Ausgaben

Filmfest: lachen und leiden

Filmfest: lachen und leiden
Kneipenspaß in „Leif in Concert“.... (Foto: Mike Auerbach)

Über 60 Filme hat Intendantin  Helga Reichert für die Biberacher Filmfestspiele ausgewählt – Kinowerke, Fernsehfilme, Debüt-Filme und Dokumentationen. Obwohl sie selbstredend alle als sehenswert erachtet, hat  sie für uns ein paar herausgesucht, die etwas ganz Besonderes sind.

 • Kopfkino – das Filmmusical: Die Neuköllner Oper in Berlin hat eines ihrer Bühnenstücke verfilmt.  Herausgekommen ist „ein großes Filmmusical, toll gesungen, eine richtige Show, großes Kino“, so Helga Reichert. Donnerstag 22.10 Uhr/Freitag 17.30 Uhr. 

• Leif in Concert: Ein Film wie ein Kneipenbesuch. Dort trifft man sich:  Der Bierlieferant, Künstler, die Stammgäste… Auch bekannte Darsteller schauen auf einen Sprung vorbei,  etwa Bela B von der Band „Die Ärzte“ und Thilo Prückner. „Ein charmanter  Film, viel Nonsens, viel Spaß“. Do 22.15/Fr 19.55

• Sterne über uns: „Ein spannender Debütfilm“. Eine Mutter lebt, nachdem sie ihre Wohnung verloren hat, mit ihrem Sohn in einem Zelt im Wald, was natürlich niemand erfahren darf. Aber dann kommt das Jugendamt doch dahinter und will ihr den Jungen wegnehmen. „Sehr anrührend, wie die Mutter um Normalität kämpft in ihrer schwierigen Situation“. Mi 16.50/Fr 12.20• All I never wanted: Eine Mischung aus Dokumentation  und Spielfilm. Thema: Der Model-Casting-Wahn. Die Filmemacher begleiten ein junges Mädchen auf ihrer harten Casting-Tour. „Sehr spannend“. Sa 16.35/So 16.20

• Coup: Ebenfalls eine Mischung aus Fiktion und Dokumentation, nach einer wahren Begebenheit. Ein 22-jähriger trickste in den 1980er Jahren eine große Bank aus und verschwand mit mehreren  Millionen Mark Beute. Sa 19.10/So 13.40

• Stumme Schreie: Ein berührender Film um das schwierige Thema Kindesmisshandlung. Eine junge Mutter will alles richtig machen, aber der Freund ist gewalttätig und lässt sich nicht stoppen. Die Frage stellt sich: Wie lange soll man als Jugendamt Kinder in der Familie lassen –  und wann muss man sie  herausholen? Sa 19.25/So 13.55• Totgeschwiegen: Teenager kommen in den Verdacht, einen Obdachlosen umgebracht zu haben. Die Eltern versuchen, sie zu schützen – es sind ja ihre Kinder. Fr 19.25/Sa 11.35

• Herren: Ein „sehr besonderer  Fernsehfilm“ – mit einem dunkelhäutigen Hauptdarsteller. Tyron Ricketts ist in Brasilien ein bekannter Schauspieler. Er spielt einen Zuwanderer, der vor Jahrzehnten nach Deutschland eingewandert ist und eine Familie gründete, aber sich nach wie vor immer wieder diskriminiert fühlt. Aber was davon ist wahr, was ist eingebildet? Eine Geschichte um Stolz und Selbstwahrnehmung. Sa 17.40/So 13.35

• In Search. Dokumentarfilm zum Thema Genitalverstümmelung, die in einigen afrikanischen Regionen immer noch Teil der Kultur ist. Eine Betroffene reist in ihre Heimat und spricht mit ihrer Mutter darüber. „Das Thema klingt schlimm, aber der Film ist mit ganz viel Herzenswärme gemacht“.  Sa 16.40/So 11.30

• Schönheit und Vergänglichkeit: Sven Marquardt ist als Fotograf und Türsteher in Berlin ein bekanntes Gesicht. „Mit seinen Tätowierungen sieht er zum Fürchten aus, ist aber ein total lieber Kerl“. Ein bebilderter  Rückblick in die Ostberliner Subkultur früherer Jahrzehnte,  „toll gemacht“.  Do 11

• Like Butter on Toast: Drei Filmemacher haben jahrelang  einen Zirkusartisten begleitet. Die Doku ist eine Hommage an Zirkus und  Varieté und „macht einfach Lust auf die Bühne“. Fr 19.55/Sa 12

• Zoros Solo: Der Film ist am 24. Oktober im Kino gestartet, „aber er liegt mir sehr am Herzen“ und läuft als Extravorstellung am Sonntag Nachmittag. Ein junger Flüchtling verhält sich wie ein unsympathischer Halbstarker – bis er  von einer Chorleiterin (gespielt von Andrea Sawatzki) wieder  auf den Weg gebracht wird. So 16 Uhr. Dazu kommen die Kinderfilme täglich um 16 Uhr. „Sie sind mit ihren Familienthemen auch für Erwachsene, die in die Vorstellungen herzlich eingeladen sind“, betont Helga Reichert.            

Uli Landthaler