen der digitalen Lehre nutzen und in der Krise mutig und mit gutem Beispiel vorangehen“.

Das neue digitale Angebot umfasst Formen des moderierten Selbststudiums, die Integration von Multimedia-Elementen, Chats, Videos, Wikis oder Podcasts bis hin zur digitalen Präsenzlehre. In der Architektur etwa sei es entscheidend, technische Lösungen zu finden, um Zeichnungen gemeinsam besprechen und korrigieren zu können – bis hin zu einem digitalen Werkzeug für die Korrektur des Entwurfs durch die Lehrenden. In den Ingenieur-Studiengängen sei zu prüfen, inwieweit Labore virtuell besucht werden können: „Es gibt kaum etwas, das wir nicht digital abbilden können“, sagt Professor Jens Winter, Prorektor für Lebenslanges Lernen und Internationalisierung.

„Das Semester auf diese Weise aus dem Boden zu stampfen ist sicherlich ein Abenteuer“, sagt Bleicher. Aber in der Hochschule ist man sicher, dass sich der Aufwand lohnt und die digitale Lehre Teil des Vorlesungsprogramms bleiben wird, wenn die Coronavirus-Pandemie überstanden ist. Die künftige Lehre an der Hochschule Biberach wird aus einem Mix aus Präsenzveranstaltungen und innovativen digitalen Lehrformaten bestehen, sind sich André Bleicher, Jens Winter und Henrike Mattheis einig.

An der Hochschule Albstadt-Sigmaringen gibt es zumindest in den ersten vier Wochen keine Präsenz, erläutert Pressereferntin Corinna Korinth. Möglichst viele Veranstaltungen sollen online laufen. „Für das weitere Semester muss der Verlauf abgewartet werden – sehr vieles kann digital unterrichtet werden, aber vor allem für den praktischen Wissenserwerb spielen Praktika eine wichtige Rolle. Diese werden sich nicht vollständig digital anbieten lassen“.

Mit dem Lernmanagementsystem Ilias gestalten die Professoren ihre Unterrichtsmodule. Hier werden Unterlagen zu den Veranstaltungen hinterlegt: Texte, Videos, Fallbeispiele, Übungsaufgaben und anderes. Zudem werden Online-Vorlesungen gehalten. Der Professor ist dann mit den Studierenden über ein Videokonferenz-System verbunden. „Die Studierenden erhalten dann die Materialien und können diese im Austausch mit anderen Studierenden und mit den Lehrenden bearbeiten – zum Teil als Videokonferenzen, zum Teil in Form von Foren und gemeinsam erstellter Texte“. Wichtig ist, dass die Professoren weiterhin für die Studierenden während sogenannter „Präsenzzeiten“ ansprechbar sind und Fragen beantworten.

Damit alles klappt, gibt es eine umfangreiche Handreichung für alle Lehrenden an der Hochschule, in der didaktische und technische Hinweise zum digitalen Lehren und Lernen gegeben und auch prüfungsrechtliche Fragestellungen geklärt werden. Auch die Studierenden erhalten entsprechende Anleitungen.

In Tuttlingen hat Dekan Albrecht Swietlik seinen Arbeitsalltag komplett in die virtuelle und digitale Welt verlegt, wo ab Montag der Unterricht stattfindet. „Wir mussten dazu die Server so aufrüsten, dass der Zugriff von 1000 Studierenden, Professoren und der Verwaltung zeitgleich möglich ist.“ Lizenzen mussten gekauft und die Inhalte der Vorlesungen angepasst werden. Herausgekommen sind in Tuttlingen zwei Vorlesungsvarianten: Videoformat zum Download, zu bestimmten Zeiten steht hier auch der Dozent im Chat für Fragen zur Verfügung. Und die Live-Vorlesung, wo sich die Studenten zuschalten und auch Fragen stellen können. Voraussetzung: Alle haben schnelles Internet.