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Biker: Alter schützt vor Unfall nicht

Biker: Alter schützt vor Unfall nicht
Erst üben, dann flitzen: Der Start in die Motorradsaison sollte vorsichtig erfolgen – auch für Erfahrene. (Bild: Adobe Stock)

Die Motorradsaison hat begonnen – und damit die Zeit der Motorradunfälle. Ein Blick in die Statistik sagt: Es wird nicht wilder gefahren als früher. Aber gerade jetzt zu Saisonbeginn passiert es, dass auch ältere, vermeintlich routinierte Fahrer buchstäblich nicht mehr die Kurve kriegen.

Region – Ein 60-Jähriger Motorradfahrer fährt auf das Motorrad eines 54-jährigen auf, weil er dessen Bremsmanöver zu spät bemerkt hat. Ein 53-Jähriger Biker prallt auf ein Auto, das zum Linksabbiegen angehalten hatte. Ein 49-Jähriger wird mit seinem Motorrad aus der Kurve getragen und stößt frontal mit auf einem entgegenkommenden Auto zusammen. Er kommt schwer verletzt ins Krankenhaus.

Das sind drei Beispiele aus der Unfallbilanz auf oberschwäbischen Straßen in den vergangenen zwei Wochen. Die Vorstellung, ein Motorradfahrer ist ein junger Spund, der noch kein Auto hat und mit einem preisgünstigen Fortbewegungsmittel zu seinen Freizeitaktivitäten saust, passt so schon lange nicht mehr. Viele Biker werden mit ihrem Hobby alt und schwingen sich am Wochenende als Abwechslung zum Arbeitsalltag auf ihre schweren Maschinen. Ein Teil davon bereichert dann montags die Unfallstatistik, weil ihnen die einfachsten Fahrfehler unterlaufen.

Der Rat der Polizei ist daher immer der gleiche: Auch Routiniers müssen erstmal üben, wenn sie sich im Frühjahr wieder auf den Sattel schwingen. „Zahlreiche Motorradunfälle ereignen sich auf den ,Hausstrecken‘ und in der Nähe des Wohnortes, gerade während und gegen Ende der Saison, wenn man glaubt, sein Motorrad zu beherrschen“, heißt es auf der polizeilichen Ratgeber-Seite.

Ein beliebtes Instrument zur Sicherheit im Sattel ist das Fahrsicherheitstraining. Der Landkreis Biberach bietet es das ganze Sommerhalbjahr abgestimmt auf einzelne Zielgruppen auf dem Verkehrsübungsplatz in der ehemaligen Kiesgrube in Baltringen an: Für Autofahrer, Motorradfahrer und Senioren am Steuer. Allerdings: Wegen der Corona-Krise sind sämtliche Termine bis auf Weiteres abgesagt.

Die Landesregierung verweist auf einen langfristigen Rückgang der Unfallzahlen in Baden-Württemberg. „Nach der Motorradsaison 2019 können wir eine positive Bilanz ziehen“, wird Innenminister Strobl zitiert. Bei den verletzten Motorradfahrern gab es 2019 einen Rückgang um knapp 20 Prozent im Vergleich zu den Monaten März bis Oktober Vorjahres. Die 732 Verletzten seien die beste Zahl seit 2010. Allerdings: „Knapp zwei Drittel der tödlichen Verkehrsunfälle wurden von den Bikern selbst verursacht“, so der Minister. „Hauptunfallursache ist dabei nach wie vor zu hohe oder nicht angepasste Geschwindigkeit“. Andererseits: „Viel zu häufig werden Motorradfahrerinnen und -fahrer aber auch von anderen Verkehrsteilnehmenden übersehen“. Darauf sind 33 Verkehrstote im Land 2019 zurückzuführen.

Knapp 42 Prozent der tödlich verunglückten Motorradnutzenden waren älter als 50 Jahre. „Wir möchten gerade diese Altersgruppe in den Fokus nehmen und Bewusstsein für die Gefahren schärfen. Dazu werden wir mit Präventionsteams, an den Bikertreffs unterwegs sein und die Biker gezielt ansprechen“.

Über 100 Motorradunfälle

Im Landkreis Biberach gab es im vergangenen Jahr 108 Unfälle unter Beteiligung motorisierter Zweiradfahrer – dazu zählen auch Quads und Trikes, S-Pedelecs und sonstige Elektrokleinstfahrzeuge. Bei 31 dieser 108 Unfälle war sonst niemand beteiligt (Alleinunfälle), 53 wurden durch die Fahrer motorisierter Zweiräder selbst verursacht.

In diesen Fällen waren hauptsächlich Bedienfehler die Ursache, daneben aber auch zu schnelles Fahren und Fehler beim Überholen, seltener fehlender Abstand und Missachten der Vorfahrt oder Alkoholeinfluss. Haben andere Verkehrsteilnehmer die Unfälle verursacht (55 Verkehrsunfälle), lag dies hauptsächlich am Missachten der Vorfahrt, Fehlern beim Abbiegen und Fehlern beim Überholen. Hier bestätigt sich, dass die Zweiräder wegen ihrer schmalen Silhouette offenbar häufig übersehen werden.

Das Alter der Unfallbeteiligten lag zwischen zehn und 80 Jahren. Zwei motorisierte Zweiradfahrer wurden getötet, 34 schwer verletzt, 50 leicht verletzt. (Quelle: Polizei)