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Im Tal der Wölfe und Biber

Im Tal der Wölfe und Biber
Das Wolfental ist ein beliebter Naherholungsraum für die Biberacher. (Bild: BIKO)
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Biberach – Die Stadt Biberach hat nicht nur eine wunderschöne Innenstadt, sie verfügt auch über stadtnahe Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Menschen, die sehens- und erlebenswert sind. Die Arbeitsgruppe Grün der Lokalen Agenda 21 hat sich die Beschreibung von zehn dieser Lebensräume zur Aufgabe gemacht. Sie liegen sowohl im bebauten Bereich als auch am Ortsrand von Biberach. Es handelt sich um Grünanlagen, Wälder, Fließ- und Stillgewässer und um Talräume. Wir stellen sie in loser Folge vor. Den Anfang macht das Wolfental.

Das Wolfental ist mehr als ein bachdurchflossenes, von Hangwälder flankiertes Wiesental. Es war und ist eine bedeutende Wasserquelle für Biberach. Auch als Naherholungsgebiet hat es eine große Bedeutung für die Stadtbewohner erlangt. Der Name leitet sich von den einst hier lebenden Wölfen ab; der letzte wurde 1603 erlegt. Die eiszeitlichen Gesteinsschichten der Talhänge sind wasserdurchlässig, so dass das Regenwasser schnell in den Untergrund sickern kann. An der Grenzschicht zu den wasserundurchlässigen Pfohsanden der Oberen Süßwassermolasse (Tertiär) tritt das Wasser in Form von Quellen wieder zu Tage. Eine solche Quellregion ist im Wolfental entstanden. Dort treten heute etwa 70 Liter pro Sekunde aus, die aufgefangen werden und den Biberachern als Trinkwasser dienen. Das Einzugsgebiet für diese Quellen reicht bis in die Gegend des Burrenwaldes und bis nach Stafflangen. Bereits vor mehr als 300 Jahren diente die Quellregion des Wolfentals der Trinkwassergewinnung. Das Wasser wurde in zwei Teuchelleitungen in die Stadt geführt. Teuchelleitungen bestehen aus Holzröhren, die durch zentrales Durchbohren von Baumstämmen angefertigt wurden. Verwendet wurden sie von 1607 bis 1880, dann wurden eiserne Rohre verlegt. 1906/1907 wurde am Ausgang des Wolfentals ein Pumpwerk errichtet, das das Wasser zum Hochbehälter auf das Lindele pumpt.

Vegetation: Durch das Vorkommen von Quellen im Bereich des Talgrundes und von trockenen Talhängen konnte sich eine typische Vegetation ausbilden. Der Talgrund ist heute durch landwirtschaftlich genutzte Wiesen geprägt. In der Quellregion bildete sich eine Pflanzengesellschaft von feuchtigkeitsliebenden Pflanzen aus. Hier finden sich Kräuter wie die Bachnelkenwurz. An Gehölzen kommen z.B. die Schwarz-Erle, die Esche oder der Ahorn vor. Im Bereich der Wasserbrunnen hat man die Gehölze entfernt, da die Wurzeln in die Sammelrohre wuchsen. In den trockenen Hangbereichen wächst noch heute ein typischer Hangbuchenwald. Mächtige Rotbuchen und vereinzelte Eichen lassen nur wenig Licht zum Erdboden durch, so dass sich lediglich eine spärliche Krautschicht ausbilden kann. In der Nähe der Waldränder wachsen Waldmeister, Scharbockskraut, Lerchensporn oder die Ährige Teufelskralle. Die Hangwälder genießen heute als sog. Flora-Fauna-Habitats-Schutzgebiete höchsten europäischen Schutz.

Tierwelt: Seit einigen Jahren ist der Biber wieder im Wolfental heimisch geworden. Aufmerksame Beobachter stoßen überall auf seine Spuren. Neben dem Graureiher ist auch der Weißstorch regelmäßig auf Nahrungssuche anzutreffen. Und mit viel Glück lassen sich auch Nahrung suchende Eisvögel und Wasseramseln entdecken.

Gewässer: Der Wolfentalbach hat seine Quellregion westlich der Aymühle bei Stafflangen. Als zunehmender Wasserlauf erreicht er Stafflangen und fließt als Mühl- oder Rotbach durch Mittelbiberach nach Reute. In alten Urkunden trägt der Bach noch den Namen Biberbach, was auf ein Vorkommen von Bibern schließen lässt. Von Reute fließt der Bach jetzt als Wolfentalbach in Richtung Biberach, wobei er noch die Wolfentalmühle inmitten des Wolfentals antrieb. Ursprünglich floss der Bach über den heutigen Marktplatz zur Riß. An der Mündung des Bachs bildete sich ein Schwemmkegel – diese leichte Erhebung bildete einen trockenen Bereich im ansonsten feuchten Rißtal. Auf diesem Schwemmkegel sind die Ursprünge der Besiedlungsgeschichte Biberachs zu suchen.