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Interview mit Heinrich del Core: „Ohne meine roten Schuhe sage ich gar nichts“

Interview mit Heinrich del Core: „Ohne meine roten Schuhe sage ich gar nichts“
Kabarettist Heinrich del Core plaudert auf der Bühne über Sachen (Foto: PR)

Keiner zieht das beliebteste Küchenspielzeug der Frauen so amüsant durch den Kakao wie Heinrich del Core. Keiner macht sich über ein Hightech-WC so liebenswert lustig, dass er sogleich vom Hersteller privat ein kostenloses Exemplar eingebaut bekommt. Und auf kein neues Programm haben die Fans so sehnsüchtig gewartet wie das vom Halbitaliener mit den knallroten Schuhen. Uns hat er vorab ein paar Highlights verraten. 

Wenn man liest, dass der Kabarettist Heinrich del Core irgendwo auftritt, ist es für Karten meistens zu spät, da alle schon längst verkauft sind. Wie erklären Sie sich so einen Hype?

Ich glaube, es liegt daran, dass ich mit meinen Geschichten so nah am Publikum bin. Jemand von der Presse schrieb mal, „obwohl 500 Zuschauer im Saal waren, hatte man das Gefühl, der Künstler erzähle jedem Einzelnen die Geschichte“. Die Leute indentifizieren sich mit meinen Geschichten. 

Sie sind gelernter Zahntechniker, und ihre Karriere fing mit Comedy-Zauberei an. Was waren die Auslöser für diese Kombi? Doch nicht etwa ein Zauberkasten zum achten Geburtstag?   

Nein, da muss ich sie enttäuschen, es war kein Zauberkasten. Es war ein Straßenzauberer in München, als wir dort eine Woche Urlaub machten. Ich war so fasziniert, dass ich zu meiner Frau sagte, „ist das geil, das würde ich auch gerne können“.                                                                             

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten öffentlichen Auftritt? 

Ja, das war vor 20 Jahren mit meinem ersten Soloprogramm „Comedy oder komme di it“  im August 1999 beim Ferienzauber in Rottweil.

Sie sind Halbitaliener. Ihr Vater kommt aus Apulien und Ihre Mutter ist eine Schwäbin. Welches Herz schlägt in Ihnen?

Ich würde mal sagen so halb halb 60/60.

Googelt man den Namen Heinrich del Core, stößt man bei Wikipedia auf eine ganze Latte von namhaften Kleinkunstpreisen, die Sie erhalten haben. Darunter auch die Finalteilnahme des Hamburger Comedy Pokal Schmidt Tivoli im Jahr 2016. Die Trophäe aus Frottier ist ja heiß begehrt. Wie war das für Sie?

Das war natürlich ein tolles Gefühl, weil man mir das wegen des Dialektes nicht zutraute, und danach war mir klar – es funktioniert nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch im Norden, was mir mit dem Ostfriesischen Kleinkunstpreis nochmals bestätigt wurde.

Ihre Spezialität ist, dem Publikum in charmant-witziger Art kuriose Alltags-Begebenheiten hautnah vor Augen zu führen. Da darf natürlich das Frauenstatussymbol Thermomix nicht fehlen. Wirklich genial. Haben Sie dazu Post von weiblichen Fans bekommen?   

Post in Papierform nicht, aber sehr sehr viele Posts per Facebook

Ab Ende Oktober sind Sie mit den ersten Vorpremieren ihres brandneuen Programms „Glück g‘habt“ unterwegs. Zu den Themen gehören Saunabesuche und die Einverständniserklärung beim Sex in Schweden. Verraten Sie den WOCHENBLATT-Lesern ein paar klitzekleine Details?                                                                                            

Oh ja gerne: Ich habe neue und kuriose Geschichten im Gepäck, wo man denkt, o Gott o Gott, das gibt es doch gar nicht – aber es ist wahr. Wir wurden im Familienurlaub in Mexiko in unserem Ferienhaus nachts im Schlaf überfallen. Ich habe mir extra eine Darmspiegelung machen lassen, damit ich darüber einen Programmpunkt machen kann, weil mich die Helios Klinik in Rottweil engagiert hatte. Und ich werde erklären, was passiert, wenn der schwäbische Dialekt mit der Grammatik kollidiert. Ich glaube, es ist ein sehr schönes Programm geworden, weil es so positiv ist. Ich habe Glück gehabt, dass ich meine Frau getroffen habe, dass wir drei großartige Kinder bekommen haben. Natürlich hat meine Frau sie erst mal alleine bekommen, doch danach war ich schon auch beteiligt. Glück ist eine Frage der Perspektive. Was die einen ärgert, ist für die anderen ein Glücksfall.  

Sie haben im SWR Fernsehen eine eigene Comedy-Sendereihe bekommen. Wie kam es dazu, und war das wie ein Ritterschlag für Sie?   

Ja, das war echt ein Ritterschlag. Wie es dazu kam? Hm, ich glaube, man muss Präsenz zeigen und natürlich gute Arbeit abliefern. Meine letzten beiden Soloprogramme wurden aufgezeichnet und mehrmals ausgestrahlt. Da hatte ich immer eine gute Einschaltquote, und hat sich der SWR gedacht, da nehmen wir doch mal den Del Core. 

Wenn Heinrich del Core auf Tournee ist, was darf in seinem Koffer auf keinen Fall fehlen? 

Natürlich mein Markenzeichen, die roten Schuhe.

Dieses Jahr feiern Sie außerdem noch Ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum. Würden Sie rückblickend auf Ihre Karriere irgendetwas wirklich anders machen?        

Nein, ich würde wirklich nichts ändern, weil ich zurzeit echt auf Wolke sieben schwebe. Die Leute strömen in meine Shows, ich habe es geschafft, bin so stolz, als Solokünstler nur mit einem Stuhl und mit Geschichten, die das Leben schreibt, Locations wie die Liederhalle mit 1 800 Menschen voll zu bekommen. Meine Premiere von „Glück g‘habt!“ am 10. Januar in Reutlingen mit 1 300 Menschen ist fast ausverkauft, die Vorpremieren im Hoftheater Baienfurt und in der Häge-Schmiede in Wangen sind schon lange ausverkauft. Was will ich mehr?

Daniela Leberer