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Bitte keine Steingärten – Stadt Biberach: Vor dem Haus soll es grün sein

Bitte keine Steingärten – Stadt Biberach: Vor dem Haus soll es grün sein
„Gärten des Grauens“ nennt sie der Naturschutzbund: Steingärten sind biologisch tot (Foto: Uli Landthaler)

Die Biberacher sollen auf Steingärten vor ihren Häusern verzichten. Das ist nicht nur eine Geschmacks- sondern auch eine Umweltfrage, sagt die Stadt. 

Biberach – Kiesel statt Grashalme, Beton statt Blumen: Dieser Trend der Vorgartengestaltung hat in den vergangenen Jahren immer mehr um sich gegriffen. Nicht nur in den Wohnsiedlungen, auch in Gewerbegebieten sind Steingärten auf dem Vormarsch. Sogar auf Gartenbaumessen und in Baumärkten haben sie sich als Möglichkeit der Gestaltung des häuslichen Umfelds etabliert. Es geht ja nicht nur um optische Fragen: Einen Steingarten muss man nicht gießen oder mähen, man kann ihn sich selbst überlassen.

Das hat die Stadt Biberach auf den Plan gerufen. In der Stadt gebe es eine zunehmende „Versteinerung“, heißt es in einem Bericht für den Bauausschuss, gerade in älteren Baugebieten  könne die Umwandlung von begrünten Flächen in pflegeleichte Kies- oder Steinflächen beobachtet werden. Aber jeder Garten habe eine ökologische Funktion, und die sei bedroht, wenn alle nur noch auf den Steingarten setzen. Die Stadt Biberach will daher in den Neubaugebieten diese Variante untersagen – oder besser: eine Begrünung der Vorgärten zur Pflicht machen.

Der Bauausschuss der Stadt Biberach hat vergangene Woche über Anti-Steingarten-Regelungen für die Vorgärten der Neubaugebiete beraten, der Gemeinderat soll sie am 16. Dezember beschließen.   Dabei geht es aber nicht nur ums verbieten, heißt es in der Vorlage des Bauverwaltungsamts. Ein Verbot könne kaum überwacht und durchgesetzt werden. 

Besser sei es, bei den Bewohnern für die Erkenntnis zu werben, dass naturnahe Gärten sinnvoll sind: Hier kann das Regenwasser versickern, hier finden Vögel und Insekten Nahrung, während ein Steingarten auch unter dem Boden tot ist: Eine Stein- und Schotterfläche bewirkt den „Verlust des humosen Oberbodens und das Absterben der biologischen Aktivität im Boden“, sagen die Fachleute. 

Den größten Nachteil bekommen die Steingarten-Fans selber zu spüren: Wenn im Sommer die Sonne vom Himmel knallt, heizen sich die Steine im Steingarten auf und strahlen die Wärme in die Umgebung und quasi ins Schlafzimmer der Anwohner ab – während ein Baum einen gegenteiligen, kühlenden Effekt hätte. Die Stadt will für die Bauherren entsprechende Beratungsangebote ins Leben rufen.

Uli Landthaler