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Landrat schreibt an Städte und Gemeinden und appelliert an jeden Einzelnen

Landrat schreibt an Städte und Gemeinden und appelliert an jeden Einzelnen
Dr. Heiko Schmid, Landrat des Landkreises Biberach (Bild: Oliver Hofmann)
WOCHENBLATT

Biberach – In einem mehrseitigen Schreiben hat sich Landrat Dr. Heiko Schmid am Wochenende einmal mehr an die Städte und Gemeinden des Landkreises gewandt.

Er dankte den Stadt- und Gemeindeoberhäuptern und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren bisherigen Einsatz im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. „In diesen Dank schließe ich ausdrücklich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes mit Frau Dr. Spannenkrebs an der Spitze mit ein. Sie leisten in der Zeit der Corona-Krise Außergewöhnliches.

Über das gesamte Wochenende haben wir mit einem Bürgertelefon eine telefonische Beratung durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes angeboten. Am Samstag gingen 250 und am Sonntag 150 Anrufe ein.“ Auch die Internetseiten des Landratsamtes unter www.biberach.de wurden wieder rege genutzt und auch am Wochenende laufend aktualisiert.

Das Bürgertelefon ist auch ab Montagwieder von 8 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 07351 52-7070 erreichbar. Fragenim Zusammenhang mit den Schul- und Kindergartenschließungen und derNotfallbetreuung sind bitte direkt mit der Schule beziehungsweise mit demKindergartenträger zu klären.

Zwölf bestätigte Fälle – Kreisgymnasium schließt bereits am Montag

Nachwie vor gibt es im Landkreis zwölf bestätigte Coronafälle (Stand Sonntag,15.3.2020, 15 Uhr). Insgesamt befinden sich derzeit rund 150 Kontaktpersonen inhäuslicher Quarantäne.

Aufgrundeines begründeten Verdachtsfalls hat die Schulleitung des Kreisgymnasiums inAbstimmung mit dem Kultusministerium und dem Kreisgesundheitsamt entschieden,die Schule bereits am Montag zu schließen. Weitere Informationen dazu gibt esauf der Homepage des Kreisgymnasiums unter www.kgr.bc.bw.schule.de/

Appell des Landrats an jeden Einzelnen

Als Teil der öffentlichen Verwaltung unternehmenLandratsamt, Städte und Gemeinden alles, um die Ausbreitung des Virus zuverzögern. „Die Stärke dieses Landkreises war es immer, zusammen zu stehen,wenn es notwendig war. Jung und Alt, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sozialStarke und weniger Starke. Dieses Zusammenstehen brauchen wir aktuell mehr dennje. Ich appelliere deshalb an jeden Einzelnen, auf sich selbst und andereaufzupassen. Dazu zählt insbesondere, persönliche soziale Kontakteweitestgehend zu vermeiden. Halten Sie Kontakt übers Telefon, übers Internetund andere soziale Medien. Wir müssen alles dafür tun, um unser Gesundheits-und Pflegesystem mit Ärzten und Pflegekräften zu schützen, damit sie sich umPatienten und um die Menschen, die Unterstützung brauchen, kümmern können.“

Notfall-Kinderbetreuung

In seinem Schreiben informierte Dr.Schmid die Oberbürgermeister, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister über dieanstehenden Schul- und Kindergartenschließungen und die zu organisierendeNotfall-Kinderbetreuung für Kinder, deren Eltern in einer sogenanntenkritischen Infrastruktureinrichtung arbeiten. Zur kritischen Infrastrukturzählen insbesondere die Gesundheitsversorgung, die „Blaulichtorganisationen, Telekommunikation,Energie, Wasser, ÖPNV, Entsorgung sowie die Lebensmittelbranche.Grundvoraussetzung sei dabei, dass beide Erziehungsberechtigte, im Fall vonAlleinerziehenden der oder die Alleinerziehende, in Bereichen der kritischenInfrastruktur tätig seien.

Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter desLandratsamtes sind von Schul-und Kindergartenschließungen betroffen. Man gehedeshalb von einem deutlich eingeschränkten Dienstbetrieb im Landratsamt aus,kündigt Landrat Dr. Schmid an. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dieMöglichkeit für die Kinderbetreuung Urlaub zu nehmen, Überstunden abzubauenoder sie nutzen Homeofficemöglichkeiten. „Bitte verzichten Sie auf alle nichtzwingend notwendigen Behördengänge. Rechnen Sie mit deutlich längerenWartezeiten. Vieles lässt sich auch am Telefon, per E-Mail erledigen oder aufeinen späteren Zeitpunkt verschieben.“

Veranstaltungenabsagen

Landrat Dr. Heiko Schmid bat nochmalseindringlich die Städte und Gemeinden auf ihre Vereine und Veranstalterzuzugehen. Sie sollen freiwillig auf alle Versammlungen und Veranstaltungenverzichten, unabhängig von einer Teilnehmerzahl und ob sie in geschlossenenRäumen oder im Freien stattfinden. „Wir wollen ganz bewusst das öffentlicheLeben deutlich verlangsamen“, so Dr. Schmid.

Hilfsdienstefür die Versorgung von Haushalten

„Durch die voranschreitende Ausbreitungdes Virus, befinden sich von Tag zu Tag mehr Personen – Infizierte undKontaktpersonen – in häuslicher Isolation. Bei ansteigenden Fallzahlen wird dieVersorgung dieser Menschen immer schwieriger und die selbstorganisierteNachbarschaftshilfe wird an ihre Grenzen stoßen“, schreibt Dr. Schmid amWochenende an die Oberbürgermeister, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. „Ichbitte Sie deshalb, zeitnah eine Versorgung für diese Menschen in Ihrer Stadtoder Gemeinde zu organisieren. Dabei könnten Vereine, die FreiwilligeFeuerwehr, organisierten Nachbarschaftshilfen und die DRK-Bereitschaft miteingebunden werden. Ein besonderes Augenmerk bei der Durchführung ist dabei aufdie Bedürfnisse von älteren und pflegebedürftigen Menschen sowie auf krankeMitbürgerinnen und Mitbürger zu richten.“

FreiwilligesBesuchsverbot für Alten- und Pflegeheime erreichen

Gemeinsam mit den Städten und Gemeindenwill man ein freiwilliges Besuchsverbot von Alten- und Pflegeheimen beidenjeweiligen Trägern erreichen. „Ziel soll sein, ein freiwilliges ganztägiges Besuchsverbotim Rahmen des Hausrechts durch die Träger zu erwirken. Nur durch eineweitgehende Isolation kann sichergestellt werden, dass keine Infektionsketteninnerhalb dieser vulnerablen Gruppe entstehen. Mit diesem Schutz geht auch eineEntlastung der Krankenhäuser einher, die Kapazitäten dringend benötigen“,schreibt Landrat Dr. Heiko Schmid.

Abschließend bietetder Landrat in seinem Schreiben den Städten und Gemeinden weiterhin die volleUnterstützung an. „Ich sage Ihnen auch weiterhin die volle Unterstützung desLandratsamts zu und wünsche Ihnen das notwenige Durchhaltevermögen in einer füruns alle belastenden Zeit.“