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Heimat mit Niveau

Heimat mit Niveau
(Bidl: STADT BIBERACH/FLORIAN ACHBERGER)

Biberach – Biberach darf die baden-württembergischen Heimattage 2023 veranstalten. Die Bewerbung war umstritten und ist es immer noch. Die Stadt und die CDU freuen sich, die SPD bleibt skeptisch.

Mit Heimattagen kann nicht jeder etwas anfangen. Als die Frage anstand, ob sich die Stadt Biberach für diese vom Land ausgeschriebene Veranstaltungsreihe bewerben soll, waren mehrere Rathaus-Fraktionen dagegen. Teuer, altmodisch und überflüssig, hieß es von Seiten der Grünen und der SPD. Biberach habe sein Schützenfest und sein Kulturleben, da wären Heimattage keine Bereicherung. Die Stadt verfolgte die Bewerbung, unterstützt von der Rathaus-CDU, aber weiter – und hatte jetzt Erfolg: Am Dienstag kam die Zusage für die Ausrichtung der Heimattage 2023.

Die Stadt verspricht ein „vielseitiges Veranstaltungskonzept“ mit dem obligatorischen Festumzug, aber auch mit zeitgemäßen Fragestellungen. Die Themengebiete Heimat und Internationalität, Kultur und Stadtraum sollen beleuchtet werden. Heimat sei nicht gleichzusetzen mit Heimattümelei, betont die Stadt in ihrer Mitteilung.

Keine Heimattümelei
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Walter freut sich: „Heimat ist ein viel diskutierter, manchmal auch um das Recht der Deutungshoheit umkämpfter Begriff“, hieß es seinerzeit im Antrag der CDU. Ihr gehe es um einen „aktuellen, zeitgemäßen Heimatbegriff“. Viele Biberacher Vereine und Institutionen, mit denen er gesprochen habe, würden die Heimattage unterstüzen – die Schützendirektion genauso wie die Caritas. „Heimat ist in den Arbeitsfeldern der Caritas auf vielfältige Weise ein Thema“. Die Veranstaltungen würden nun mit einem Organisationsteam entwickelt, die Stadt werde dafür auch eine Stelle schaffen.

Genau diese Stelle ist ein Aufwand, am dem sich die Kritiker gestört hatten. Der Grünen-Fraktionschef Peter Schmid will aber nicht weiter nachkarten und stattdessen nun die Heimattage mittragen. Wichtig sei, die Qualität und die Vielfalt der Biberacher Kulturangebote zum Ausdruck zu bringen. Die reichten vom Schützenfest über die Volkhochschule und die Stadtbücherei bis zu Jugendkunst- und Jugendmusikschule. Sie alle müssten den Heimattagen ihre Prägung geben.

Gemischte Gefühle
Die SPD-Fraktion bleibt skeptisch. „Wir nehmen die Zusage für mit etwas gemischten Gefühlen auf“, teilt Gabriele Kübler auf Anfrage mit. „Wenn man weiß, was die Organisation des Schützenfestes bedeutet, dann ist klar, was auf die Mitarbeiter der Stadtverwaltung für die Durchführung der Heimattage zukommt“. Das gelte auch für die Beanspruchung der ehrenamtlichen Organisatoren.

Zusammenhalt schon da
Kübler weiter: „Bei uns in Oberschwaben ist doch ,Heimat‘ so einfach erlebbar. Biberach bietet heute schon eine derartige Vielfalt von Veranstaltungen um das Thema Heimat. Gerade mit unserem Schützenfest erleben wir jedes Jahr Zusammenhalt, Tradition, das stolze Gefühl, das ist meine Heimat“.

Andererseits: „Wir werden uns den Heimattagen letztlich auch aus unserer inneren Verbundenheit nicht verschließen, aber momentan kommt uns das Ganze etwas aufgesetzt vor.“